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Der Kinder wegen nach Waldheim

Sandra Stein hat jahrelang in Franken gelebt. Doch jetzt ist die gelernte Krankenschwester mit ihrer Familie in ihre alte Heimat zurückgekehrt.

Sandra Stein arbeitet im Hauptjob als Krankenschwester. Nebenberuflich hat sie sich aber zur Kosmetikerin ausbilden lassen und ein kleines Studio in Waldheim eröffnet.
Sandra Stein arbeitet im Hauptjob als Krankenschwester. Nebenberuflich hat sie sich aber zur Kosmetikerin ausbilden lassen und ein kleines Studio in Waldheim eröffnet. © Dietmar Thomas

Waldheim. Sandra Stein ist in Waldheim aufgewachsen. Vor 16 Jahren ist die heute 36-Jährige nach Bayern gegangen, um dort die Ausbildung zur Krankenschwester zu machen.

Gelernt hat sie in Nürnberg, gearbeitet in Fürth. Ihren Partner Torsten hat sie vor zwölf Jahren in Nürnberg kennengelernt, geheiratet haben die beiden vor acht Jahren. Zur Familie gehören die beiden Kinder Charlie (7) und Ellie (5).

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Doch nun hat die Familie ihren Lebensmittelpunkt seit einem Jahr in Waldheim. Der Grund dafür liegt tatsächlich darin, dass in der Zschopaustadt die Betreuungsmöglichkeiten für die Kinder besser als in der Wahlheimat sind.

Der „Große“ ist im vergangenen Jahr eingeschult worden. „In Bayern ist die Hortbetreuung jedoch eher schlecht organisiert“, hat Sandra Stein festgestellt. Allein in Fürth, wo die Familie gelebt hat, fehlten zu diesem Zeitpunkt 500 Hortplätze. „Da wird es eher schwierig, ein Kind im Hort unterzubringen. Bei zwei Kindern wird es sportlich“, so die junge Mutter.

Verwandtschaft lebt in Waldheim

Während der Ferien hätten sich die Eltern komplett um die Betreuung der (schulpflichtigen) Kinder kümmern müssen. Sie habe mit ihrem Arbeitgeber in Fürth gesprochen. „Es wäre sicher möglich gewesen, dass ich während der Ferien freibekommen hätte. Doch das wäre den anderen Kollegen schwer zu erklären gewesen“, findet Sandra Stein.

Die Eltern überlegten hin und her. Ein Umzug nach Waldheim stand schließlich hoch im Kurs. „Hier leben meine Eltern und Geschwister und auch meine Großeltern“, sagt Sandra Stein. Das habe die Entscheidung für die Zschopaustadt leichter gemacht.

Auch mit der Arbeitssuche hat letztendlich alles funktioniert. Sandra Stein hatte in einem großen Krankenhaus in Fürth gearbeitet. Sie hatte ihre Vorstellungen, konnte sich nicht dazu entschließen, in einem der Krankenhäuser in der Umgebung zu arbeiten.

Sie ist bei einer Arbeitnehmerüberlassung tätig, die sich auf die Personalvermittlung im medizinischen, pflegerischen und sozialen Bereich spezialisiert hat. Ein ausschlaggebender Punkt, dass sie dieses Modell gewählt hat, ist die gute Bezahlung. Zudem zahlt der Arbeitgeber eine Pauschale für die Fahrzeit und auch Kilometergeld.

Zeit mit den Kindern wichtig

„Ich bin in einem bestimmten Radius zu den Einsätzen vermittelbar. Seit einem Jahr arbeite ich in einer Klinik in Stollberg“, so Sandra Stein. Sie leistet nur Nachtdienste, meist von Donnerstag bis Sonntag. „Von Montag bis Mittwoch bin ich zu Hause bei den Kindern. Ellie ist sozusagen ein Teilzeit-Kindergartenkind und Charlie muss nicht jeden Tag in den Hort“, sagt die Waldheimerin.

Ihr sei es wichtig gewesen, gerade in der Zeit nach dem Umzug viel Zeit mit den Kindern zu verbringen, „damit die das besser verkraften.“ In gewisser Weise seien die Kinder ja aus ihrer vertrauten Umgebung gerissen worden. Nebenberuflich arbeitet Sandra Stein in der Intensivpflege, betreut Patienten in deren heimischer Umgebung.

Ehemann Torsten stammt aus Sachsen-Anhalt und hatte 18 Jahre in der Region Nürnberg/Fürth verbracht. „Aber er wollte es auch ein wenig ruhiger haben, ihm gefällt es hier gut“, sagt seine Frau. Er habe eine Anstellung als IT-Fachmann bei der Stadt gefunden.

Kosmetik als zweites Standbein

„Mittlerweile fühlen wir uns wohl“, sagt die 36-Jährige, auch wenn ihr Herz immer noch ein wenig an Fürth hänge. Das Haus, in das die Familie eingezogen ist, hat sie kaufen können. Über einen Freund habe sie erfahren, dass die Immobilie frei ist.

„Wir hatten schon vorher Ausschau gehalten, doch das Passende war nicht dabei“, so Stein. Dann folgte die Besichtigung und innerhalb eines Tages stand fest, dass „dies unser neues Zuhause werden darf.“

Ihr großes Hobby ist die Kosmetik. „Ich habe nebenbei eine Ausbildung in diesem Bereich und das Hobby zum Beruf gemacht“, berichtet Sandra Stein. Sie hat in der Waldheimer Schlossstraße ein kleines Geschäft eröffnet, in dem sie Wimperneinzelbehandlung anbietet.

„In Fürth war das durchaus lukrativ, deshalb möchte ich es mir hier als Nebenjob aufbauen“, sagte Sandra Stein. Auch mit der Vorstellung, dass daraus später einmal eine Hauptbeschäftigung wird.

Sandra Stein hat festgestellt, dass die Mentalität in Bayern und Sachsen unterschiedlich ist. War es in Fürth normal, dass jemand mehr als einen Job hat, sei das in Waldheim eher ungewöhnlich. „In Bayern ist man entspannter, in Sachsen ist dagegen vieles vorgegeben“, hat sie für sich herausgefunden. Auch bei der Betreuung der Kinder seien die Ansichten unterschiedlich.

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