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Die Beste der neuen Graveurmeister

Heike Krusch aus Waldheim kann sich keinen anderen Beruf vorstellen. Der fordert sie aber gerade besonders heraus.

Heike Krusch – hier an einem Laser – wollte nie etwas anderes als Graveurin werden. Jetzt ist sie Meisterin und sogar noch die beste Absolventin ihres Faches.
Heike Krusch – hier an einem Laser – wollte nie etwas anderes als Graveurin werden. Jetzt ist sie Meisterin und sogar noch die beste Absolventin ihres Faches. © Dietmar Thomas

Waldheim/Döbeln. Wenn Heike Krusch über ihren Job als Graveurin spricht, dann leuchten ihre Augen. Deshalb muss sie nicht explizit erwähnen, dass sie das, was sie tut, gern macht. Aber vor allem liefert sie auch hervorragende Arbeit ab. Das bescheinigt ihr der Meisterbrief, den sie vor kurzem von der Handwerkskammer (HWK) Düsseldorf ausgehändigt bekommen hat – unter anderem.

„Unter den Meisterinnen und Meistern, denen wir kürzlich ihren Meisterbrief überreichen durften, hat sich eine Graveurin aus Sachsen besonders hervorgetan: Heike Krusch aus Waldheim gehört zu den zehn Besten aller 786 Meisterabsolventen des Jahrgangs 2020“, teilt die Kammer mit. Auf ihrem Fachgebiet legte die 38-Jährige sogar die besten Ergebnisse vor.

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Auch Heike Krusch ist mit ihrer Meisterarbeit mehr als zufrieden. Sie hat einen immerwährenden Kalender aus Edelstahl angefertigt, der mittlerweile im Flur der Wohnung hängt und sowohl von ihr selbst als auch ihrem Mann und den beiden Söhnen genutzt wird.

Das Meisterstück von Heike Krusch, ein immerwährender Kalender, wird inzwischen jeden Tag von der Familie genutzt.
Das Meisterstück von Heike Krusch, ein immerwährender Kalender, wird inzwischen jeden Tag von der Familie genutzt. © Dietmar Thomas

Sie alle finden sich in der Meisterarbeit wieder. Auf die kleinen runden Magneten, mit denen Erinnerungszettel an die Tafel geheftet werden, hat Heike Krusch zum Beispiel Zeichnungen der Jungs eingraviert. Schon jetzt seien sie schöne Erinnerungen, findet die zweifache Mutter.

Vorgaben, wie das Meisterstück auszusehen hat, gab es nicht. Doch die Waldheimerin hatte schon selbst einige Ansprüche an das, was sie abliefern wollte: Es sollte nützlich und in Gebrauch sein und die Vielfältigkeit ihrer Arbeit als Graveurin widerspiegeln. Obendrein verrät der Kalender noch etwas über die Familie („Wir alle essen gern Äpfel.“) und die Region, wo die Kruschs wohnen: im Obstland.

Denn auf dem Meisterstück gibt es gleich vier Apfelbäume: einen zu jeder Jahreszeit. Für jeden hat Heike Krusch unterschiedliche Graviertechniken und verschiedene Materialien wie „wild gebürstetes Kupfer“, Messing oder geblendeten Stahl eingesetzt und schließlich auf Apfelholz aufgesetzt.

Viele Stunden im Zug gesessen

Ebenso anspruchsvoll war die Situationsaufgabe – ein Award aus Messing und eloxiertem Aluminium, speziell entwickelt für die Vermarktung innerhalb eines Firmen- oder Innungsverbunds. „Das Prüfungsergebnis – beide Teile mit ,sehr gut‘ bestanden – spricht für sich“, so die HWK.

Mit dem Meisterbrief hat Heike Krusch jetzt eine vergleichsweise lange Qualifizierung beendet. Schon 2010/11 hat die Waldheimerin den Teil 3 der Meisterprüfung berufsbegleitend in Döbeln und Chemnitz abgeschlossen. 2018 ergab sich die Möglichkeit, Teil 1 und 2 wiederum berufsbegleitend in Düsseldorf zu absolvieren – was allein aufgrund der Entfernung nicht leicht zu stemmen war.

Viele Stunden hat die 38-Jährige damals in der Bahn zugebracht. Trotzdem: Rückblickend war es die richtige Entscheidung, die sie genauso wieder so treffen würde, so Heike Krusch. Großen Anteil daran hatte die inzwischen leider verstorbene Graveurmeisterin Brigitte Röher, von deren exzellenter Wissensvermittlung schon viele Auszubildende und Meisterschüler profitiert haben.

Überhaupt so lange Fahrtstrecken zur Ausbildung in Kauf nehmen müssen Meisterschüler dieses Faches, weil es regional keine solchen Angebote und Möglichkeiten gibt, erklärt die 38-Jährige.

Begeistert von der Vielseitigkeit des Berufs

Schon in der Lehre war Heike Krusch ein Stück weg von Zuhause. Nach dem Abitur 2001 am Döbelner Lessinggymnasium absolvierte sie ein Lehrjahr als Gastschülerin in der Berufsfachschule für Büchsenmacher und Graveure in Suhl, bevor sie ihre Ausbildung in der Berufsschule in Arnstadt fortsetzte und 2004 als Gesellin verließ.

Schon als Schülerin habe sie gern am Pantographen (Gerät zur maßstabgetreuen Übertragung von Zeichnungen) gesessen und damals Urkunden am PC entworfen: „Ich konnte mir keinen anderen Beruf für mich vorstellen!“ Heike Krusch beschreibt ihren Beruf durch die Arbeit mit verschiedenen Materialen und den Einsatz alter wie moderner Techniken als vielfältig. Oft sei das Einbringen eigener Ideen und Kreativität nicht nur möglich, sondern ausdrücklich gewünscht.

Genauso vielfältig sei das Tätigkeitsfeld. In der Werkstatt ihres Vaters, dem Gründer und Inhaber des Döbelner Gravierbetriebes F. Wilhelm, entstehen individuelle gravierte Gläser und Pokale genauso wie Stempel oder Teile für den Sondermaschinenbau. Insgesamt sechs Mitarbeiter und eine Auszubildende erfüllen die Wünsche von Auftraggebern aus der Industrie, von Dienstleistern, Vereinen und Privatpersonen.

Zwischen Gas und Bremse

Seit Auftreten des Coronavirus ist es überall ruhiger geworden. So gibt es zum Beispiel so gut wie keine Wettkämpfe mehr. Demzufolge sind Pokale mit Siegernamen überflüssig. „Auch die Industrie zeigt sich im Moment zurückhaltend, abwartend“, sagt Heike Krusch. Statt mit angezogener Handbremse im Berufsleben zu stehen und im Familienalltag coronabedingt ständig improvisieren zu müssen, wünscht sich die 38-Jährige wieder ein Stück Normalität zurück.

Warten kann dagegen noch der Tag, an dem sie den Familienbetrieb übernimmt. Zwar dürften die Wilhelms mehr als stolz auf ihre Tochter und froh über die sichere Nachfolge sein. „Doch das hat noch Zeit“, findet Heike Krusch. „Die Fußstapfen, in die ich einmal trete, sind sehr groß“, begründet sie.

Verantwortung im Betrieb übernimmt die 38-Jährige schon. Eventuell will sie sich auch einmal einer nächsten Herausforderung stellen, und ihr Wissen an eine oder einen Auszubildende(n) weitergeben. „Mit dem Meister habe ich jetzt ja die Voraussetzungen dafür. Konkrete Pläne dazu gibt es aber noch nicht“, sagt Heike Krusch.

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