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Das Erfolgsrezept der Waldheimer Tischler

Die Firma Rockhausen findet ohne Probleme Lehrlinge. Jedes Jahr aufs Neue. Und so gelingt es.

Florian Perge (links), Auszubildender im dritten Lehrjahr, und René Kuhnert, seit vier Jahren ausgelernt, arbeiten in der Waldheimer Firma Rockhausen an einer Apothekeneinrichtung.
Florian Perge (links), Auszubildender im dritten Lehrjahr, und René Kuhnert, seit vier Jahren ausgelernt, arbeiten in der Waldheimer Firma Rockhausen an einer Apothekeneinrichtung. © Dietmar Thomas

Waldheim. Florian Perge war fünf Jahre alt, als sein Opa mit ihm Bausteine aus Holz angefertigt hat. „Das war der Schubs in Richtung Tischlerhandwerk“, sagt der junge Mann. Heute ist er 21, steht kurz vor dem Abschluss der Ausbildung zum Tischler und beginnt in der kommenden Woche mit dem Bau seines Gesellenstücks, einem Sideboard.

Nach wie vor spricht er begeistert von dem Handwerk, obwohl er zwischenzeitlich mal eine andere berufliche Richtung einschlagen wollte. Nach dem Fachabitur in Wirtschaft und Verwaltung war ein BWL-Studium geplant.

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„Den Studienplatz hatte ich schon. Aber statt mein restliches Leben auf einem Bürostuhl zu sitzen, will ich ein praktisches Ergebnis meiner Arbeit sehen“, begründet Florian Perge, weshalb er sich auf seinen ursprünglichen Berufswunsch besonnen hat.

Theorie soll von Chemnitz nach Zschopau

Beworben hat er sich bei der Ernst Rockhausen Söhne GmbH & Co in Waldheim, die Apothekeneinrichtungen und Mobiliar für die Sanitärbereiche von Kindertagesstätten herstellt. „Ich wurde direkt zu einem Praktikum eingeladen“, so Perge. Dem folgte die Ausbildung.

Die stand zwischenzeitlich auf der Kippe. Nicht, weil er schlechte Leistungen in der Berufsschule hatte oder ihm in der Praxis die nötige Fingerfertigkeit fehlte, sondern weil das Kultusministerium einen neuen Teilschulnetzplan umsetzen wollte.

So wie die theoretische Ausbildung der künftigen Nutzfahrzeugtechniker des Döbelner Berufsschulzentrums jetzt, sollte die Theorie der Tischler-Azubis im vergangenen Jahr nach Zschopau verlegt und dort zentralisiert werden. „Das wäre ein Grund gewesen, nicht weiter zu machen. Ich hätte keine Möglichkeit gehabt, nach Zschopau zu kommen“, sagt Florian Perge.

Petition gegen Berufsschulverlegung

Die Theorie lernen die Tischler in Chemnitz. „Die Berufsschule ist top ausgestattet, es gibt einen guten Dialog zwischen den Lehrern und den Firmen der Azubis und die Schule liegt direkt neben dem Bahnhof“, sagt Alexander Halm, Leiter der Arbeitsvorbereitung und Mitgesellschafter bei Rockhausen.

Zudem hätten die Lehrer das Homeschooling gut organisiert und die Azubis gut auf die Prüfungen vorbereitet, die dann im Vergleich mit anderen Bildungseinrichtungen mit den besten Noten abgeschnitten hätten, erklärt der Rockhausen-Lehrling.

Er und seine Berufsschulklasse wollten die Pläne des Kultusministeriums nicht einfach hinnehmen. Sie haben im Internet eine Petition mit einer Unterschriftensammlung gestartet, der sich große Firmen, die Handwerkskammer und Innungsobermeister angeschlossen haben.

Und damit haben sie es geschafft, dass die Tischlerausbildung zumindest für die kommenden zehn Jahre in Chemnitz bleibt. Ansonsten wäre Zschopau nach Döbeln, Schkeuditz und Chemnitz innerhalb von 18 Jahren der vierte Berufsschulort für die Tischler aus der Region Döbeln gewesen – und für viele junge Leute ein Ausschlusskriterium, einen entsprechenden Lehrvertrag zu unterschreiben.

Azubis werden übernommen

Dabei hatte die Firma Rockhausen, im Gegensatz zu anderen Handwerksfirmen, noch nie Probleme, Lehrlinge zu finden. „In den vergangenen Jahren haben wir das Unternehmen auf den Ausbildungsmessen ,Schule macht Betrieb‘ in Döbeln und Mittweida präsentiert. Dort haben wir immer Jugendliche für ein Praktikum und die Ausbildung generiert“, so Halm. Auch die Kooperation mit den Schulen, Anzeigen im Internet und der Zeitung helfen, junge Leute für den Beruf des Tischlers zu interessieren.

Zwar gebe es eine gewisse Fluktuation, aber inzwischen haben etwa drei Viertel der knapp 40 Mitarbeiter auch in der Firma gelernt, ergänzt Markus Schmieding. Auch für ihn trifft dies zu. Vor Kurzem hat er zudem seine Meisterausbildung abgeschlossen. Jetzt ist er für den Vertrieb und die Arbeitsvorbereitung zuständig.

Soweit möglich, würden die Azubis nach ihrer Lehrzeit übernommen. Wenn kein Job frei ist, aber die Lehrlinge gut abgeschnitten haben, „vermitteln wir sie auch an andere Tischlerfirmen“, so Alexander Halm. „Wir sind zwar Konkurrenten, aber trotzdem eine große Tischlerfamilie“, erklärt Markus Schmieding.

Und diese Familie wird bei Rockhausen immer jünger. Das begeistert auch Florian Perge. „Es ist ein gutes, relativ junges Team, immer offen für Neues und man kann seine Kreativität ausleben“, sagt er. Gearbeitet werde mit modernen Maschinen und es entstünden Produkte in einer Qualität, „mit der man zufrieden ist.“

Ausbildung spricht sich rum

Das Unternehmen verliere seit geraumer Zeit nur durch Wegzug oder den Ruhestand Mitarbeiter. Es geht aber auch andersherum. „Vor Jahren hat uns ein Mitarbeiter verlassen, weil er weggezogen ist. Jetzt ist er zurück in Waldheim und hat wieder bei uns begonnen“, so Schmieding.

Neben der aktiven Werbung um Lehrlinge spreche sich die Ausbildung bei Rockhausen auch zunehmend unter den jungen Leuten herum. „Und in den vergangenen Jahren sind es nicht mehr nur Oberschüler, die sich bewerben, sondern viele Abiturienten“, so Schmieding. Auch Mädchen entscheiden sich für den Handwerksberuf, bei dem sie in alles einbezogen werden.

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„Die Apothekeneinrichtungen werden vor der Auslieferung einmal komplett in der Firma aufgebaut, um zu sehen, dass alles passt. Die Lehrlinge fahren dann auch mit zur Montage“, nennt Schmieding als Beispiel. Durch die vorherige Kontrolle nehme die Installation beim Kunden dann weniger Zeit in Anspruch.

Dass die meisten Lehrlinge übernommen werden, habe einige Vorteile. „Man kennt die Menschen und deren Fähigkeiten, die jungen Leute kennen die Firma und unsere Arbeitsweise und wir sparen uns die Einarbeitungszeit“, meint Alexander Halm.

Die Knappheit von Holz, Spanplatten und anderen Rohstoffen und die damit einhergehenden Preissteigerungen spürt auch die Firma Rockhausen. Die Auftragsbücher seien trotzdem gut gefüllt.

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