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Döbelner Kita leitet jetzt ein Mann

Mario Greif hat Anfang Juni die Kita Kleeblatt übernommen. Und damit auch eine gewaltige Herausforderung.

Mario Greif, Leiter der Kita Kleeblatt, schaut aus einem Spielhaus des neuen Pausenhofs der Kunzemannschule. Die Kita, die direkter Nachbar und auch Hort der Grundschule ist, darf die Spielmöglichkeit ebenfalls nutzen.
Mario Greif, Leiter der Kita Kleeblatt, schaut aus einem Spielhaus des neuen Pausenhofs der Kunzemannschule. Die Kita, die direkter Nachbar und auch Hort der Grundschule ist, darf die Spielmöglichkeit ebenfalls nutzen. © Dietmar Thomas

Döbeln. Männer als Erzieher in Kitas sind mittlerweile nicht mehr so selten. Aber Mario Greif ist in der frauendominierten Branche trotzdem noch eine Ausnahmeerscheinung. Er gehört zu den wenigen Männern, die eine Kita leiten. Greif hatte Anfang Juni die Kita Kleeblatt an der Kunzemannstraße übernommen. Deren langjährige Leiterin Barbara Teichmann war in den Ruhestand gegangen.

Es sind verschlungene Wege, über die der Harthaer zu seinem Beruf gekommen ist. Eigentlich ist er Werbekaufmann. Dann hatte er bei Signet Solar im Gewerbegebiets Fuchsloch gearbeitet. „Von Anfang an bis zum Ende 2011“ sagte er.

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Viele Bewerbungen geschrieben, in Döbeln hat's geklappt

Signet Solar stellte Photovoltaikmodule nach einem neuen Verfahren her. Die Arbeit habe ihn nicht befriedigt, wenn sich am Ende der Schicht die gesamte Produktion als Ausschuss herausstellte, erzählte er.

Nach Signet Solar ging er zu einer Firma in Dresden, die elektronische E-Paper entwickeln und herstellen wollte. „Irgendwann habe ich mir dann gesagt, ich will raus aus diesem Hamsterrad, und habe mich dann für die soziale Richtung entschieden. Altenpfleger oder Krankenpfleger. Am Ende bin ich beim Erzieher gelandet.“

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Mit der berufsbegleitenden Ausbildung war das nicht so einfach. Mario Greif hat viele Bewerbungen geschrieben. „Bei der Stadt Döbeln hat es dann geklappt“, sagte Greif. 2013 begann er in der Kita Tausendfüßler. „Das war aufregend. Ich habe in der Krippe angefangen.“

Der groß gewachsene Mann erinnert sich lachend daran, wie er auf allen vieren auf dem Boden herumrobbte, um mit den Kindern zu spielen. Greif ist dabei nicht unerfahren. Er hat selbst drei Kinder.

In Döbelner Kita Tausendfüßler einziger Mann

Vier Jahre später hatte er den Abschluss in der Tasche. In einem Beruf, der ihm viel Spaß macht. „Männer sehen vielleicht manches ein bisschen entspannter. Sie können in einer Einrichtung mit vielen Frauen vielleicht auch als Ausgleich wirken“, sagte Greif. In der Kita Tausendfüßler seien sie fünf männliche Erzieher gewesen. Im „Kleeblatt“ ist er derzeit der einzige Mann.

Die neue Stellung ist in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung für den 47-Jährigen. Eine kleinere Einrichtung zu übernehmen, für die er nur eine Weiterbildung zu absolvieren braucht - das habe nicht geklappt.

Jetzt also die Kita Kleeblatt mit 189 Kindern in Krippe, Kindergarten und Hort – und ein Studium der Kindheitspädagogik. Wieder alles berufsbegleitend. Das ist die Bedingung, die sein Arbeitgeber, die Stadt Döbeln, stellt.

Corona-Zeit nicht einfach für Erzieher

Jeden Freitag sitzt er vor dem Bildschirm fürs Online-Seminar. „Das ist nicht einfach, wenn du acht Stunden auf den Kasten guckst“, erzählt er. Ansonsten erfolge viel im Selbststudium. Wie Greif erzählt, hat er gemerkt, dass ihm das Lernen in seinem Alter nicht mehr so leicht fällt.

Auch sonst stürzt viel Neues auf ihn ein, auch wenn er schon im Februar angefangen hat und er vier Monate von seiner Vorgängerin in der neuen Aufgabe eingeführt wurde.

Die Corona-Pandemie mit den vielen Regelungen machte die Sache nicht einfacher. „Das hat viel Zeit geraubt. Fast jeden Tag gab es irgendwelche neuen Anweisungen.“ Als die Eltern nicht ins Haus durften, wurden die Kinder per Handfunkgerät zum Eingang geholt. Mittlerweile hat sich die Lage aber entspannt.

Wie Greif erzählt, habe er sehr viel mit administrativen Aufgaben zu tun. Statistiken, Listen, Dokumentationen, An- und Abmeldungen. Und er ist nicht der einzige Neuling. Ab Juli, so erzählt er, wird er seine Stellvertreterin anlernen.

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