merken
PLUS Döbeln

Die Krux mit der Windenergie

Nach dem Kohleausstieg werden erneuerbare Energien gebraucht. Aber die Standorte sind umstritten.

Erneuerbare Energiequellen haben nach Branchenangaben in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 43 Prozent des Bruttostromverbrauchs in Deutschland gedeckt. Dabei sind die Standorte von Windkraftanlagen umstritten.
Erneuerbare Energiequellen haben nach Branchenangaben in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 43 Prozent des Bruttostromverbrauchs in Deutschland gedeckt. Dabei sind die Standorte von Windkraftanlagen umstritten. © dpa

Mittelsachsen. Der Landkreis Mittelsachsen soll ein deutliches Zeichen an den Landtag nach Dresden schicken. Deshalb stellte die AfD-Fraktion im Kreistag gleich drei Anträge zu einem Thema – Windkraft. Auch, wenn es viele Gegenstimmen gab, fanden letztendlich alle Anträge die mehrheitliche Zustimmung der Kreisräte.

Ziel sei es, Rechtssicherheit für die Bürger zu schaffen, sagte AfD-Fraktionsvorsitzender Rolf Weigand. Diese müsse von der sächsischen Staatsregierung eingefordert werden. Sie habe im Koalitionsvertrag festgeschrieben, dass von einem Windrad bis zur nächsten Wohnbebauung ein Abstand von 1.000 Metern einzuhalten ist.

Autohaus Dresden
Eines der besten Autohäuser in Deutschland
Eines der besten Autohäuser in Deutschland

Dresden braucht starke und innovative Unternehmen, wie das Autohaus Dresden. Der Opelhändler ist seit über 25 Jahren tief mit der Region verwurzelt.

„Aber es passiert nichts“, so Weigand. Teilweise würden auch in Mittelsachsen Anlagen mit einer Gesamthöhe von mehr als 250 Metern in einem Abstand von weniger als 750 Metern zu bewohnten Grundstücken geplant.

Auch das Landratsamt sehe es als wichtig an, der 1.000-Meter-Regelung Nachdruck zu verleihen, sagte Lothar Beier, Erster Beigeordneter des Landrates, in einer Stellungnahme der Verwaltung. Es müsse Planungssicherheit für den Neubau, aber auch das Repowering, also die Modernisierung bestehender Anlagen, geschaffen werden. Und es dürften keine Gefahren für die Bevölkerung allgemein sowie die Nachbarschaft der Anlagen entstehen.

Keine Windräder im Wald

Die zweite Forderung bezieht sich auf die Errichtung von Windkraftanlagen im Wald. Dies solle nicht zugelassen und die vielfältige Flora und Fauna in den sächsischen Wäldern geschützt werden. Auch das sei eigentlich schon festgelegt, so Weigand.

Das Anliegen der AfD nehme das Landratsamt zur Kenntnis, enthalte sich aber einer eigenen Positionierung, entgegnete Beier. Denn es gebe viele Punkte, die dagegen sprächen. Dafür spreche, dass viele Höhen sehr windreich seien. „Wir brauchen aber eine gleichmäßige Verteilung und Belastung in der Fläche“, so der Vize-Landrat.

Eine Reform des Immissionsschutzgesetzes noch vor der Bundestagswahl ist der AfD ebenfalls wichtig. Dabei soll die sogenannte 10H-Regelung wieder eingeführt werden. Diese besagt, dass der Abstand zu den nächsten Wohngebäuden zehnmal so weit wie das Windrad hoch ist.

Kaum Chancen für 10H-Regelung

Diesem Ansinnen räumt Lothar Beier relativ wenige Chancen auf Erfolg ein. „Bei einer Höhe von 240 Metern wäre ein Abstand von 2.400 Metern nötig. Das würde der Windenergie keinen Raum geben“, so Beier.

Die Reaktionen der Kreisräte auf die Forderungen der AfD-Fraktion sind sehr unterschiedlich. Als reinste Polemik bezeichnete Jana Pinka (Die Linke) den Antrag, die 10H-Regelung wieder einzuführen. Diese Forderung habe es 2015 bereits gegeben und sie sei abgelehnt worden. Wenn es um die Windenergie in ihre Nähe gehe, würden die Menschen plötzlich zu Naturkundlern werden.

Handle es sich aber um ein anderes Thema, würden sich dieselben Menschen nicht für ihre Nachbarn interessieren, die drei Meter weiter wohnen, meinte Jana Pinka und fügt hinzu: „Wir brauchen nach dem Kohleausstieg den Ausbau anderer Energieträger.“

Energiewende notwendig

„Aber alles, was zukunftsorientiert ist, wird von der AfD abgelehnt“, sagte Simone Raatz (SPD). Stattdessen würde von der Partei die Kernenergie favorisiert, deren Abfälle in Sachsen gelagert werden sollen.

Von einer nötigen Energiewende sprach auch CDU-Kreisrat Jörg Woidniok. Aber diese könne nicht gegen den Landschaftsschutz gehen. Woidniok plädiere für die 10H-Regel, sehe die Situation von Windrädern in Wäldern aber differenziert. Für das Aufstellen von Windrädern dürfe kein Wald abgeholzt werden. Wo das jedoch schon erfolgt ist, zum Beispiel aufgrund des Borkenkäferbefalls, könnten die entstandenen Freiflächen möglicherweise für die Gewinnung von Windenergie genutzt werden.

Dem widersprach Jörg Bretschneider von der AfD. „Wenn Wald stirbt, wird nachgepflanzt“, erklärte der Forstwirt.

  • Nachrichten aus der Region Döbeln von Sächsische.de gibt es auch bei Facebook und Instagram

Steffen Schneider (Freie Wähler) hält einen Abstand von 1.000 Metern im Verhältnis zu einem 250 Meter hohen Windrad für zu gering. Zudem bemängelte er, dass der Planungsverband entscheide und der Kreis gar nicht die Möglichkeit habe festzulegen, ob er eine Windkraftanlage baut „oder 35 Hektar Solaranlagen, die dieselbe Menge Energie erzeugt.“

Als inhaltlich schwach bezeichnete Lea Fränzle (Bündnis 90/Die Grünen) die Anträge der AfD. Sie seien nicht mit konkreten Zahlen untersetzt. Die Folgen des Klimawandels seien aber schon sehr deutlich erkennbar und deshalb der Ausbau der erneuerbaren Energien nötig.

Mehr zum Thema Döbeln