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Das lange Warten auf den neuen Führerschein

In der Behörde sollen sechs neue Mitarbeiter eingestellt werden. Trotzdem brauchen Umtauschwillige weiter Geduld.

Wer seinen DDR- in einen EU-Führerschein umtauschen möchte, braucht Geduld. Trotz Termin dauert die Wartezeit vor der Führerscheinstelle in Döbeln teilweise mehrerer Stunden.
Wer seinen DDR- in einen EU-Führerschein umtauschen möchte, braucht Geduld. Trotz Termin dauert die Wartezeit vor der Führerscheinstelle in Döbeln teilweise mehrerer Stunden. © Dietmar Thomas

Döbeln. Der Schrebitzer ist sauer. Er ist 68 Jahre alt und gehört damit zu denjenigen, die ihren alten DDR-Papierführerschein bis zum 19. Januar 2022 in ein neues Dokument im Scheckkartenformat, also den EU-Führerschein umtauschen müssen.

Eine ganze Woche lang habe er versucht, über das Internet einen Termin für den Umtausch zu erhalten. „Die Anmeldung hat aber nicht funktioniert“, sagt er. Deshalb sei er ohne Termin zur Führerscheinstelle nach Döbeln gefahren und habe sich gegen 12 Uhr in die Schlange der Wartenden eingereiht.

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Doch als die Behörde nach der Mittagspause um 13 Uhr wieder öffnete, hätten die Mitarbeiter mitgeteilt, dass nur noch die Anliegen derjenigen bearbeitet werden, die einen Termin gebucht haben.

„Es ist befremdlich, dass man uns zuvor so stehengelassen hat“, sagt der Mann. Mit ihm seien dann etwa zehn andere Personen unverrichteter Dinge wieder gegangen. Aber auch diejenigen, die bleiben konnten, brauchten Durchhaltevermögen. Kurz nach 15 Uhr, befanden sich unter den Wartenden noch Personen, die sich gegen 10 Uhr angestellt hatten.

Dem Landratsamt sei das Problem durchaus bekannt. Der Umtausch stelle die Behörde vor eine große Herausforderung. Es gebe dazu viele Bürgeranfragen und Beschwerden. „Es muss eine Lösung gefunden werden“, sagt Landrat Matthias Damm (CDU) im Kreistag. Der Umtausch betreffe die neuen Bundesländer, in denen die sogenannten VK 30-Karten, die beim Erwerb des Führerscheines angelegt wurden, noch nicht digitalisiert sind.

Mitarbeiter nicht einfach umsetzbar

„Die Kritik der Bürger ist zum Teil berechtigt“, sagt Damm. Das Thema sei in der obersten Leitungsebene des Landratsamtes angesiedelt, die nach Wegen für die Umtauschmöglichkeiten suche. Verbesserungen würden aber vom Personal und dessen Qualifikation abhängen.

Es gebe fünf Varianten für den Führerscheinumtausch. „Wir können nicht einfach Mitarbeiter von A nach B umsetzen“, so der Landrat. Trotz dieser Erklärung fordert Romy Penz, Fraktionsvorsitzende der AfD, in einem Schreiben an Matthias Damm, dass der Kreistag den Landrat beauftragen soll, eine personelle Umstrukturierung im Landratsamt durchzuführen, die zuerst zugunsten des Referates Fahrerlaubnisbehörde erfolgen solle.

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Der Andrang in der Führerscheinstelle hänge laut Vizelandrat Lothar Beier aber nicht nur mit dem Umtausch zusammen. „Coronabedingt beenden jetzt viele Fahrschüler ihre Ausbildung. Zudem gebe es eine Frist, bis zu der Berufskraftfahrer, die ins Ausland fahren, einen zweiten Nachweis für die Qualifikation als Kraftfahrer benötigen.

Erste Stellenausschreibung erfolglos

Bis zum 19. Januar kommenden Jahres müssen in Mittelsachsen rund 12.000 Führerscheine umgetauscht werden. Derzeit sei die Führerscheinstelle mit sechs Mitarbeitern besetzt. Das seien zu wenige.

„Wir haben die Situation aber nicht erst erkannt, als es zu spät war“, so Beier. Im Sommer sei eine Stellenausschreibung erfolgt, auf die sich jedoch niemand gemeldet habe. Deshalb sei eine zweite Ausschreibung mit geänderten Anforderungen erfolgt. In der kommenden Woche sind die Vorstellungsgespräche der Bewerber geplant.

Ziel sei es, so viel Personal zu finden, dass die Öffnungszeiten der Führerscheinstelle erweitert werden können. Geplant seien sechs neue Stellen, die vorerst auf vier Jahre befristet sind. Derzeit behelfe sich das Landratsamt mit Mitarbeitern der kreiseigenen Gesellschaft GSQ und einem Arbeitsvermittler.

Termin-Portal bis Februar 2022 voll

Zwar bestehe ein Online-Termin-Portal. Das sei aber „vollgelaufen“. Am Freitagvormittag waren die nächsten Termine an acht Tagen im Februar 2022 erhältlich. Lothar Beier weist darauf hin, dass Führerschein-Neulinge das Dokument schriftlich beantragen können. Vorrang hätten für eine gewisse Übergangszeit die Personen, die ihren Führerschein beruflich benötigen.

Sollte es trotz allem nicht gelingen, alle Führerscheine bis zum Stichtag umzutauschen, wolle der Landkreis mit der Polizeibehörde eine Kulanzregelung vereinbaren. „Am einfachsten wäre es, wenn die Umtauschfrist verlängert würde“, so Landrat Damm. Der Kreis habe dies bereits bei den übergeordneten Gremien beantragt.

Lothar Beier weist darauf hin, dass die Mitarbeiter in der Führerscheinstelle Frauen seien, die hochmotiviert arbeiten und in jeder Situation „mitgezogen haben“. Deshalb bittet er die Umtauschwilligen, Verständnis aufzubringen. Auch Geduld und Vernunft seien gefragt.

Die Umtauschfristen

Führerscheine, die bis zum 31. Dezember 1998 ausgestellt worden sind, haben folgende Umtauschzeiten:

  • Geburtsjahr Umtausch bis
  • Vor 1953 19.01.2033
  • 1953-1958 19.01.2022
  • 1959-1964 19.01.2023
  • 1965-1970 19.01.2024
  • 1971 oder später 19.01.2025

Führerscheine, die ab 1. Januar 1999 ausgestellt worden sind, müssen umgetauscht werden:

  • Ausstellungsjahr Umtausch bis
  • 1999-2001 19.01.2026
  • 2002-2004 19.01.2027
  • 2005-2007 19.01.2028
  • 2008 19.01.2029
  • 2009 19.01.2030
  • 2010 19.01.2031
  • 2011 19.01.2032
  • 2012-18.01.2013 19.01.2033

Fahrerlaubnisinhaber, deren Geburtsjahr vor 1953 liegt, müssen den Führerschein erst bis zum 19. Januar 2033 umtauschen.

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