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Döbeln braucht einen neuen Blitzer

Das alte Gerät steht im Verdacht, falsch zu messen. Das neue Gerät wird nicht billig. Aber es rechnet sich schnell.

Die Geschwindigkeitsmessgeräte Leivtec XV3, hier mit einer Infrarotblitzlampe, wurden von vielen Behörden eingesetzt. Auch von der Stadt Döbeln. Jetzt gelten die Messungen unter bestimmten Umständen als ungenau.
Die Geschwindigkeitsmessgeräte Leivtec XV3, hier mit einer Infrarotblitzlampe, wurden von vielen Behörden eingesetzt. Auch von der Stadt Döbeln. Jetzt gelten die Messungen unter bestimmten Umständen als ungenau. © Marko Förster

Döbeln. Rund 400.000 Euro hat die Stadt Döbeln im vergangenen Jahr durch Bußgeldern eingenommen. Der größte Teil der Summe stammt von Temposündern, die mit den drei stationären und einem mobilen Gerät erfasst wurden. Allerdings ist das Ordnungsamt bei der Überwachung jetzt deutlich eingeschränkt. Das mobile Gerät vom Typ Leivtec XV3 kann für die Geschwindigkeitsmessung nicht eingesetzt werden.

Schon im Frühjahr hatte ein Gutachter festgestellt, dass bei Geräten dieses Typs in bestimmten Fällen Fehlmessungen auftreten können. Die waren zwar immer zugunsten der Autofahrer ausgefallen, aber das Döbelner Ordnungsamt hat die Messungen trotzdem seit dem Frühjahr eingestellt.

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Gerät technisch anfällig

Ganz nutzlos ist das Gerät deshalb aber nicht, sagte Ordnungsamtschef Jürgen Müller. Verstöße gegen Einfahrtsverbote in bestimmte Straßen, zum Beispiel auf den Niedermarkt, werden mit ihm nach wie vor registriert.

Trotzdem: Ein neues Gerät soll her. Nicht nur wegen der vermeintlichen technischen Unsicherheit, so das Ordnungsamt. Das Gerät sei in die Jahre gekommen. Es war 2013 angeschafft worden, nachdem das Vorgängermodell beim Hochwasser im Rathaus Schaden genommen hatte – ein Versicherungsfall. Aufgrund seines Alters sei es, wenn auch noch funktionsfähig, doch technisch anfällig.

Kauf zurückgestellt

Billig wird die Neuanschaffung nicht. Die Firma Jenoptik Robot GmbH hatte das günstigste Angebot abgeliefert. Sie ruft für ihr Messgerät reichlich 55.400 Euro auf. Die Stadt hat diese Summe nicht im Haushalt eingeplant und will sie der Rücklage entnehmen.

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Der Stadtrat hatte die Anschaffung am Donnerstag auf dem Tisch – und hat die Entscheidung erst einmal zurückgestellt. Stadtrat Dirk Munzig (Fraktion Jetzt - wir für unser Döbeln) machte geltend, dass es in Zusammenhang mit dem Messgerät eine Verfassungsbeschwerde gebe, weil dieses die Rohdaten nicht speichert und Messungen deshalb nicht nachvollzogen werden können.

Entscheidung später

Wie Ordnungsamtschef Jürgen Müller sagte, seien die Geräte bei vielen Kommunen und der Polizei im Einsatz. „Es ist uns nicht bekannt, dass bisher ein Gerät außer Betrieb genommen wurde.“ Auch in der Blitzersäule an der Bahnhofstraße sei ein solches Gerät von Jenoptik eingebaut.

Nach Prüfung der Fakten soll nun der Hauptausschuss nach der Sommerpause über die Anschaffung entscheiden.

15.500 Temposünder erwischt

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Das mobile Messgerät wird an vielen Stellen im Stadtgebiet eingesetzt. Einer der Schwerpunkte ist die Leipziger Straße und die B 169 an der Mastener Straße, wo es in der Vergangenheit an der Auffahrt häufig Unfälle gab. Etwa die Hälfte der im vergangenen Jahr rund 15.500 im Stadtgebiet ertappten Temposünder wurden mit dem mobilen Gerät erfasst. Ordnungsamtschef Jürgen Müller schätzt die Bußgelder durch den Einsatz das mobile Gerät auf etwa 150.000 Euro im Jahr.

Die anderen Daten von zu flotten Autofahrern stammen von den Blitzersäulen an der Bahnhofstraße und der B 169 in Neudorf. Diese werden von der Firma Jenoptik betrieben, die die Messwerte ans Ordnungsamt zur Auswertung liefert.

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