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Bernhardiner von Döbelns Bürgermeister

Ein Junge hatte zur 1000-Jahr-Feier von Döbeln vor 40 Jahren seinen zehnten Geburtstag. Das Stadtoberhaupt kam zum Kaffee - und schenkt ein Plüschtier.

Den Stoffhund, der den Sessel von Rita Lehmann bewacht, hatte ihr Sohn vor 40 Jahren zum Geburtstag geschenkt bekommen. Damals hatte sie den Döbelner Bürgermeister eingeladen – die Stadt feierte gerade ihr 1000-jähriges Bestehen.
Den Stoffhund, der den Sessel von Rita Lehmann bewacht, hatte ihr Sohn vor 40 Jahren zum Geburtstag geschenkt bekommen. Damals hatte sie den Döbelner Bürgermeister eingeladen – die Stadt feierte gerade ihr 1000-jähriges Bestehen. © Dietmar Thomas

Döbeln. Die Erinnerung an die 1000-Jahr-Feier von Döbeln vor 40 Jahren sitzt bei Rita Lehmann auf der Lehne eines alten Sessels und lässt die langen Ohren hängen. Es ist ein mittelgroßer schwarz-weißer Stoffhund. „Das soll ein Bernhardiner sein“, sagt Rita Lehmann. Zu DDR-Zeiten war das Tierchen sicher etwas Rares. Nicht alltäglich ist auch die Geschichte, wie die 71-jährige dazu gekommen ist.

Eigentlich gehört der Plüsch-Bernhardiner ihrem Sohn Axel. Der hatte am Sonnabend der 1000-Jahr-Feier, dem 27. Juni 1981, seinen zehnten Geburtstag. Die Mutter war auf die „Schnapsidee“ gekommen, dazu den Döbelner Bürgermeister Heinz Dittrich einzuladen. „Wir hatten ihn mal auf dem Rummel getroffen und da kam ich auf die Idee ihn zu fragen, ob er zur 1000-Jahr-Feier Zeit hat“, sagte Rita Lehmann.

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Bettwäsche war in der DDR Mangelwar

Dittrich, der als ziemlich volksnah bekannt war, hatte Zeit. Er tauchte mit seiner Frau und besagtem Geschenk auf und blieb eine Stunde lang zum Kaffeetrinken. Seine Frau habe ihr einen Strauß Rosen mitgebracht, sagte Rita Lehmann. „Wir hatten eine schöne lange Kaffeetafel, und Frau Klöden, die ihre Bäckerei bei uns an der Dresdner Straße hatte, die hat die Kuchen gebacken.“

Der Festumzug war vor 40 Jahren der Abschluss der 1000-Jahr-Feier. Bei großer Hitze zogen mehr als 5.000 Teilnehmer durch die Stadt und zeigten Episoden aus der Stadtgeschichte in 43 Bildern. Etwa 90.000 Leute, so berichtet die Chronik, sollen sich an den Straßen das Spektakel angeschaut haben. Darunter auch Familie Lehmann. Die allerdings ganz bequem vom Fenster in der ersten Etage aus. Denn der Umzug zog direkt am Haus vorbei.

Rita Lehmann kann noch andere Geschichten aus der Zeit des real existierenden Sozialismus in der DDR und der 1000-Jahr-Feier erzählen. Bettwäsche war Mangelware und deshalb begehrt. Aber trotzdem ging da was.

„Bei der Tombola zur 1000-Jahr-Feier habe ich ein Mal bügelfreie blau-weiße Bettwäsche gewonnen. Die wurde in Waldheim hergestellt. Also habe ich im Betrieb nachgefragt, ob ich die gleiche Garnitur noch einmal bekomme, damit ich die Ehebetten gleich beziehen kann“, erzählte Rita Lehmann lachend. Es hat geklappt.

Allerdings stellte sich heraus, dass die als bügelfrei deklarierte Wäsche ihrem Namen keine Ehre machte. „Die bekam nach dem Waschen auf der Leine lauter Falten.“

Kuli-Sammlung als neue Leidenschaft entdeckt

Viele Erinnerungsstücke hat Rita Lehmann nicht an die 1000-Jahr-Feier. Ein paar Aschenbecher sind verschwunden. Dabei hat sie durchaus ein Faible fürs Sammeln. Anfang der 1990er-Jahre hatte sie eine Leidenschaft für ganz einfache, manchmal aber auch recht exklusive Alltagsgegenstände entwickelt. Sie sammelt Kugelschreiber.

Über 100.000 Stück hat sie mittlerweile zusammengetragen. Allein rund 75.000 Stück, verpackt in 55 Bananenkisten, bekam sie von einem Sammler aus Chemnitz. „Er hat keine Erben und hat sie mir schon zu Lebzeiten vermacht“, erzählte sie.

Sie habe jeden einzelnen der Stifte in die Hand genommen. „Im Oktober hatte ich sie geholt und im Januar war ich mit dem Zählen fertig“, sagt sie.

Rita Lehmann sammelt Kugelschreiber. Den Füller von Montplanc hat sie geschenkt bekommen.
Rita Lehmann sammelt Kugelschreiber. Den Füller von Montplanc hat sie geschenkt bekommen. © Dietmar Thomas

Los ging es mit einem Kuli der Schweizerischen Landesbank, erzählte sie. „Den habe ich auf Arbeit herumgezeigt und erzählt: Ich war in der Schweiz“, erklärt sie lachend. Seitdem sind viele Exemplare dazugekommen. Auch ausgefallene. Vor einigen Jahren hatte sie einen aus Beton gekauft. Mit einem anderen kann man im Weltraum schreiben. „Der funktioniert mit Überdruck. Den habe ich mir für 19 Mark gekauft“, erzählt sie.

Die meisten der Schreibutensilien hat sie aber geschenkt bekommen. Auch ein paar richtig wertvolle der Marke Montplanc. Die gab es sogar mit Werbeaufschrift, erzählte sie. Viele der Kulis sind Werbemittel der eher einfachen Art.

Silberkuli von der IG Metall sehr nobel

Andere sind skurril. Mit dem Stift aus Schokolade kann man gar nicht schreiben. Andere erzählen Geschichten, wie der Kuli der früheren Döbelner Firma Pikant, bekannt für ihre edle Salami. „Auf dem Kuli steht noch eine vierstellige Telefonnummer“, erzählte die Sammlerin.

Ziemlich nobel ist ein Kuli, den die IG Metall ihren Mitgliedern zur 40-jährigen Mitgliedschaft verehrte: Der ist aus 925er Silber und steckt in einer Holzschatulle.

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