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Döbeln: Acht Baumriesen ziehen um

Die Bäume werden mit schwerer Technik vom Radweg in die Wappenhenschanlage umgesetzt. Die Überlebenschancen sind gut.

Von Jens Hoyer
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Eine Spezialfirma aus Störmthal versetzt in Döbeln Bäume, damit der Flutschutz Platz hat.
Eine Spezialfirma aus Störmthal versetzt in Döbeln Bäume, damit der Flutschutz Platz hat. © Dietmar Thomas

Döbeln. Die Ulme hatte fast 20 Jahre neben einer Mauer der Wappenhenschanlage am Mulderadweg gestanden und war an die zehn Meter in die Höhe gewachsen.

Am Mittwoch ist der Tag des Umzugs. Am Nachmittag fährt das „Großbaumverpflanzgerät“ rückwärts an den Baum heran.

Bäume ziehen nur 50 Meter weiter

Die fünf hydraulisch betriebenen Rundspaten fahren mit einem hässlichen knirschenden Geräusch tief in die Erde, um den kompletten Wurzelballen heraus zu heben. 3,5 Kubikmeter Erde und Wurzeln, sieben bis acht Tonnen schwer. Hans Hegewald, Bereichsleiter Baumpflege der Firma Krahnstöver & Wolf hilft dabei, den Baumstamm mit einem Gurt zu fixieren.

Dann wird das ganze Gewächs gekippt und der Großbaum geht auf die Reise zu einem passgenauen Loch, das mit demselben Gerät nur 50 Meter entfernt neben dem Bolzplatz in der Wappenhenschanlage ausgehoben wurde. Mit dem riesigen Erdklumpen wurde gleich ein anderes Loch aufgefüllt, in dem kurz zuvor noch ein anderer Baum stand.

Dieses „Bäumchen wechsel dich“-Spiel wird achtmal vollzogen. Ein paar Teenager, die sich auf den Tennisplatten rekeln, schauen wenig interessiert.

Platz für neue Flutschutzmauer

„Das ist eine tolle Sache. Es gibt keinen weiten Transportweg und die Bäume sind schon ans Mikroklima angepasst“, sagt Hegewald. Mit der Stadt war festgelegt worden, an welche Stellen im Park die Bäume umgesetzt werden.

Die acht Großbäume – Ahorn, Linde, Ulme, Kastanie, Kiefer, Buche und ein Tulpenbaum – stehen dem Bau der Hochwasserschutzmauern in diesem Bereich der Mulde im Weg. John-Philipp Müller, Projektleiter bei der Landestalsperrenverwaltung, zeigt, wo das bis zu hüfthohe Bauwerk einmal verlaufen wird – direkt an den Stämmen vorbei.

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Die Landesbehörde lässt die Bäume umsetzen, etliche andere in der Nähe waren schon im zeitigen Frühjahr gefällt worden. Um die 15.000 Euro kostet die Umsetzaktion, erzählt Müller. Aber das Verfahren ist auch ziemlich aufwendig.

Vor dem Umzug: Reichlich Wasser und Dünger

Schon im Frühjahr hatte die Firma mit den Vorbereitungen begonnen. Der Ballen der Bäume war freigelegt, Wurzeln gekappt, die Kronen zurückgeschnitten worden, um die Blattmasse zu reduzieren. Das sollte die Bäume auf den Stress des Umzugs vorbereiten. Zur Peitsche gab es dann auch Zuckerbrot, um die Gewächse zu kräftigen.

„Wir haben jeden Baum gedüngt und achtmal mit jeweils 800 bis 1.000 Litern gewässert“, sagte Hegewald. Damit sie mit ihren gekürzten Wurzeln nicht umfallen, wurden sie mit Holzpfählen abgestützt. Die Sicherung wird auch an die verpflanzten Bäumen angebracht – die Meteorologen sagen Sturm voraus.

Kleine Wunden an der Rinde werden von den Spezialisten der Störmthaler Firma sofort "geheilt".
Kleine Wunden an der Rinde werden von den Spezialisten der Störmthaler Firma sofort "geheilt". © Dietmar Thomas

Pflege nach dem Umzug das A und O

Die Firma aus Störmthal hat Erfahrungen mit Baumverpflanzungen. 40 bis 60 Stück werden jedes Jahr umgesetzt, schätzt Hegewald ein. Die Anwachsquote sei hoch. „Die liegt deutlich über 90 Prozent. Wir lehnen aber auch Bäume ab, wenn sie in der Vitalität so schwach sind, dass sie die Tortur nicht überstehen würden“, sagt er.

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„Das A und O ist die Pflege danach.“ Noch drei Jahre lang kümmert sich die Firma um die Bäume, um Düngung, Wässerung, Baumschnitt und Pflanzenschutz. „Das Wässern ist das Allerwichtigste.“