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Döbeln: Endlich wieder Trödeln

Etwa 70 Händler aus Sachsen nutzen die Möglichkeit, ihre Waren anzubieten. Der Kontakt zu den Kunden hat gefehlt.

Bastian Fritzsch, Leonie Heinke, Jaqueline Fritzsch und Amelie Heinke mit Paula Fritzsch (von links) haben auf dem Flohmarkt in Döbeln eine Wäschespinne und einen Handstaubsauger ergattert.
Bastian Fritzsch, Leonie Heinke, Jaqueline Fritzsch und Amelie Heinke mit Paula Fritzsch (von links) haben auf dem Flohmarkt in Döbeln eine Wäschespinne und einen Handstaubsauger ergattert. © Dietmar Thomas

Döbeln. Ihr Mann bringt zwischendurch schnell zwei Pfannen und zwei DDR-Geschirrtücher zum Auto. Jetzt sucht sie für den Garten noch einen Trog zum Bepflanzen, sagt die Frau aus Ostrau. Naja, und wie Frauen so sind, blinkt und glitzert es da und dort und vielleicht greift sie ja noch anderswo zu, meint sie schmunzelnd.

Das Paar gehört zu den unzähligen Besuchern des Flohmarktes auf dem Steigerhausplatz. Es ist der erste seit acht Monaten. Die Ostrauerin freut sich, dass die Schnäppchenjagd wieder möglich ist, und wundert sich, dass nur sehr wenige den Mund-Nase-Schutz tragen, auf den an den beiden Eingängen und mehrfach auf dem Gelände hingewiesen wird.

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Zudem macht an jedem der etwa 70 Stände ein Schild auf 1,5 Meter Abstand halten aufmerksam. Doch das fällt schwer. Denn wer etwas kaufen möchte, will es vorher aus der Nähe betrachten oder auch in die Hand nehmen.

Von Spielzeug bis Deko

Die Händler kommen aus ganz Sachsen. Sie haben den Kontakt mit den Kunden vermisst. „Ich bin lieber hier und rede mit den Leuten, als die Sachen auf Ebay zu verkaufen“, meint ein Mann aus Niederstriegis. Sein Angebot ist kunterbunt und reicht von Spielzeug über Bücher und Deko-Artikeln bis zu einem Globus und einer alten Kaffeemühle.

„Wir sind froh, dass es wieder losgeht“, sagt eine Wermsdorferin an einem Stand wenige Meter weiter. Die Zeit ohne Flohmärkte hat sie genutzt, um Babyschuhe und Strümpfe zu stricken sowie Glückspilze zu häkeln. Haushaltswaren, die ebenfalls auf dem Tisch stehen, haben sie und ihr Mann von Bekannten geschenkt bekommen.

Normalerweise beteiligen sie sich zweimal pro Jahr in Döbeln und zweimal in Oschatz an Flohmärkten. Döbeln ist diesmal der Erste. „Oschatz ist für den 4. September geplant. Aber an dem Tag ist Schulanfang, da wird der Markt wohl ausfallen“, vermutet sie.

Rosenthal Porzellan in Döbeln gefragt

Nach einem Markt in Thüringen ist der Döbelner der zweite, bei dem ein Vogtländer seine langen Tische aufgebaut hat. „Aber die Vorlaufzeit war zu kurz, um Reklame machen zu können“, sagt er. Bilder, Deko und Blumenvasen stehen dort.

In Döbeln seien vor allem Rosenthal Porzellan und alte Postkarten gefragt, dafür gibt es Sammler, weiß er aus den vergangenen Jahren. Am Vormittag haben die Leute mehr geschaut als gekauft. Aber der Mann nimmt es mit Humor. Flohmarktbesuche sind sein Hobby. „Ich bin Rentner, Jäger und Sammler“, fasst der Senior lachend zusammen.

Große Holzräder ziehen die Blicke an einem anderen Stand auf sich. „Die stammen von einem Heuwagen“, sagt der Händler, der gerade von einem Harthaer plaudert. Dieser hat einige Dinge wiedererkannt, die er dem Händler überlassen hat. „Ich räume langsam aus“, meint er und zeigt auf Eimer, die er früher zum Schlachten benutzt hat. Auch eine Gießkanne der Deutschen Reichsbahn stamme von ihm.

Vielfältiges Angebot

Vor allem Gebrauchsgegenstände hat ein Chemnitzer mitgebracht. In der Stadt, werde es wohl im Juli den ersten Flohmarkt geben. Deshalb versucht er sein Glück nun schon einmal in Döbeln. Auch er bietet nur an, was er von Freunden und Bekannten geschenkt bekommt. „Etwas aufzukaufen, ist mir zu riskant“, sagt er.

Das Angebot auf dem Steigerhausplatz ist vielfältig und für fast jeden Geschmack etwas dabei, von Kleidung, Tisch- und Bettwäsche über Schmuck, Schallplatten und DDR-Radios bis zu Reitutensilien. Der nächste Flohmarkt ist nach Informationen eines Markt-Mitarbeiters für das letzte Juli-Wochenende geplant.

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