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Leisnig: Der halsbrecherische Weg zur kopflosen Saxonia

Die Saxonia-Figur im Wald hoch über der Mulde ist kaum noch zu erreichen. Der Heimatverein will das ändern.

Heimatvereinschef Uwe Reichel (links) und Leisnigs Bürgermeister Tobias Goth (CDU) an der desolaten Saxonia-Figur auf dem Lichtenberg. Sie zu sanieren, wäre erst der zweite Schritt.
Heimatvereinschef Uwe Reichel (links) und Leisnigs Bürgermeister Tobias Goth (CDU) an der desolaten Saxonia-Figur auf dem Lichtenberg. Sie zu sanieren, wäre erst der zweite Schritt. © Lars Halbauer

Leisnig. Die ersten Absprachen sind getroffen. Am Donnerstag hat sich Uwe Reichel, Vorsitzender des Leisniger Geschichts- und Heimatvereins, mit einem Handwerker aus der Region getroffen. Dieser wird bis 15. Oktober eine größere Menge Holz auf dem Lichtenberg verbauen.

Welcher der Leisniger Rundwanderwege hinauf auf diesen Berg führt, ist auf dem verblichenen Holzschild an der Straße zwischen dem Leisniger Schlossberg und Tragnitz gar nicht mehr zu erkennen. Die Zuwegung sieht ebenfalls wenig einladend aus: Eine Steintreppe, deren Stufen mit allerlei Laub und Ästen bedeckt sind.

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Im Laub versteckte Metallhülsen im Waldboden

Weiterführend gab es einmal einen Weg, den ABM-Kräfte Anfang der 1990er-Jahre angelegt und mit Holzbohlen als Stufen einigermaßen bequem begehbar hergerichtet hatten. Doch davon gibt es nur noch Fragmente, einige davon – im Laub schnell zu übersehende Metallhülsen – sind durchaus gefährlich.

Vor ein paar Jahren ist die Wandergruppenleiterin des Kulturbundes Elgine Tur de la Cruz noch gern mit Naturfreunden diesen Weg hinaufgekraxelt. Das sollte mit den überwiegend betagten Wanderern im Moment unmöglich sein.

Schon Jüngere haben zu tun, sich auf Trampelpfaden, an Baumstämmen und Wurzeln festhaltend, den steilen Anstieg hinaufzuquälen. Noch ein wenig anspruchsvoller wird dann der Abstieg: ohne Stufen, Geländer oder andere Hilfsmittel.

Ein Zustand, den Uwe Reichel im Moment nicht ändern kann, aber vielleicht in den nächsten Jahren. Er will im Herbst einen Aufruf starten und zu einem Arbeitseinsatz einladen. Bei dem sollen Stolperfallen am Weg entfernt und die Reste eines alten Unterstandes weggeschafft werden.

Fördergeld für Bänke zum Verschnaufen und Genießen

Bis dahin dürfte es schon einen neuen geben, ungefähr auf halber Höhe zur Saxonia, zum Luftholen sozusagen. Die nächste Aufgabe führt die Handwerker direkt an die mehr als 100 Jahre alten Figur. Auf deren erhöhtem Sockel wurde damals oder später eine umlaufende Bank errichtet.

Die Sitzlatten sind inzwischen verwittert, einige fehlen. Die zu erneuern, ist ein nächster Punkt. Darauf lässt es sich dann wieder prima den Ausblick ins Muldental genießen. Dann lässt das Budget noch den Aufbau eines Unterstandes als Wetterschutz unweit der Saxonia zu.

Insgesamt 10.000 Euro hat der Heimatverein über den Verein Sachsenkreuz+ an EU-Fördergeld bewilligt bekommen. Reichlich 12.000 Euro werden die Erneuerungen kosten. Den Rest legt der Verein drauf, stellt der Vorstandschef in Aussicht.

Und noch eine andere Sache kündigt er an: Reichel will über den Winter versuchen, zu recherchieren, ob und zu welchen Bedingungen die Saxonia-Figur zu erneuern ist und was das kosten würden.

Die Ausschilderung einiger Wanderwege in Leisnig ist verwittert. Eine Erneuerung ist in den nächsten Monaten aber geplant.
Die Ausschilderung einiger Wanderwege in Leisnig ist verwittert. Eine Erneuerung ist in den nächsten Monaten aber geplant. © Lars Halbauer
Auf dem Lichtenberg wurden vor etwa 30 Jahren solche Metallhülsen zur Befestigung von Trittstufen aus Holz in den Waldboden geschlagen. Die Reste sind mittlerweile eine Gefahr für Wanderer.
Auf dem Lichtenberg wurden vor etwa 30 Jahren solche Metallhülsen zur Befestigung von Trittstufen aus Holz in den Waldboden geschlagen. Die Reste sind mittlerweile eine Gefahr für Wanderer. © Lars Halbauer
Der Unterstand wird in den nächsten Wochen ersetzt.
Der Unterstand wird in den nächsten Wochen ersetzt. © Lars Halbauer
Von der Plattform um die Saxonia-Figur auf dem Lichtenger aus gibt es einen reizvollen Blick ins Muldental. Führen wieder ordentliche Wege dort hinauf, können auch die Bäume gepflegt und der Ausblick freigehalten werden.
Von der Plattform um die Saxonia-Figur auf dem Lichtenger aus gibt es einen reizvollen Blick ins Muldental. Führen wieder ordentliche Wege dort hinauf, können auch die Bäume gepflegt und der Ausblick freigehalten werden. © Lars Halbauer

Bemühungen dazu gab es vor längerem schon einmal, so Elgine Tur de la Cruz. Wenn sie sich recht erinnere, sei eine Restauration damals schwer zu bewerkstelligen gewesen. Auch, weil die Figur nicht extra für Leisnig angefertigt sei, sondern aus einer Serienproduktion stammt.

Solche Figuren aufzustellen, war eine Modeerscheinung im ausgehenden 19. Jahrhundert. Die Leisniger ist Nachforschungen von Heimatfreunden zufolge um 1880 als Ersatzleistung für einen Tragnitzer Gläubiger entstanden. Bis 1944 soll sie noch einen Kopf gehabt haben.

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Damit das Gelände um die Frauenfigur mit herrlichem Blick ins Muldental keine Sackgasse bleibt, könnten sich die Heimatfreunde vorstellen, dass ein Wanderwegstück in Richtung Lichtenberggasse angelegt wird.

„Dort gibt es wunderbare Ausblicke auf die rückwärtige Seite der Burg Mildenstein und die Stadtkirche“, so Reichel. Doch das sei Zukunftsmusik und bedarf einer Absprache mit dem Landwirt, der die angrenzenden Felder bewirtschaftet.

Gelegenheit zum Anpacken für alle Nörgler

Bürgermeister Tobias Goth (CDU) freut sich über die Initiative der Heimatfreunde. Er selbst hatte vor ein paar Jahren schon mal einen Arbeitseinsatz in diesem Waldgebiet erwogen. „Die Teilnahme aus der Bevölkerung wird zeigen, wie wichtig den Leisnigern der Weg wirklich ist“, meinen Goth und Reichel.

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Der Vorsitzende des Heimatvereins hofft, dann auch jene zum Zupacken begrüßen zu können, die sich in der letzten Zeit gehäuft in sozialen Medien über den bemitleidenswerten Zustand der Saxonia-Figur oder das wenig besucherfreundliche Umfeld beklagen.

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