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Dann wenigstens einen Swimmingpool

Viele Menschen rechnen wohl auch in diesem Jahr mit Sommerurlaub im Garten. Denn die Poolbauer werden überrannt.

Ein bisschen Südseefeeling im Garten: Poolbauer werden mit Anfragen überhäuft und kommen mit dem Bauen und Liefern kaum noch hinterher.
Ein bisschen Südseefeeling im Garten: Poolbauer werden mit Anfragen überhäuft und kommen mit dem Bauen und Liefern kaum noch hinterher. © Rüsterhof

Von Cathrin Reichelt, Beate Erler

Region Döbeln. Während andere Branchen mit massiven Umsatzeinbrüchen kämpfen, haben die Poolbauer Hochkonjunktur. Seit vergangenem Jahr werden sie mit Anfragen überhäuft und kommen mit Bauen und Liefern fast nicht mehr hinterher.

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Weil die alljährliche Sommerurlaubsreise auch in diesem Jahr nicht sicher ist, holen sich jetzt viele ein bisschen Südseefeeling in Form eines großen blauen Wasserplanschbeckens in den heimischen Garten. Die Sächsische Zeitung hat bei den Poolbauern und der unteren Wasserbehörde nachgefragt, und vieles deutet auf einen neuen Trend hin.

„Ich würde gern noch Aufträge abgeben“, sagt Dietmar Börner vom Schwimmbad- und Saunabau in Wallbach. Der Umsatz in der Branche sei seit Jahren gut. Aber jetzt würden die Anfragen überhandnehmen, und alle Handwerker seien überlastet. „Wir rufen uns gegenseitig an und fragen nach, ob noch jemand Kapazitäten hat“, so Börner. „Wir können eigentlich keine Aufträge mehr annehmen.“

Lieferzeiten bis zu 20 Wochen

Wer sich erst jetzt für das Bad im eigenen Garten entscheidet, werde mit hoher Wahrscheinlichkeit in diesem Jahr nicht mehr darin planschen können. Es sei denn, es wird ein heißer Herbst. Denn die Hersteller hätten inzwischen Lieferzeiten von bis zu 20 Wochen.

Auch die Preise steigen. Deshalb empfiehlt Börner, vorauszudenken, jetzt das Material zu bestellen, zu „bunkern“ und im nächsten Jahr zu bauen. Seine Firma biete für jedes Portemonnaie das Passende an, vom kleinen Rundpool bis zum Zehn-mal-vier-Meter-Pool. „Jeder will eine Pfütze im Garten haben“, sagt Börner mit einem Augenzwinkern.

Auch eine Mitarbeiterin der Haus- und Schwimmbadtechnik Mauksch in Geringswalde bestätigt den Run auf Pools. Sie spricht von zwölf bis 16 Wochen Lieferzeit. Probleme gebe es vor allem bei der Innenverkleidung. Ein gangbarer Weg sei, im Herbst den Pool zu bauen und ihn im kommenden Frühjahr mit der Innenverkleidung zu vollenden.

Drastische Preissteigerungen

Bereits seit fünf Jahren spürt Bernd Fehler, Geschäftsführer der Firma TGA Döbeln, ein steigendes Interesse an Swimmingpools. Bisher führte er dies auf die zunehmend höheren Temperaturen im Sommer zurück.

„Aber auch durch Corona investieren die Menschen eher Geld in das Bad im eigenen Garten“, meint Fehler. Er schätzt die Zunahme an Interessenten auf zehn bis 15 Prozent.

Und Fehler verspricht: „Wer jetzt bestellt, bekommt seinen Pool noch in diesem Jahr.“ Schwieriger werde es bei Bestellungen im Juli oder August. Die Firma verwende Fertigbecken. Derzeit betrage die Lieferzeit zwischen vier und sechs Wochen. Und auch er sagt: „Zurzeit erfolgen drastische Preissteigerungen.“

Genehmigung für Brunnen nötig

Wer sich für seinen Pool extra einen Brunnen bohren lassen will, muss das von der unteren Wasserbehörde genehmigen lassen. Alles unterhalb der Oberfläche gehört nicht dem Grundstücksbesitzer, sondern der Allgemeinheit.

