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Das sind die "Leuchttürme" im Klosterbezirk Altzella

Am Donnerstag berichtet Regionalmanagerin Steffi Möller den Roßweiner Stadträten, was sich in der Leader-Region des Klosterbezirks Altzella seit 2014 mit Fördergeld der EU verändert hat.

Seit einem Jahr leben Stefan Damm und Ulrike Richter mit Sohn Vincent in ihrem neuen Heim in Marbach, das einmal eine Scheune war. Diese Umnutzung alter Bausubstanz zu Wohn- und in diesem Fall zudem zu Gewerbezwecken hat die EU unterstützt.
Seit einem Jahr leben Stefan Damm und Ulrike Richter mit Sohn Vincent in ihrem neuen Heim in Marbach, das einmal eine Scheune war. Diese Umnutzung alter Bausubstanz zu Wohn- und in diesem Fall zudem zu Gewerbezwecken hat die EU unterstützt. © Dietmar Thomas

Roßwein. Bis 2020 sind in die Region fast zehn Millionen Euro geflossen. Damit wurden 76 Projekte in dem Gebiet unterstützt, das von Hainichen über Roßwein und Striegistal bis nach Nossen reicht. Leuchtturmprojekte werden in Förderregionen besonders gern unterstützt.

Im Klosterbezirk Altzella ist das nicht anders. Auch dort freuen sich die Akteure über Ideen, deren Umsetzung Strahlkraft auf die Region haben, die andere motivieren, anzupacken. Und davon gibt es in der Förderperiode ab 2014 mehrere.

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Der Rodigtturm in Nossen ist ein Beispiel für ein schönes Förderprojekt im touristischen Bereich, findet Regionalmanagerin Steffi Möller. Daneben kann sie die Roßweiner Stadträte am Donnerstag aber auch noch auf eine Reihe anderer „Leuchttürme“ aufmerksam machen.

Kurze Wege auch zu den beteiligten Handwerkern

Einer davon befindet sich gleich im Nachbarort, in Marbach. Dort haben Ulrike Richter und ihr Lebensgefährte Stefan Damm eine alte Scheune gekauft und unter der Überschrift „Umnutzung und Wiederbelebung alter Bausubstanz“ Unterstützung aus dem Leader-Programm beantragt. Der bewilligte Zuschuss ist mittlerweile verbaut.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Aus der Scheune, in der früher Stroh gelagert wurde, ist ein Schmuckstück geworden. Die Nutzung ist zweigeteilt. In einem Bereich hat Ulrike Richter, die Inhaberin der benachbarten Tischlerei Ein-Richter ist, eine neue Verkaufswerkstatt eingerichtet. Der großzügige, helle Raum unten ist ausreichend groß für Mitarbeiterschulungen aber auch für Präsentationen in Sachen Einbauküchen, die die Ein-Richter in ihrer Werkstatt produzieren.

Obendrüber gibt es eine Art Schauwohnung – ausgestattet mit Holzmöbeln, wie sie die Handwerker auf Kundenwunsch ebenso herstellen. Dort gibt es Platz, verschiedene Holzbodenbeläge und andere Materialien zu zeigen, damit die Kunden einen Überblick bekommen. Diese frischeren Ausstellungskonzepte umzusetzen, war in den Räumen der angestammten Tischlerei so nicht möglich.

In diesem großen, hellen Raum ist Platz für Schulungen, aber auch für die Beratung von Kunden. Später könnte es hier auch Kochevents geben. Denn Küchen bauen die "Ein-Richter" in der benachbarten Werkstatt auch.
In diesem großen, hellen Raum ist Platz für Schulungen, aber auch für die Beratung von Kunden. Später könnte es hier auch Kochevents geben. Denn Küchen bauen die "Ein-Richter" in der benachbarten Werkstatt auch. © Dietmar Thomas
Das Dachgeschoss der ehemaligen Scheune ist zum Teil in eine Art Musterwohnung ausgebaut worden. Dort können Familien, die neu bauen oder renovieren, zum Beispiel sehen, wie ein Bodenbelag aus Holz aussieht und welche Auswahl es gibt.
Das Dachgeschoss der ehemaligen Scheune ist zum Teil in eine Art Musterwohnung ausgebaut worden. Dort können Familien, die neu bauen oder renovieren, zum Beispiel sehen, wie ein Bodenbelag aus Holz aussieht und welche Auswahl es gibt. © Dietmar Thomas
Vor allem die alten Balken haben die Bauherren erhalten und in ihr Konzept für Wohn- und Firmen-Präsentationsräume einbezogen.
Vor allem die alten Balken haben die Bauherren erhalten und in ihr Konzept für Wohn- und Firmen-Präsentationsräume einbezogen. © Dietmar Thomas
So sah das jetzige Zuhause von Stefan Damm, Ulrike Richter und ihrem Sohn Vincent vor dem Umbau aus.
So sah das jetzige Zuhause von Stefan Damm, Ulrike Richter und ihrem Sohn Vincent vor dem Umbau aus. © privat

Viel zu eng war es für Ulrike Richter und Stefan Damm auch in ihrer bisherigen Wohnung, als sich Nachwuchs eingestellt hatte. Deshalb schauten sich die beiden heute 38-Jährigen vor rund fünf Jahren nach Alternativen fürs Familienwohnen und für die Ausstellungsräume um.

