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Die Mutter geschlagen und erpresst?

Ein Mann aus der Region Ostrau wird schnell wütend. Scheinbar grundlos rastet er aus und droht sogar mit Toten.

Der Angeklagte hat noch keinen Eintrag ins Bundeszentralregister. Nun sitz er gleich wegen fünf Delikten auf der Anklagebank.
Der Angeklagte hat noch keinen Eintrag ins Bundeszentralregister. Nun sitz er gleich wegen fünf Delikten auf der Anklagebank. © dpa-Zentralbild

Region Döbeln. Relativ ruhig sitzt der Frührentner vor Richterin Nancy Weiß. Wenn er antwortet, überlegt er zuerst und wählt die Worte dann anscheinend ganz genau.

Ein ganz anderes Bild zeichnen die Anklage und die Zeugen in der Verhandlung von dem 53-Jährigen. Dem Mann aus der Region Ostrau werden Misshandlung, Körperverletzung, Drohung und versuchte Erpressung vorgeworfen. Insgesamt fünf Handlungen soll er in nur wenigen Tagen im Dezember 2018 begangen haben.

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An zwei Tagen soll er seine damals 81 Jahre alte Mutter als Dreckschwein und Drecksvieh beschimpft und sie geschlagen haben. Ergebnis seien Hämatome im Gesicht und auf den Oberschenkeln gewesen. Mit der eingeschüchterten Frau sei der Angeklagte dann in der Sparkassenfiliale in Ostrau erschienen.

Dort habe er gefordert, dass 5.000 Euro vom Konto der Mutter auf sein Konto überwiesen werden. Zudem sollte die Mutter ihr Sparbuch auflösen und den Betrag von 10.000 Euro auf ihr Konto überweisen, obwohl der Angeklagte sowohl für das Konto als auch für das Sparbuch der Mutter Vollmachten besaß. Er hätte die Transaktionen auch ohne das Beisein seiner Mutter veranlassen können.

53-Jähriger wirft sich auf den Boden

Eine Mitarbeiterin der Sparkasse sagt als Zeugin aus und beschreibt den Angeklagten als aggressiv. Er habe die Mitarbeiter beschimpft und bedroht. Deshalb hätten diese bei der Mutter nachgefragt, ob sie den Überweisungen auch zustimme. Sie habe verängstigt gewirkt, mit dem Kopf geschüttelt und mit einer Faust bedeutet, dass sie geschlagen werde. Irgendwann habe der Angeklagte die Filiale alleine verlassen. Die Mutter habe unter keinen Umständen wieder nach Hause gewollt.

Die gerufenen Polizeibeamten dokumentierten die Hämatome und brachten die Mutter in einer Einrichtung unter. Mittlerweile wohnt sie in Bayern. Die Vollmachten für den Sohn wurden widerrufen.

Am Nachmittag des selben Tages sei der Angeklagte auf der Suche nach seiner Mutter erneut in der Sparkasse erschienen. Er sei wieder aggressiv gewesen und habe gleichzeitig verwirrt gewirkt. „Er hat vom Krieg erzählt, vom Sozialismus, von einer Bombe im Kinderwagen und dass jemand sterben werde“, zählt die Zeugin auf.

Wie zur Bekräftigung habe sich der Angeklagte auf den Boden geworfen. Irgendwann sei er dann wieder gegangen. Handgreiflich sei er nicht geworden.

Unvermittelt in Ostrau zugeschlagen

Anders habe das bei der Begegnung mit einem Postzusteller wenige Tage später ausgesehen. Ein Paket, das dieser zustellen wollte, habe der Angeklagte nicht angenommen. Deshalb habe der Zusteller eine Karte in den Briefkasten des Mannes gesteckt und sich dann noch mit einer Nachbarin unterhalten. Auf dem Weg zurück zum Auto sei der Angeklagte plötzlich auf ihn zugestürzt und habe ihn geschlagen.

Als die Nachbarin den Angeklagten angeschrien habe, damit aufzuhören, habe er von dem heute 60-Jährigen abgelassen. Der habe Prellungen im Bereich des Brustkorbes davongetragen und sei zweieinhalb Wochen krankgeschrieben gewesen. Nach einer Vereinbarung mit der Berufsgenossenschaft zahlt der Angeklagte an den Postboten nun in Raten insgesamt 6.488 Euro Schmerzensgeld.

Um Pakete sei es auch in einem Shop in Ostrau gegangen. Etwa 15 waren für den damals Kaufsüchtigen angekommen. Doch statt sie mitzunehmen, habe er den Angestellten gegen den Paketwagen gestoßen, ihm mehrere Faustschläge versetzt und ihm die Strickjacke über den Kopf gezogen, sodass dieser gestolpert und hingefallen sei. Die Folge waren Rippenprellungen und ein Monat Krankschreibung.

Psychologin stellt Störung fest

Bis auf die tätlichen Angriffe gegenüber seiner Mutter gibt der Angeklagte alle ihm vorgeworfenen Handlungen zu und er entschuldigt sich bei denjenigen, die er verbal oder körperlich angegriffen hat – außer beim Postboten. Seine Mutter macht von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch.

Im Mai vergangenen Jahres hat eine Psychologin den Angeklagten begutachtet. Sie kommt zu dem Ergebnis, dass er unter einer bipolaren, affektiven Störung leidet. Solche Menschen haben starke Stimmungsschwankungen, Wahrnehmungsstörungen und ihr Verhalten richtet sich nicht nach Normen.

Zum Zeitpunkt der Taten sei er vermutlich auf dem Höhepunkt der Erkrankung und seine Steuerungsfähigkeit zumindest beeinträchtigt gewesen. Es sei aber auch nicht auszuschließen, dass sie gar nicht mehr vorhanden war. Der Angeklagte wurde seit den Taten mehrfach im Fachkrankenhaus Bethanien in Hochweitzschen stationär aufgenommen und befindet sich inzwischen in regelmäßiger ambulanter psychologischer Behandlung.

Aufgrund des Gutachtens senkt der Vertreter der Staatsanwaltschaft den Strafrahmen und fordert eine Geldstrafe in Höhe von 150 Tagessätzen zu je 25 Euro. Der Verteidiger des Angeklagten beruft sich auf den Paragrafen 20 des Strafgesetzbuches, nach dem jemand schuldunfähig ist, wenn er eine Tat aufgrund einer krankhaften seelischen Störung begeht, und fordert, den Angeklagten freizusprechen. Dem folgt Richterin Nancy Weiß. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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