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Döbeln: Die neuen Chefs von Erntebrot

Zwei Leipziger Unternehmer haben die Bäckerei gekauft. Mit Backen hatten sie noch nie etwas zu tun. Aber was können sie?

Geschäftsführerin Elke Lehmann (von links) ist schon lange bei Erntebrot. Gunnar Hopfe und Dominic Asche haben die Firma in der Insolvenz erworben.
Geschäftsführerin Elke Lehmann (von links) ist schon lange bei Erntebrot. Gunnar Hopfe und Dominic Asche haben die Firma in der Insolvenz erworben. © Lars Halbauer

Döbeln. Dominic Asche entschuldigt sich, weil beim Pressegespräch im Besprechungsraum von Erntebrot noch zwei Registrierkassen auf dem Tisch stehen. Zuvor hatte er Mitarbeiterinnen der Filialen an der neuen Technik eingewiesen. Die Einführung der neuen Kassen – das ist eines der Zeichen für den Neustart bei Döbelns größter Bäckerei.

Dominic Asche und Gunnar Hopfe sind die neuen Geschäftsführer und Eigentümer der Bäckerei, die sich seit Mitte 2019 zum zweiten Mal in der Insolvenz befunden hatte. Mit Backen hatten die beiden bisher nichts zu tun. Sie verdienen ihr Geld mit einer IT-Firma in Leipzig, die Software für Onlineshops und Logistiksysteme entwickelt. Wie die beiden erzählen, haben sie sich in München in einem Café kennengelernt, wo die beiden während des Studiums gearbeitet haben.

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„Im Alltagsgeschäft in der Bäckerei wären wir aufgeschmissen. Was wir können, sind Prozesse, Optimierung, Digitalisierung, Standardisierung“, sagte Asche. Grundvoraussetzung für die Übernahme sei gewesen, dass Elke Lehmann als Geschäftsführerin mit im Unternehmen bleibt.

Kundenbedürfnisse erkennen

Wie kommen zwei IT-ler zu einer Bäckerei? „Wir sind durch Freunde und Geschäftspartner auf die Situation bei Erntebrot aufmerksam gemacht worden. Wir sind sehr früh in Gespräche eingestiegen und haben festgestellt: Die Leute haben das Herz am richtigen Fleck. Die Softwarebranche ist im Grunde auch Handwerk. Jetzt haben wir noch ein Baby“, so Hopfe.

In das operative Geschäft seien sie eingestiegen, um das Team zu unterstützen. „Damit Erntebrot wieder wird, was es mal war. Wir hatten früher schon mit Lebensmitteln zu tun, ich habe mal gekocht. Wir wollen, dass die besten Backwaren aus der Region kommen“, sagt Hopfe. In der einen wie der anderen Branche sei derjenige erfolgreich, der die Kundenbedürfnisse kennt, meint Dominic Asche. Deshalb habe man damit begonnen, regelmäßig Großkunden einzuladen. „Die können dann sagen, das Brot ist zu hart oder das Brötchen zu trocken.“

Treuer Kundenstamm

Der Kundenstamm ist das Pfund, mit dem die drei Geschäftsführer wuchern können. Erntebrot beliefert neben den eigenen Filialen auch Einzelhändler und Einrichtungen wie etwa Altenheime. Im vergangenen Jahr hatte Erntebrot damit rund 5,5 Millionen Euro umgesetzt. Viele Kunden seien auch in der Krise treu geblieben. „Da hat sich das lange Vertrauensverhältnis bewährt. Auch die Lieferanten haben zu uns gehalten“, sagt Elke Lehmann.

Erntebrot hat 19 Filialen übrig behalten. In den Hochzeiten der Expansion waren es mal 150. Backwaren wurden bis nach Berlin gekarrt. Jetzt ist die am weitesten entfernte Filiale in Gera. Das funktioniert, weil in der Gegend Großkunden beliefert werden.

Auch die meisten Mitarbeiter hätten zur Stange gehalten. Um die 120 sind es derzeit. „20, 30 Prozent der Mitarbeiter haben hier gelernt. Wir haben in Erfolg und in der Krise zusammengehalten. Sie haben sich gefreut, dass wir den Neustart hingekommen haben“, so Lehmann.

Investstau wird aufgelöst

Der Neustart ist schon auf dem Vorplatz zu sehen. Der Hof ist frisch asphaltiert, die Firma hat den Fuhrpark erneuert. Auch Fassade und Dach müssen saniert werden. Die Technik in der Bäckerei hat Überholung nötig. Aufs Dach soll Photovoltaik, um die Energieeffizienz zu verbessern.

„Wir haben eine riesige Liste abzuarbeiten. Wie optimieren wir die Routen, wie kann man die Abrechnung verbessern, wo können wir einkaufen?“, sagte Asche. Eines ist nicht geplant: ein eigener Onlineshop. Der lohne sich nur in Großstädten. „Aber drei Anbieter bei Amazon bieten Produkte von uns an“, sagte Asche.

Mit einem neuen Produkt springt die Bäckerei jetzt auch auf einen rollenden Zug auf. Vegane Lebensmittel liegen im Trend. Erntebrot hat einen veganen Stollen entwickelt, bei dem die Butter gegen einen Ersatzstoff mit Buttergeschmack ausgetauscht wurde. „In der Blindverkostung ist der vegane Stollen besser bewertet worden als der normale Christstollen“, sagte Asche.

Ob die Firma das wie üblich bei einem Tag der offenen Tür im Herbst präsentiert, ist wegen der Corona-Situation noch nicht entschieden. „Ich lehne mich jetzt mal aus dem Fenster. Auf jeden Fall wird es zu unserem 30-Jährigen im kommenden Jahr etwas geben“, sagte Elke Lehmann.

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