Dass sie diese nur wenige Meter von ihrer bisherigen Wohnung und ihrer Arbeitsstätte gefunden haben, macht Ulrike Richter mehr als glücklich. So gehe keine Lebenszeit auf langen Wegen verloren.

​Von Marbach wegzuziehen, das sei für sie nie infrage gekommen. „Meine Familie und viele Freunde sind hier“, sagt die 38-Jährige. Und sie hat sich auch mit der Region verbunden gefühlt, für ihr Bauprojekt eine lokale Bank als Partner gefunden und ausschließlich Baufirmen der Region eingebunden.

Von der alten Scheune ist wenig mehr als die alten Balken und Fachwerk in der Fassade übrig geblieben. Wo das junge Paar konnte, hat es selbst angepackt und sich auf das handwerkliche Können von Stefan Damms Vater verlassen, der vom Fach kommt.

Drei Jahre hat der Umbau in Anspruch genommen. Mehr als ein Jahr hat es zuvor gedauert, bis alle Formalitäten im Klosterbezirk-Büro sowie beim Landratsamt erledigt waren. „Es war schon mühselig“, gibt Ulrike Richter zu. „Aber es hat sich gelohnt.“

Vitale Dorfkerne

Über den Programmteil „Vitale Dorfkerne“ werden bei Abschluss der Förder- und der laufenden Übergangsperiode knapp sieben Millionen Euro in 13 Projekt geflossen sein, davon rund 5,3 Millionen Euro Fördergeld.

Verbaut ist beziehungsweise wird das noch in Dorfgemeinschaftshäusern, die häufig Dreh- und Angelpunkt des Lebens der Dorfgemeinschaft sind – oder werden sollen. So auch in Seifersdorf, Rüsseina und Nossen.

Das Geld wird für die Sanierung von Kitas eingesetzt, in diesem Jahr wahrscheinlich noch in den Striegistaler Ortsteilen Etzdorf und Berbersdorf. Aber auch der Kindergarten in Großschirma ist auf diese Weise schon grundsaniert worden.

Die Stadt Hainichen muss ihr Stadtbad auf Vordermann bringen. Weil das Bad auch ein Treffpunkt für die "Dorfgemeinschaft" ist, konnte das Projekt mit Fördergeld unterstützt werden.
Die Stadt Hainichen muss ihr Stadtbad auf Vordermann bringen. Weil das Bad auch ein Treffpunkt für die "Dorfgemeinschaft" ist, konnte das Projekt mit Fördergeld unterstützt werden. © Stadtverwaltung Hainichen

Geld aus diesem Programmteil kann die Stadt Hainichen einsetzen, die in diesem Jahr ihr Freibad modernisiert hat. 2022 soll es wiedereröffnet werden. Auch wenn das Freibad kein Dorfkern im herkömmlichen Sinne ist, hat die Kommune Unterstützung erhalten: „Es ist ein wichtiger Anlaufpunkt für die Hainichener und Familien aus dem Umland“, erklärt Steffi Möller, die Regionalmanagerin des Klosterbezirks Altzella.

Das Regionalbudget

Dieses gab es in den Jahren 2019 bis 2021. Zunächst haben es überwiegend Kommunen genutzt, weil die meisten ein Projekt in der Schublade hatten und auf den Aufruf schnell reagieren konnten.

Auch Roßwein. Die Verwaltung schaffte mit Unterstützung aus diesem Programm eine Nestschaukel für die Mädchen und Jungen der Kita „Striegiszwerge“ in Niederstriegis an. Daran haben die Kinder seitdem jeden Tag ihre Freude. Darüber hinaus ist Geld in Spielgeräte und -plätze in Mochau und Mobendorf geflossen.

Für die "Striegiszwerge" der Kita Niederstriegis konnte mit EU-Fördergeld eine Nestschaukel angeschafft werden.
Für die "Striegiszwerge" der Kita Niederstriegis konnte mit EU-Fördergeld eine Nestschaukel angeschafft werden. © Heike Heisig

In Berbersdorf ist ein Volleyballfeld entstanden, die Feuerwehrstandorte von Nossen sind digital vernetzt worden. Geld gab es auch für die Begrünung des Freibades in Hainichen sowie die Aufwertung des Schlossparkes Choren. Insgesamt 20 Kleinprojekte wurden 2019 über diesen Kleinprojekte-Fonds unterstützt.

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In den Folgejahren waren Vereine die Hauptantragsteller. Nutznießer werden beispielsweise die Kinder aus Lüttewitz. Dort werden mit Hilfe des Förderprogramms neue Spiel- und Sportgeräte neben der Kita aufgestellt.

Der Niederstriegiser Sportverein Grün/Weiß konnte sich beispielsweise Unterstützung bei der Rasenpflege im Stadion leisten. Insgesamt wurden über das Regionalbudget 54 Vorhaben mit rund 440.500 Euro bezuschusst.

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