„Für die Nutzung des Grundwassers ist durch den Bauherrn nach Errichtung des Brunnens entweder eine Anzeige oder ein Erlaubnisantrag auf Grundwassernutzung bei der unteren Wasserbehörde einzureichen“, erklärt Peggy Hähnel, Pressesprecherin des Landratsamtes Mittelsachsen. „Es gibt auch Brunnen, die sind erlaubnisfrei.“

Sie bestätigt, dass es vermehrt solche Anträge und Anzeigen gibt. Das habe nach Einschätzung der unteren Wasserbehörde aber weniger mit dem Run auf Swimmingpools zu tun, sondern mit der Trockenheit. Die habe einige Brunnen versiegen lassen. Deshalb müsse mancherorts tiefer gebohrt werden.

Zurückhaltung beim Buchen von Urlaubsreisen

Wie hoch die Kosten für einen Brunnen sind, hänge von vielen Faktoren ab, zum Beispiel den örtlichen Gegebenheiten, der notwendigen Bohrtiefe, vom konkreten Bohrunternehmen und dem endgültigen Ausbau des Brunnens. „Die Planung und Errichtung einer Brunnenanlage muss grundsätzlich durch Fachunternehmen erfolgen“, so Peggy Hähnel.

Dass Urlaubsreisen für den Sommer bisher nur sehr zurückhaltend gebucht werden, bestätigt der Deutsche Reiseverband (DRV). Eigentlich ist die Hauptbuchungszeit für den Sommerurlaub der Zeitraum zwischen Dezember bis März: „Wir sind also mitten in der üblichen Hauptbuchungsphase, aber es herrscht eine große Verunsicherung“, sagt der Kommunikationsleiter Torsten Schäfer.

Die Buchungseingänge im Reisebüro im Januar lagen um über 90 Prozent unter denen des Vorjahres, als Corona noch kein Thema war. Der Januar sei sonst einer der buchungsstärksten Monate, in denen die meisten ihren Sommerurlaub buchen.

Ein bisschen Hoffnung machen die Neubuchungen für die Sommerferien infolge der Verfügbarkeit der Impfstoffe, sagt Torsten Schäfer: „Aber auch die sind noch auf niedrigem Niveau.“

Für den Artenschutz gefährlich

Im Gegensatz dazu steigen die Poolbestellungen an. Eine Brunnenbaugenehmigung ist allerdings gar nicht so leicht zu bekommen: „Eine Entscheidung hängt unter anderem vom Umfang der geplanten Benutzung, lokalen hydrogeologischen Randbedingungen, Wasserhäufigkeit und der Lage in Schutzgebieten ab“, teilt die untere Wasserbehörde mit.

Ein hydrogeologisches Gutachten von einem Fachbüro muss auf jeden Fall eingeholt werden, sagt Thomas Gensch vom Landesverein Sächsischer Heimatschutz. Er ist für den Fachbereich Naturschutz und Landschaftsgestaltung verantwortlich und sieht in dem neuen Trend unterschiedliche Probleme: „Wenn viele jetzt innerhalb eines Landschaftsschutzgebietes Pools bauen, dann hat das zum Beispiel negative Auswirkungen auf die Ästhetik einer Landschaft“, sagt er.

Schon jetzt werden Landschaftsschutzgebiete immer kleiner, weil Grundstücke zum Bauen ausgegliedert werden. Für den Artenschutz wird es erst gefährlich, wenn viele Poolbesitzer dauerhaft Wasser entnehmen. „Dann sinkt der Grundwasserspiegel, Bäume werden nicht mehr ausreichend versorgt, sterben ab und das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Tierarten, die in den Bäumen leben“, sagt Thomas Gensch.

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