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Döbelner entgeht Gefängnisstrafe

Ein Döbelner hat einen Mann geschlagen. Der zieht die Anzeige zurück. Dennoch kommt es zur Verhandlung.

Symbolfoto.
Symbolfoto. © dpa/David-Wolfgang Ebener

Döbeln. Der Mann auf dem Anklagestuhl ist schon mehrfach straffällig geworden, hat auch schon im Gefängnis gesessen. Und dennoch glaubt man ihm, dass er das Geschehen, weswegen er jetzt vor dem Döbelner Amtsgericht angeklagt ist, am liebsten ungeschehen machen würde.

Dem 41-Jährigen wird gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. An einem Sonnabend im April dieses Jahres hat er mit einem Kumpel Alkohol getrunken. Gemeinsam sind sie dann zu einem anderen Kumpel. „Er hatte ein Paar Arbeitsschuhe von mir, die wollte ich zurückhaben“, erinnert sich der Angeklagte.

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Kaum, dass der Kumpel die Tür geöffnet hatte, ging der Angeklagte auf ihn los. „Ich hatte ihn in der Mangel, weiß aber nicht mehr, ob ich ihn getroffen habe“, sagt der Döbelner. Bei dem Gerangel sei die Glasplatte eines Tisches im Wohnzimmer zu Bruch gegangen. Auch an eine Flasche, die er nach dem Geschädigten geworfen hat, kann er sich erinnern. Von einem Teller, der ebenfalls geflogen sein soll, weiß er nichts mehr.

Döbelner hat ganze Reihe an Vorstrafen

Einen Tag später soll schon wieder alles vergessen gewesen sein. „Wir haben uns getroffen und ausgesprochen. Für den Schaden am Tisch habe ich ihm 60 Euro gegeben“, so der Angeklagte. Er bereue das Geschehen. „Ich habe Angst, wieder ins Gefängnis zu müssen. Ich saß schon zweimal, ich will da nicht wieder rein“, fleht er bei Richterin Nancy Weiß um Gnade.

Der Geschädigte will als Zeuge zunächst nicht aussagen. Er habe zwar die Polizei gerufen, aber später erklärt, dass er die Anzeige zurückziehen will. Er könne nicht verstehen, wieso der Fall doch verhandelt wird. Gefährliche Körperverletzung gilt als sogenanntes Offizialdelikt und wird von Amts wegen unabhängig vom Vorliegen eines Strafantrages verfolgt, belehrt ihn die Richterin. Daraufhin bestätigt der Zeuge, dass er von dem Teller am Arm getroffen wurde, aber nur eine kleine Schramme davongetragen habe. Er sei auch nicht beim Arzt gewesen.

Der Polizeioberkommissar und die Polizeimeisterin, die den Vorfall aufgenommen haben, haben in der Wohnung den kaputten Tisch und Glasscherben festgestellt. Auch die leichte Verletzung des Geschädigten ist dokumentiert worden. Beim Angeklagten ergab ein Alkoholtest einen Wert von 0,36 Promille.

Im Bundeszentralregister ist der Angeklagte mit einer ganzen Reihe von Straftaten vermerkt. Die Palette reicht von gefährlicher Körperverletzung, Fahren ohne Führerschein, gemeinschaftlichem Diebstahl bis hin zu Urkundenfälschung und unerlaubtem Entfernen vom Unfallort.

Verlängerte Bewährungszeit und Geldauflage

Die Staatsanwältin sieht den in der Anklageschrift aufgeführten Sachverhalt im Wesentlichen bestätigt. Zugunsten des Angeklagten führt sie an, dass er äußerst geständig ist, Wiedergutmachung betrieben hat und große Reue zeigt.

Auf der Gegenseite sei die Rückfallgeschwindigkeit sehr hoch. Sie beantragt eine Strafe von sechs Monaten, die auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden soll. Der Angeklagte, der ohne Anwalt erschienen ist, zeigt sich mit diesem Urteil einverstanden. „Hauptsache, ich muss nicht ins Gefängnis“, sagt er.

Richterin Nancy Weiß ändert den Antrag der Staatsanwältin in der Hinsicht ab, dass sie die Bewährungszeit auf drei Jahre ausdehnt. Zudem wird dem Angeklagten, der in einem Döbelner Elektrobetrieb arbeitet, für ein Jahr ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt. Außerdem erhält er eine Geldauflage in Höhe von 500 Euro, die an den Verein Deutsche Hirntumorhilfe gehen soll, und er muss die Kosten des Verfahrens tragen.

Die Richterin sieht beim Angeklagten aufgrund der festen Arbeit und geordneten Verhältnissen eine gute Sozialprognose. Angesichts der hohen Rückfallgeschwindigkeit hat sie die Bewährungszeit aber höher angesetzt.

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