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Der Wald stirbt

Die Fichtenbestände sind fast komplett verschwunden. Auch Laubbäume bekommen zunehmend Probleme.

Das Stadtwäldchen in Hartha ist der einzige Waldbereich in der Region Döbeln, der aufgrund großer Baumschäden gesperrt ist. Betroffen sind vor allem Lärchen, Kiefern und Ahorn.
Das Stadtwäldchen in Hartha ist der einzige Waldbereich in der Region Döbeln, der aufgrund großer Baumschäden gesperrt ist. Betroffen sind vor allem Lärchen, Kiefern und Ahorn. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Der Wald hatte sich erholt, die Probleme, die es gab, waren gelöst, die Verkehrssicherheit gegeben. „Wir hatten einen guten Stand erreicht. Und dann kamen die vergangenen drei Jahre“, sagt Dirk Tenzler, Revierförster für den Privat- und Kommunalwald in der Region Döbeln. Er schildert eine schon dramatische Situation.

In Mittelsachsen wurden zwischen Herbst 2017 und Herbst 2020 rund 7.600 Hektar Wald geschädigt. Gründe waren der Borkenkäferbefall, Sturmschäden und Schneebruch. Durch diese sind im selben Zeitraum außerdem reichlich 1.000 Hektar Freifläche entstanden.

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„Die Fichte haben wir komplett verloren“, meint Tenzler. Allein in der Region Döbeln seien es 150 bis 200 Hektar. Rund um die Talsperre Kriebstein gibt es ebenfalls schon viele kahle Flächen. „Und es ist nicht auszuschließen, dass es weitergeht“, erklärt Bernd Ranft, Leiter des Forstbezirks Chemnitz.

Nur im Zweiniger Grund in der Nähe von Roßwein gebe es noch einige Fichtenbestände . Auch bei der Kiefer sähe es schlecht aus. „Und im letzten Herbst hat es die Lärche erwischt“, sagt Revierförster Tenzler.

Bäume brechen in sich zusammen

Problematisch sei, dass nicht nur die Nadelbäume, sondern inzwischen auch viele Laubbäume geschädigt sind. In der Region Roßwein sei der Bergahorn von der Rußrindenkrankheit befallen. Dazu komme die Weißfäule. Beides mindere die Verkehrssicherheit in den Wäldern. Denn die Bäume sterben schnell ab und brechen in sich zusammen.

Das Eschentriebsterben werde durch die zunehmende Trockenheit forciert. Dazu komme der Borkenkäfer. Von den Rotbuchen gibt es in der Region zwar keine großen, dafür aber alte Bestände. Die Bäume, die bereits 80 bis etwa 180 Jahre lang gewachsen sind, leiden unter Sonnenbrand und dem Borkenkäfer.

Einige Dürreschäden gibt es auch bei den Eichen. Diese sind zum Beispiel am Radweg zwischen den Klostergärten in Döbeln und Großbauchlitz sichtbar. Dort sind die Eichen bereits abgestorben.

Stadtwald in Hartha gesperrt

Der Stadtwald in Hartha ist das einzige Waldgebiet im Altkreis Döbeln, das aufgrund der nicht mehr gegebenen Verkehrssicherheit gesperrt ist. „Dort sind Lärchen, Kiefern und Ahorn geschädigt. Dicke Buchen mussten gefällt werden“, erzählt der Revierförster.

Bei seinem jährlichen Kontrollgang habe er auf dem Roßweiner Hartenberg 162 Bäume angezeichnet, die krank oder abgestorben sind und gefällt werden müssen. Auch dort sind es Ahorn, Lärchen und Eschen.

In diesem Jahr werde er wohl noch eine zweite Runde drehen, wenn die Knospen zu sprießen beginnen. Denn Dirk Tenzler ist sich ziemlich sicher, trotz der Vielzahl der schon angezeichneten Bäume, den einen oder anderen kranken übersehen zu haben.

Vor allem für die privaten Waldbesitzer sei es problematisch, ihrer Verkehrssicherungspflicht nachzukommen. Denn dafür sei oft große Technik nötig, manchmal müsse eine längere Leitung gelegt oder ein Baum von der Krone aus abgetragen werden. Im Tännicht in Waldheim habe das gut funktioniert. Dort seien fast alle Fichtenflächen beräumt.

Nur noch Schnitt- oder Brennholz

Werden vom Borkenkäfer befallene Bäume schnell aus dem Wald gebracht, könnten sie als Schnittholz verkauft werden. Hatte der Käfer länger Zeit, sich auszubreiten, folgen meist Pilze, die das Holz verfärben. Das eigne sich dann nur noch als Brennholz.

Eine finanzielle Hürde stelle für viele das Nachpflanzen von Bäumen dar. Deshalb würden es die meisten privaten Waldbesitzer bei den jungen Bäumen belassen, die ohnehin auf den Flächen nachwachsen. Ein weiteres Handicap gibt es in Waldflächen, die sich in FFH- (Fauna, Flora, Habitat) oder Vogelschutzgebieten befinden. Denn dort seien die Baumarten, die nachgepflanzt werden dürfen, sehr eingeschränkt.

„Im Forstbezirk Chemnitz werden wir in diesem Jahr eine halbe Million Bäume nachpflanzen“, erklärt Bernd Ranft. Ganz vorn auf der Liste stehe dabei die Eiche. Sie vertrage die Trockenheit relativ gut und sei für die hiesigen Böden geeignet.

Fördergeld fürs Aufforsten

Beide Förster weisen darauf hin, dass der Freistaat Sachsen die Wald- und Forstwirtschaft mit einem Förderprogramm unterstützt. Dabei fließen EU-Mittel für den Wegebau und die Waldbrandüberwachung sowie Geld von Bund und Land für Waldschutzmaßnahmen und den Waldumbau.

Allerdings komme es dabei auf die Baumart an. „Erfolgt das Aufforsten wieder mit Fichten, erhält der Waldbesitzer keine Förderung“, so Ranft. Wichtig sei es, klimastabile Mischwälder anzulegen. „Dabei verschieben sich auch die Grenzen“, meint er. Fichten kämen nur noch ab einer Höhe von 400 bis 500 Metern infrage. Die Eiche rücke dagegen vom Hügelland ins Erzgebirgsvorland vor.

Heimische Baumarten bevorzugt

Es gebe auch vereinzelte Versuche, für die Region völlig untypische Baumarten anzusiedeln, wie die Baumhasel, Edelkastanie oder Schwarznuss. „Aber da fehlt die wissenschaftliche Begleitung“, sagt der Forstbezirksleiter. Zurzeit konzentriere man sich wieder mehr auf die heimischen Baumarten.

Nicht nur bei ihren Osterspaziergängen sollten die Menschen, die im Wald unterwegs sind, auch mal nach oben, und zuvor schauen, wo sie ihr Auto abstellen. Denn neben den sichtbar abgestorbenen Bäumen hängen auch einzelne große Äste in den Kronen, die jederzeit herunterfallen könnten. Idealerweise sollten Spaziergänger auf den Wegen bleiben, Absperrungen und Zäune beachten – und ihren Müll wieder mit nach Hause nehmen.

https://www.smul.sachsen.de/foerderung/foerderrichtlinie-wald-und-forstwirtschaft-rl-wuf-2014-4302.html

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