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Damit Landwirte Insekten eine Chance geben

Wer gute Böden beackert, will dort ernten und selten Bienen eine „Spielwiese“ bieten. Daher fördert der Freistaat die Entscheidung für die Natur.

Agrar-Ingenieur Ulrich Klausnitzer berät Johanna Fuchs und andere Landwirte auch in Sachen Naturschutz. Hier begutachten beide einen sogenannten „Regreening-Streifen“.
Agrar-Ingenieur Ulrich Klausnitzer berät Johanna Fuchs und andere Landwirte auch in Sachen Naturschutz. Hier begutachten beide einen sogenannten „Regreening-Streifen“. © Lars Halbauer

Region Döbeln/Roßwein. Wer derzeit übers Land fährt, sieht auf manchem Feld noch Pflanzenreste stehen. „Das hat nichts mit Unordnung zu tun“, erklärt Johanna Fuchs. „Vielmehr überwintern dort Insekten“, erklärt die Geschäftsführerin des Landwirtschaftsbetriebes Gröbner aus Zschäschütz bei Döbeln.

Für Johanna Fuchs ist es selbstverständlich, über Insektenschutz und Artenvielfalt nachzudenken. Ihre Mitarbeiter haben Grünstreifen und mittlerweile rund 100 Blühstreifen am Rande der rund 1.500 Hektar bewirtschafteten Ackerfläche angelegt. Im Moment überlegt die Geschäftsführerin, an welchen Stellen genau sie ihre „Blühstreifen-Politik“ fortführen will.

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Die Halbjahresnoten glattgebügelt und der Vorsatz, nochmal richtig Gas zu geben, zeigen es!

Das gefällt Ulrich Klausnitzer. Der Agrar-Ingenieur betreibt im Roßweiner Ortsteil Haßlau ein Fachbüro für Naturschutz und Landschaftsökologie. Dort und auch vor Ort gibt er den Landwirten Tipps zu aktuellen Förderrichtlinien. Darüber hinaus begleitet er sie auf Wunsch auch durch die Zeit, in der sie Unterstützung bekommen und gewisse Dinge nachweisen müssen, damit die Zuschüsse tatsächlich fließen.

Fördergeld nur für bestimmte Länge Blühstreifen

Weil andere Programme schon überzeichnet sind, ist es im Moment die Förderrichtlinie „Insektenschutz und Artenvielfalt“, die für Bauern interessant sein könnte. Wer sich daraus Zuschüsse erhofft, der muss schon im Vorfeld einiges beachten.

Da zählt nicht nur die Bereitschaft, mehr für Insekten zu tun. Vielmehr ist es unter anderem auch wichtig, die Blühstreifen an den Äckern in der richtigen Größe anzulegen. Denn nur sechs Meter breite und 20 Meter lange Streifen werden gefördert. Alles, was darüber hinausgeht, muss der Bewirtschafter selbst finanzieren.

Genauso gut zu wissen ist bei der Beantragung von Zuschüssen aus diesem Programm, dass das vorgesehene Land die nächsten fünf Jahre auch als „Insektenwiese“ genutzt werden kann, so lange mindesten der Pachtvertrag läuft, wenn es sich nicht um eigenes, frei verfügbares Land handelt.

Ordentlich Saatgut damit das Unkraut wegbleibt

Und auch bei der Aussaat – für gewöhnlich im Herbst – ist einiges zu beachten. „Es gibt mehrere zugelassene Saatgutmischungen“, sagt Ulrich Klausnitzer. Die stelle er interessierten Landwirten gern vor.

Nicht fehlen wird dann auch der Hinweis, wirklich ausreichend Saatgut einzusetzen, damit Unkräuter keine Chance haben. „Denn breiten die sich erst einmal aus, wird der Blühstreifen mitunter für die Landwirte und auch für die Nachbarn zum Ärgernis“, berichtet Klausnitzer von den Erfahrungen von Bauern, die er bislang betreut hat. Überdies müssen die Blühstreifen auf vorgeschriebene Weise bewirtschaftet werden.

Als Hobbyimker kann Klausnitzer nur unterschreiben, dass es Insekten immer schwerer haben, ausreichend Nahrung zu finden, ihnen Unterstützung guttut. Ansonsten droht eine Fortsetzung des Insektensterbens. „Wir haben jetzt schon 75 Prozent weniger Insekten als noch vor Jahren“, gibt der Agrar-Ingenieur wissenschaftliche Erkenntnisse wieder.

Dieses Weniger hat auch Johanna Fuchs bemerkt. Doch sie und andere Landwirte seien auf Insekten wie Bienen, Wildbienen, Hummeln, Schmetterlinge, Fliegen oder auch Ameisen zum Bestäuben angewiesen. „Deshalb überlegen wir uns lieber jetzt, unseren Beitrag freiwillig zu leisten“, sagt Johanna Fuchs.

Freiwillig handeln, ehe es Auflagen gibt

Eine mögliche Förderung sei gerade hier, wo es gute Böden gibt, ein zusätzlicher Anreiz dafür. Letztlich gleiche der Zuschuss aber nicht das aus, was der Landwirt verdienen könnte, wenn er auf den Blühflächen Getreide oder anderes anbaut. In Regionen mit schlechteren Böden und geringeren Erträgen könne das schon wieder anders aussehen, sagen die Landwirtin und der Agrar-Ingenieur.

Aber auch aus dieser wirtschaftlichen Sicht schiebt Johanna Fuchs den Insektenschutz nicht weg, sondern beschäftigt sich ernsthaft damit: „Ansonsten werden wir irgendwann vom Freistaat dazu verpflichtet.“ Das fände sie nicht wirklich gut.

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Neben Beratungen zu Fördermöglichkeiten bietet Ulrich Klausnitzer auch Qualifizierungen im Auftrag des Sächsischen Ministeriums für Umwelt und Landwirtschaft an. Dabei geht es unter anderem um naturschutzgerechte Nutzungen von ausgewählten Flächen auf dem Acker- und im Grünland. Das passiert bei interessierten Landwirten vor Ort. Kosten entstehen Nutzern in der Region Döbeln nicht.

Kontakt unter Funktel. 0160 7651492, Mail: [email protected]

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