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Das gibt’s nur in Altenhof: Glockenklang vom Band

Die Gemeinde sammelt auch über Ostern Spenden für den Abschluss der Renovierungen in St. Ägidien. So lange ist noch ein Provisorium besonderer Art nötig.

Josi Wilhelm, Clemens und Heidi Schiller, Max Eulitz und Rebekka Richter (von links mit Pfarrerin Katja Schulze) gehören zu den Konfirmanden aus Leisnig, Tragnitz und Altenhof. Sie haben Engel- und Glockenfiguren als Osterschmuck gestaltet.
Josi Wilhelm, Clemens und Heidi Schiller, Max Eulitz und Rebekka Richter (von links mit Pfarrerin Katja Schulze) gehören zu den Konfirmanden aus Leisnig, Tragnitz und Altenhof. Sie haben Engel- und Glockenfiguren als Osterschmuck gestaltet. © Dietmar Thomas

Leisnig. Es sind nicht „ihre“ Glocken, die sie am Sonntagmorgen um 6 Uhr aus den Betten läuten. Das haben die Altenhofer inzwischen mitbekommen. Das Geläut in dem kleinen Leisniger Ortsteil kommt auch zum Osterfest 2021 vom Band. Denn noch immer müssen die Kirchenglocken schweigen.

Das war anders geplant. Das weiß auch Bernd Eulitz, der sich seit Beginn der Kirchsanierung mit um dieses Bauprojekt gekümmert hat und auch an den Renovierungen beteiligt ist. Doch gerade bei solch umfangreichen Arbeiten an derart alten Objekten wie einer Kirche geht vieles langsamer voran, als es sich die Baubeteiligten und die ungeduldig wartenden Gemeindemitglieder wünschen.

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Das ist auch in St. Ägidien in Altenhof so. „Schön wäre, wenn es Pfingsten mit dem Geläut der Altenhofer Kirchenglocken klappen könnte“, wünscht sich Eulitz.

Konfirmanden gestalten Tonfiguren

Schon sein Vater Karl war an einer zurückliegenden Sanierung im Glockenturm beteiligt gewesen. Jetzt hat sein Sohn Bernd unter anderem die Aufhängungen erneuert. Montiert sind die genauso wie die Klöppel noch nicht. Doch die Handwerker stehen sozusagen in den Startlöchern, benötigen aus Sicherheitsgründen zunächst aber noch festen Boden unterm Arbeitsschutzschuh.

Bis dahin hat sich Sohn Max Eulitz schon einmal nützlich gemacht. Er gehört zu den Konfirmanden des Jahrganges 2021. Insgesamt 18 junge Menschen darf Katja Schulze, Pfarrerin für Leisnig, Tragnitz und Altenhof, vor und während dieses großen Tages begleiten.

„Schön“, sagt sie. „Ich hab mir immer schon einmal eine solch große Gruppe gewünscht.“ Doch diese Zahl sorgt jetzt auch dafür, dass noch gar nicht feststeht, unter welchen Corona-Bedingungen die Konfirmation begangen werden kann.

Trotzdem sehen Max und seine Mitkonfirmanden dem Tag gut vorbereitet und mit einiger Vorfreude entgegen. In den vergangenen Tagen haben sie Engel- und Glockenfiguren in verschiedenen Größen aus lufttrocknendem Ton angefertigt, teilweise noch hübsch gestaltet. Diese für einen Osterstrauch gedachten Figuren sollen während der Osterveranstaltungen in den Kirchen verkauft werden.

Ein besonderer Schatz

Der Erlös geht in die „Sparbüchse“ in Kirchenform. Denn: Allein 40.000 Euro werden die Arbeiten rund um die neuen Glocken kosten. „Bekommen wir die beantragten 19.000 Euro Zuschuss von der Landeskirche“, so die Pfarrerin, „brauchen wir noch 5.000 Euro um diese Erneuerungen zu finanzieren.“

Mehrere hunderttausend Euro haben vorher schon die unbedingt nötigen Arbeiten am Dach und der Dachkonstruktion gekostet. Für Mehrkosten sorgten unter anderem Renovierungen am Turmschaft, die sich erst im Zuge der laufenden Sanierungen herausgestellt hatten.

Wenn die Kirchenglocken von St. Ägidien wieder klingen und deren Klang nicht mehr vom Band kommt, dann können die Einwohner mit Fug und Recht behaupten, einen besonderen Schatz in ihrer Mitte zu haben.

Der ist kurioserweise „irgendwie zusammengewürfelt“. Das fängt bei den Glocken an, von denen nur die ursprünglich kleinste übrig geblieben ist. Die anderen beiden mussten die Altenhofer wie viele andere Gemeinden im Krieg abgeben.

Die Altenhofer Kirchenglocken müssen auch Ostern 2021 noch schweigen, weil die Arbeiten im Glockenturm nicht abgeschlossen werden konnten. An den Restaurierungen sind auch die Handwerker Bernd Eulitz (links) und Heiko Riedel beteiligt.
Die Altenhofer Kirchenglocken müssen auch Ostern 2021 noch schweigen, weil die Arbeiten im Glockenturm nicht abgeschlossen werden konnten. An den Restaurierungen sind auch die Handwerker Bernd Eulitz (links) und Heiko Riedel beteiligt. © Dietmar Thomas

Sanierte Eichenbalken für den Glockenstuhl

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Trio wieder komplettiert, allerdings nicht mit neuen Glocken. Eine kam aus Fürstenwalde dazu. Sie soll 1699 gegossen worden sein. Die zweite hatte einen kürzeren „Anfahrtsweg“.

Sie läutete einige Zeit in Zschoppach, also in Leisnigs Nachbargemeinde. Sie ist mit dem Herstellungsjahr 1924 die Jüngste. Die Altenhofer dagegen soll um 1300 angefertigt worden sein. Damit gilt sie als eine der ältesten Kirchenglocken in Sachsen.

Richtig alt sind auch die gerade erst von dem Leisniger Dachdeckermeister Christopher Benedix und seinen Gesellen eingebauten Eichenbalken des neuen Glockenstuhls. Die hat er aus den alten Bundesländern besorgt, wo sie bereits verbaut gewesen waren.

„Neue Eichenhölzer können wir nicht verwenden, da wir keine technischen Möglichkeiten des Trocknens haben“, erklärt der Handwerker. Und so setzt er mitunter über Jahrzehnte und teils noch viel länger getrocknetes Holz ein, das sich dann nicht mehr verändert.

Die Läuterichtung ändert sich

Wenn die Renovierungen und Restaurierungen abgeschlossen sind, dann hat sich im Dachreiter, als Turm aufs Kirchenschiff aufgesetzt, einiges verändert. Die Glocken hängen dort dann nicht mehr in Ost-West-Ausrichtung, sondern in Nord-Süd-Ausrichtung.

„Damit sollen die Kräfte, die beim Läuten wirken, besser abgeleitet werden“, erklärt Bernd Eulitz. Das soll zur Standsicherheit und auch dazu beitragen, dass keine anderen Schäden entstehen.

Die Besucher der Gottesdienste am Ostersonntag (7 Uhr: Gottesacker Leisnig, 9 Uhr: Altenhof, 10.15 Uhr: Tragnitz) bittet die Pfarrerin, gefärbte Ostereier und Süßigkeiten mitzubringen. Diese sollen für die Kinder auf den Friedhöfen versteckt werden.

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