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Das Geheimnis der Turmkugel von Schönerstädt

Der Kirchturm des Harthaer Ortsteiles wird saniert. Nun ist bekannt, welche Schätze ganz oben schlummern.

Pfarrerin Susanne Willig und Otmar Reim vom Kirchenvorstand zeigen die Turmspitze der Sankt-Margaretha-Kirche Schönerstädt. Eine darin verborgene Hülse offenbarte zeitgeschichtliche Dokumente.
Pfarrerin Susanne Willig und Otmar Reim vom Kirchenvorstand zeigen die Turmspitze der Sankt-Margaretha-Kirche Schönerstädt. Eine darin verborgene Hülse offenbarte zeitgeschichtliche Dokumente. © Dietmar Thomas

Hartha. Die Spannung steigt. Was wird wohl in der Hülse der Turmkugel zu finden sein? Kupferschmied Wolfgang Wetzig, Architekt Jochen Ritter-Müller und mehrere Bauarbeiter sind auf das Gerüst geklettert, das derzeit am Kirchturm in Schönerstädt steht.

Sie entfernen zuerst den Wetterhahn von der Kirchturmspitze, dann noch ein Ornament, bevor sie schließlich die Bekrönung abnehmen können. Das erweist sich als gar nicht so einfach. Teilweise muss eine Flex zum Einsatz kommen.

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Dann ist es aber doch geschafft, und die Turmkugel gibt ihr Geheimnis preis, auf das alle mit Spannung gewartet haben. Die Vermutung, das sich zeitgeschichtliche Dokumente in der Hülse befinden, bestätigt sich.

DDR-Geld und ältere Münzen

Gefunden wurde eine Ausgabe der damaligen Leipziger Volkszeitung – dem damaligen Zentralorgan der SED-Bezirksleitung Leipzig – aus dem Dezember 1980, eine Ausgabe der Kirchenzeitung „Der Sonntag“ sowie DDR-Geld, aber auch mehrere ältere Münzen „Wir werden im Museum in Döbeln anfragen, ob man uns dort sagen kann, aus welcher Zeit diese Münzen stammen“, sagt Susanne Willig. Im Archiv habe sie etwas gefunden, das auf das Jahr 1888 hindeute.

Hinweis auf Versorgungsengpässe

Auch einige Nachrichten des damaligen Pfarrers tauchten in der Hülse auf. „Er hat darin auf die Mangelwirtschaft und Versorgungsengpässe hingewiesen“, so die Pfarrerin. Ein Zettel mit der Aufschrift „Wir haben den 4. 10.1980. Es regieren die Kommunistenschweine. Wir hoffen, ihr macht es besser.“ Der Verfasser der Zeilen sei jedoch nicht ersichtlich.

Mit Spannung begutachten Architekt, Kupferschmied, Harthas Bürgermeister, Pfarrerin und Kirchenvorstand die Dokumente, die sich in der Turmkugel befunden haben.
Mit Spannung begutachten Architekt, Kupferschmied, Harthas Bürgermeister, Pfarrerin und Kirchenvorstand die Dokumente, die sich in der Turmkugel befunden haben. © Dietmar Thomas

Zum letzten Mal ist die Hülse im sogenannten Turmknopf der Schönerstädter Kirche „St. Margaretha“ tatsächlich Ende des Jahres 1980 geöffnet worden. Damals seien schon einmal Bauarbeiten an dem Gebäude erfolgt. Nähere Aufzeichnungen darüber existieren nicht.

Jetzt werden seit Februar für rund 223.000 Euro der Kirchturm und das Dach saniert. Wie Susanne Willig informiert, wird das Projekt mit Mitteln aus dem Leader-Programm der Europäischen Union, der Landeskirche Sachsen und einem Eigenanteil der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Hartha gefördert. Für letzteren flossen unter anderem auch private Spenden.

Bausubstanz am Kirchturm war schlecht

Die Arbeiten waren notwendig, weil die Bausubstanz stark in Mitleidenschaft gezogen war und um Schäden im Innenbereich zu verhindern. Wegen der Corona-Pandemie und damit verbundener Material- und Personalprobleme der Baufirmen stockten die Arbeiten im Frühjahr. „Jetzt geht es aber wieder gut voran“, so Susanne Willig.

Ab Freitag sollen die Schiefer vom Dach abgenommen und die Bleche der Haube auf eventuelle Beschädigungen kontrolliert werden. „Außerdem müssen unter anderem noch mehrere Turmteile repariert und Teile des Glockenstuhls ergänzt werden“, so Architekt Jochen Ritter-Müller.

Er wagt eine vorsichtige Prognose bezüglich des Fertigstellungstermins: „Wenn das Wetter uns keinen Strich durch die Rechnung macht, könnten die Arbeiten bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Einiges ist bei Frost und Nässe nicht möglich. Deshalb könnte es auch bis Anfang 2022 dauern.“

Die Hülse soll nebst Inhalt übrigens wieder in der Turmkugel verstaut werden. Ebenso wie eine neue Kapsel mit Dokumenten aus der heutigen Zeit. „Auf jeden Fall wird ein Hinweis auf Corona nicht fehlen“, so Susanne Willig.

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