merken
PLUS Döbeln

Der Schachzug der Skatspieler

Der Döbelner Skatclub „Grand Hand“ wurde vor 30 Jahren gegründet. Jetzt hat er einen neuen Namen und zwei Probleme.

Ein Grand ouvert ist sehr selten, aber ein Blatt, dass sich jeder Skatspieler wünscht. Wann Tino Feldmann, Präsident des Skat-Clubs „Grand Hand“ zum letzten Mal diese Spielkartenkombination in der Hand hatte, weiß er schon gar nicht mehr.
Ein Grand ouvert ist sehr selten, aber ein Blatt, dass sich jeder Skatspieler wünscht. Wann Tino Feldmann, Präsident des Skat-Clubs „Grand Hand“ zum letzten Mal diese Spielkartenkombination in der Hand hatte, weiß er schon gar nicht mehr. © Dietmar Thomas

Döbeln. Aus dem SC „Grand Hand“ wurde in diesem Jahr der SSC, also der Skat- und Schach-Club.

Den Namen zu erweitern und einige Schachspieler aufzunehmen, war sozusagen ein Schachzug des Döbelner Vereins. Damit wollte er die Anerkennung der Gemeinnützigkeit erreichen. Trotz Unterstützung durch das Finanzamt, bei dem der Verein den entsprechenden Antrag gestellt hat, wird ihm die Gemeinnützigkeit weiter verwehrt.

Anzeige
Willkommen im Handwerk
Willkommen im Handwerk

Das Handwerk ist dabei der vielseitigste Wirtschaftsbereich Deutschlands. Finden Sie den Fachmann aus der Region im Handwerker Magazin Döbeln.

 Denn nach wie vor ist Skat die Hauptbeschäftigung der Vereinsmitglieder. Und während Schach vom Gesetz als gemeinnützige Tätigkeit akzeptiert ist, wird Skat nach wie vor zum Kneipenspiel degradiert.

Das ist es bei „Grand Hand“ aber keineswegs. „Wir sind ein Club mit einem regen Vereinsleben“, sagt Präsident Tino Feldmann. Mit seinen 32 Mitgliedern ist er zudem der zweitgrößte Skatclub Sachsens. Die Frauen und Männer kommen aber nicht nur aus dem Altkreis Döbeln, sondern auch aus Limbach-Oberfrohna, Frankenberg, Wermsdorf und Mutzschen.

Der Nachwuchs fehlt

Mit dem bereits verstorbenen Klaus Schneider hat Tino Feldmann den Verein vor 30 Jahren gegründet. Er ist ein passionierter und engagierter Skatspieler. Schon im Kindergartenalter lernte Feldmann das Spiel. Später gab es regelmäßige Skatrunden im Staupitzbad. Aus denen entstand kurz nach der Wende der Verein.

Zu dem gehörten anfangs 16 Mitglieder. Heute sind es zwar doppelt so viele, aber der Nachwuchs fehlt. Der jüngste Mitspieler ist 32 Jahre alt, der älteste wird in diesem Jahr 80. Mit Arbeitsgemeinschaften in Schulen in Döbeln, Hartha und Waldheim hat der Verein bereits versucht, junge Leute für das Skatspiel zu begeistern. „Aber die haben lieber das Handy oder das Tablet in der Hand als Karten“, meint Feldmann.

In seiner Jugend sei das noch ganz anders gewesen. „Wir haben sogar in der Schule in den Pausen und an der Haltestelle gespielt, bevor der Bus kam“, erzählt er. Wahrscheinlich müsse der Skatspielernachwuchs aus den eigenen Reihen kommen, vermutet Feldmann. 

Dessen 14-jährige Tochter Julia spielt ebenfalls schon regelmäßig mit den Großeltern, ist aber noch kein Vereinsmitglied. Gern würde „Grand Hand“ wieder eine Jugendgruppe bilden. Auch für Mädchen und Jungen, die das Spiel erst lernen möchten. Einen Jugendwart, der sie dabei unterstützen würde, gibt es schon.

Urlaub für Meisterschaft unterbrochen

Die gestandenen Skatspieler tragen nicht nur in der Region Clubmeisterschaften aus, sondern haben sich auch schon sachsen- und bundesweit durchgesetzt. Seit 2010 gehört eine Frauenmannschaft zu „Grand Hand“. Die spielt derzeit in der 2. Bundesliga. Das haben die Männer von 1993 bis 1999 auch schon geschafft. Derzeit spielen sie in der Sachsen-Oberliga.

Als Tandem sind die Döbelner Sachsenmeister geworden und waren dreimal unter den Preisträgern bei den Deutschen Meisterschaften. „Damit ich an diesen teilnehmen konnte, habe ich sogar einmal meinen Urlaub auf Mallorca unterbrochen und bin für drei Tage zurück nach Deutschland geflogen“, erzählt Tino Feldmann. Der Lohn waren eine Platzierung und eine Geldprämie.

Große Turniere abgesagt

In diesem Jahr sind durch die Corona-Pandemie fast alle großen Skatturniere ausgefallen. „Grand Hand“ hat jetzt auch das Turnier in Clennen/Börtewitz abgesagt, das für den 15. November geplant war. Nach fünfmonatiger Pause treffen sich die Skatspieler aber wieder jeden ersten Donnerstag im Monat zur Clubmeisterschaft in der Sportlerklause in Neudorf. 

Dort wird am dritten Donnerstag im Monat auch um den Pokal des Bürgermeisters gespielt. Wer dann noch nicht genug vom Skat hat, kann die Karten am vierten Donnerstag im Vereinsraum in Grünlichtenberg mischen. „Und hat der Monat einen fünften Donnerstag, spielen wir in der Zschaitzer Post“, so der Präsident.

Daneben gibt es ein reges Vereinsleben, in das auch die Lebenspartner der Spieler einbezogen werden. „Wir feiern Geburtstage und Hochzeiten zusammen und unternehmen regelmäßig Ausflüge.“ Dabei passiert dann auch schon mal etwas Ungewöhnliches. Peter Falta, Vizepräsident des Skat-Clubs, hat seiner Frau bei einem Ausflug einen Heiratsantrag gemacht. 

Und bei der letzten Tour zum 30-jährigen Bestehen von „Grand Hand“ nach Tschechien hätten die Skatspieler beinahe vom Bus in ihre Autos umsteigen müssen. „Es war ein neuer Bus. Als wir schon unterwegs waren, haben wir die Information bekommen, dass es für ihn noch keine Auslandsversicherung gibt“, so Feldmann. Deshalb seien sie umgekehrt, zur Versicherung gefahren und hätten sich dort einen solchen Schein ausstellen lassen. So konnte der Ausflug doch noch wie geplant erfolgen.

Mehr lokale Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Döbeln