merken
PLUS Döbeln

Döbeln: Corona-Warnung aus dem Abwasser

Im Klärwerk Masten untersucht die Veolia das Abwasser auf Corona-Viren. Das Gesundheitsamt nutzt das aber noch nicht.

Das gesamte Abwasser aus Döbeln kommt im Klärwerk Masten an. Darin lassen sich Corona-Viren nachweisen und damit Trends bei den Infektionsdaten.
Das gesamte Abwasser aus Döbeln kommt im Klärwerk Masten an. Darin lassen sich Corona-Viren nachweisen und damit Trends bei den Infektionsdaten. © PR/Veolia

Döbeln. Bisher war der steigende Inzidenzwert ein Anhaltspunkt dafür, dass sich mehr Menschen mit dem Corona-Virus anstecken. Gewonnen wird der Inzidenzwert aus den Nachweisen des Virus durch PCR-Tests. Aber es geht auch anders und schneller: Im Klärwerk Masten testet der Betreiber Veolia ein System, mit dem sich das ARS-CoV-2-Virus mit seinen verschiedenen Varianten im Abwasser nachweisen lässt.

„Die Veolia hat dazu geforscht und im französischen Netzwerk zur epidemiologischen Abwasser-Beobachtung ‚Obépine‘ ein Corona-Frühwarnsystem entwickelt“, so Tina Stroisch, Leiterin Unternehmenskommunikation bei der Veolia. Döbeln-Masten sei aktuell eine von neun Kläranlagen in Deutschland, auf denen das Veolia-Verfahren angewendet wird. In Sachsen sind es vier, unter anderem auch die Kläranlagen in Grimma.

Berufsakademie Bautzen
Mit hoher Erfolgsquote studieren
Mit hoher Erfolgsquote studieren

Dual. Selbstbestimmt. Chancengerecht. Nachhaltig. Zukunftssicher. Die BA Bautzen bietet optimale Studienbedingungen mit starker Praxisorientierung. Informieren Sie sich hier über das vielfältige Studienangebot.

Ins Labor nach Frankreich

Analysiert werde das Abwasser, das aus Döbeln in Masten ankommt. Das Projekt läuft seit Mai. Einmal in der Woche nehmen die Mitarbeiter am Zulauf der Kläranlage eine 24-Stunden-Mischprobe, die dann in einem Labor gezielt auf das Corona-Virus und dessen Varianten Alpha, Beta, Gamma und Delta untersucht wird.

„Wir schicken die Proben in Labore nach Frankreich. In Deutschland gibt es so etwas nicht“, sagte Tina Stroisch.

Der Vorteil des Systems: Auch Menschen, die sich nicht regelmäßig testen lassen, werden über das Abwasser als Virenträger erfasst. Damit lässt sich ein Anstieg der Infektionen schneller nachweisen, als durch die üblichen PCR-Tests.

Der Inzidenz um Tage voraus

„Schon drei Tage nach der Probenahme erhalten wir vom Labor über ein Dashboard detaillierte Informationen darüber, wie hoch die Viruslast im Abwasser ist. Außerdem ob und in welcher Menge eventuelle Mutanten auftreten“, erläutert Jakob Reif, Bereichsleiter Abwasser bei Veolia. Das heißt, zu einem Zeitpunkt, an dem viele Menschen vielleicht noch gar nicht wissen, dass sie infiziert sind. Damit seien die Abwassermessungen den Inzidenzen um Tage voraus.

  • Sie haben Hinweise, Kritik oder Lob? Dann schreiben Sie uns per E-Mail an [email protected]

Bisher hat das Projekt aber eher Pilotcharakter. Das Gesundheitsamt wisse darüber Bescheid, von ihm verwendet werden die gewonnenen Erkenntnisse aber noch nicht, sagte Tina Stroisch. Bisher gebe es auch nur Empfehlungen, das Abwasser untersuchen zu lassen, aber noch keine Vorgaben, wie die gewonnenen Daten verwendet werden.

Guter Indikator

„Wenn es einmal gefordert wird, dann sind wir aber schon sehr weit“, sagte Tina Stroisch. Das Gesundheitsamt werde auf jeden Fall informiert, wenn ein erneuter Anstieg der Coronavieren im Abwasser festgestellt wird.

Gerade bei Inzidenzen unter zehn sei das Frühwarnsystem ein guter Indikator, so Jakob Reif. Dann sei ein Nachweis der Erreger im Abwasser kaum noch möglich. Ein plötzlicher Wiederanstieg der Virenlast würde sofort auffallen.

Mehr zum Thema Döbeln