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Döbeln: Kritik an neuer Brücke

Die Frage der Verkehrswirksamkeit wird immer wieder aufgeworfen. Ist ein Kreisverkehr die Lösung?

Bisher ist auf der Straße zur neuen Brücke Schillerstraße nur der Radlader unterwegs. Das Bauwerk steht aber vor seiner Fertigstellung. Die Kritik an der Verkehrswirksamkeit reißt allerdings seit Jahren nicht ab.
Bisher ist auf der Straße zur neuen Brücke Schillerstraße nur der Radlader unterwegs. Das Bauwerk steht aber vor seiner Fertigstellung. Die Kritik an der Verkehrswirksamkeit reißt allerdings seit Jahren nicht ab. © Jens Hoyer

Seit die neue Brücke Schillerstraße geplant und gebaut wird, ploppt immer wieder die gleiche Frage auf: Wie verkehrswirksam ist das rund 5,6 Millionen teure Bauwerk eigentlich? Besonders der Stadtrat Sven Weißflog hatte sich immer wieder als Rufer in der Wüste hervorgetan. Seine Kritik: Besonders aus Richtung Osten ist die Verkehrswirksamkeit sehr eingeschränkt. Es gibt von der Dresdner Straße keine direkte Zufahrt zur Brücke. Autofahrer müssen den weiten Bogen über den Kreisverkehr am Wappenhenschstift und die Wappenhenschstraße nehmen. Oder – was eigentlich nicht erwünscht ist – durch Sörmitz fahren.

Er machte den Vorschlag einer Anbindung durch die ehemalige Sandgrube zur Dresdner Straße. Und er hatte – um das Gelände zu sichern – das Grundstück vor zwei Jahren gekauft.

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Die Kreuzung Dresdner/Oschatzer Straße. Über einen Kreisverkehrsplatz könnte eine kürzere Verbindung zur Wappenhenschstraße und damit zur neuen Brücke geschaffen werden.
Die Kreuzung Dresdner/Oschatzer Straße. Über einen Kreisverkehrsplatz könnte eine kürzere Verbindung zur Wappenhenschstraße und damit zur neuen Brücke geschaffen werden. © Dietmar Thomas

Döbeln. Auch der Döbelner Olaf Teichgräber, der sich mit der Brücke beschäftigt und mit einem Leserbrief an den Döbelner Anzeiger gewandt hat, kann keine Entlastung erkennen. Nicht nur wegen des Umwegs über die Wappenhenschstraße, sondern auch wegen der geplanten Verkehrsführung auf der Westseite der Mulde.

Die Stadt will das Linksabbiegen von der Schillerstraße in die Straße des Friedens – die Einbahnstraße werden soll – unterbinden. Wer in Richtung Landratsamt, Lessing-Gymnasium und Roßwein will, müsste den Bogen über die Ampelkreuzung bei Kaufland schlagen. „Ein Umweg von mehreren 100 Metern mit Stillstand an der Ampelkreuzung Kaufland und demzufolge auch mehr Schadstoffausstoß. Auch die Fahrzeuge, die aus Richtung Stadt, Postkreuzung, Zwingerstraße, kommen, müssen, um in die genannte Richtung zu gelangen, über die Ampelkreuzung bei Kaufland“, schreibt er. Teichgräber sieht auch Probleme, wenn Laster über die Brücke mit relativ schmalen Straßen mit verschiedenen Abbiegungen müssen. Sein Fazit: Die Schildbürger hätten es nicht besser hinbekommen.

Verkehrsfluss durch die Sandgrube

Auch Frank Götzel hatte sich zu dem Thema zu Wort gemeldet. Er hatte vor mehr als 20 Jahren mit anderen an der Uferstraße ein Haus gebaut, das jetzt unmittelbar an der Brücke liegt. Die Hausbesitzer fühlten sich, als die sogenannte Ortskerntangente S 32 mit einer Brücke an der gleichen Stelle ins Spiel kam, getäuscht und gründeten eine Bürgerinitiative. Damals sei von einer Umgehungsstraße die Rede gewesen.

„Die jetzigen scharfen Kritiker haben recht, wenn sie von einem Schwindel sprechen, weil heute die Stadtverwaltung nur von einer Verkehrsentlastung spricht. Ob der Millionenbau eine Verkehrsentlastung ist, wird sich erweisen müssen und kann bezweifelt werden. Unbegreiflich ist aber, warum die Kiesgrube an der Dresdener Straße nicht genutzt wird. Für einen einigermaßen geordneten Verkehrsfluss ist das aus meiner Sicht unumgänglich“, so Götzel.

Verkehrswirkung untersucht

Die S 32 durch die ehemalige Sandgrube war vor 20 Jahren unter anderem aus Kostengründen verworfen worden. Die Stadt hatte diese Variante für ihre kommunale Straße vor vier Jahren auf Verkehrswirksamkeit untersuchen lassen. Ergebnis: Statt etwa 7.000 Fahrzeuge pro Tag würden 11.000 Fahrzeuge über die neue Brücke fahren, wenn es eine Verbindung durch die Sandgrube gäbe. Die Innenstadt würde noch mehr ent-, die hintere Schillerstraße aber um den gleichen Betrag belastet. Untersuchungen zu den Kosten dieser Variante hatte es nicht gegeben.

Döbelns Baudezernent Thomas Hanns weist die harsche Kritik an der Brücke zurück. „Das ist sicher kein Schildbürgerstreich“, sagte er. „Es gab ein Planfeststellungsverfahren, in das alle eingebunden waren und an dem sich jeder beteiligen konnte.“ Er gibt zu, dass die Verkehrslösung über den Kreisverkehr Wappenhenschstift nicht ideal ist. „Da muss noch nachgeschärft werden.“

Er sagt auch, wie das vor sich gehen könnte: durch einen Kreisverkehr an der Einmündung von der Oschatzer in die Dresdner Straße. Von diesem könnte eine direkte Verbindung zur Wappenhenschstraße geschaffen werden.

Kreisverkehr an der Oschatzer Straße

Die Idee ist nicht neu. Für das dafür benötigte Grundstück hatte sich die Stadt vor Jahren eine Kaufoption gesichert. Es hatte dazu auch schon Untersuchungen gegeben. Ergebnis: Ein Kreisverkehr würde dort hinpassen. Zugleich würde auch die Oschatzer Straße besser angebunden.

Eine Schwierigkeit gibt es allerdings: Sowohl die Oschatzer als auch die Dresdner Straße sind Landes- und Bundesstraßen, damit hat das Landesamt für Straßenbau und Verkehr das Sagen. „Wir sind mit dem Amt in Kontakt. Dort wird man erst einmal abwarten, wie verkehrswirksam die neue Brücke ist. Fakt ist auch: Die Kreuzung ist kein Unfallschwerpunkt“, sagte Hanns.

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Eine andere Lösung hält er für weniger realistisch. Nämlich die Anbindung der Brücke über den Dresdner Platz. An dieser Kreuzung sei ein Kreisverkehr nicht unterzubringen, ohne Häuser abzureißen. Dort ließe sich nur eine Ampelkreuzung realisieren. Wenn der Dresdner Platz in beiden Richtungen befahren würde, sei dort auch kein Parken mehr möglich.

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