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Döbeln: Musikschule bleibt für die kleinen Schüler offen

Der Musikschulunterricht ist wieder erheblichen Einschränkungen unterworfen. Aber so schlimm wie beim letzten Mal ist es nicht.

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Beim Musikerlebnistag im September im Bürgergarten Döbeln spielte die Little House Big Band der Musikschule Mittelsachsen. Lange waren keine Auftritte möglich gewesen. Jetzt gibt es wieder Beschränkungen, vor allem auch bei der Probenarbeit.
Beim Musikerlebnistag im September im Bürgergarten Döbeln spielte die Little House Big Band der Musikschule Mittelsachsen. Lange waren keine Auftritte möglich gewesen. Jetzt gibt es wieder Beschränkungen, vor allem auch bei der Probenarbeit. © Thomas Kube

Von Dagmar Doms-Berger

Döbeln. Die Stille gleicht einem Déjá-vu. Wiederholt gibt es eine Adventszeit ohne Musik. Konzerte sind abgesagt. Seit einer Woche sind in Sachsen alle Kultur- und Freizeiteinrichtungen geschlossen. Die Musikschulen betrifft die Schließung zum Teil. Mit der neuen Notverordnung sollen Angebote und Einrichtungen für Kinder so weit wie möglich geöffnet bleiben.

Doch nicht alle Musikschüler profitieren von der Festlegung.In der Adventszeit wären das Blasorchester und die Instrumental-Ensembles sowie der Chor der Musikschule auf Weihnachtsmärkten und zahlreichen Adventsveranstaltungen der Region Döbeln unterwegs gewesen. Doch es gibt keine Auftritte und damit auch keine Probenziele. „Das fühlt sich alles nicht gut an“, sagt die Leiterin der Musikschule Mittelsachsen, Margot Berthold, zumal der gewohnte Musikschulbetrieb gerade erst wieder das Laufen gelernt habe.

Da die Situation aber nun mal so sei, helfe kein Lamentieren. Sie verweist auf ein Zitat von Ministerpräsident Michael Kretschmer: „Freiheit ohne Verantwortung nennt man Egoismus.“

So ist nach der aktuell gültigen Notfallverordnung neben Einzelunterricht auch Gruppenunterricht möglich, ebenso dürfen Instrumental- und Gesangsensembles proben sowie Tanzunterricht, Musikalische Früh- und Frühesterziehung dürfen stattfinden – allerdings nur noch für Schüler bis zur Vollendung des 16. Lebensjahres. Alle älteren Schüler und Erwachsenen erhalten keinen Unterricht in normaler Form. Ihnen wird Online-Unterricht angeboten.

Ausnahmeregelung für ältere Schüler

Dies gilt erst einmal bis zum 12. Dezember. Eine Ausnahme gibt es: Nach Absprache mit der Schulleitung können Schüler ab 16 Jahren, die vor einer wichtigen Prüfung stehen, im kommenden Jahr ein Studium aufnehmen oder die an Wettbewerben teilnehmen werden, ebenfalls Präsenzunterricht erhalten. Voraussetzung ist ein Impf-, Genesenen- oder Testnachweis, wobei der Test nicht älter als 24 Stunden bzw. der PCR-Test nicht älter als 48 Stunden sein darf. Schüler, die sich nach der Schul- und Kita-Corona-Verordnung testen, benötigen keinen extra Test.

Auf die Unterrichtsgestaltung und Proben wirkt sich die neue Verordnung teilweise drastisch aus. In Ensembles spielen Schüler unterschiedlichen Alters. Wer über 16 ist, ist nun nicht mehr dabei. Einige Band-Proben fallen total aus, weil alle Mitglieder älter sind.Die Schülereltern haben die neuen Regeln laut Margot Berthold relativ gelassen hingenommen. Unverständnis gab es gegenüber der Festlegung der Altersgrenze von 16 Jahren. Dies konnten viele Eltern nicht nachvollziehen.

Situation ist strapaziös

Auch Gitarrenlehrer Tom Keilhauer versteht die Regelung nicht. „Wieso sind die unter 16-Jährigen weniger gefährdet als die über 16-Jährigen?“, fragt er. Er findet die Situation sehr strapaziös, zumal es auf kurze Sicht seiner Ansicht nach keine Entspannung geben wird. Das Online-Unterrichten sei zwar erprobt, aber immer noch mit Tücken behaftet. „Neulich ging in den Abendstunden nichts mehr“, sagt Keilhauer. Weil nun alle Lehrer einen Teil ihrer Schüler online unterrichten müsse, sei das WLAN-Netz der Musikschule überlastet gewesen.

Ein Blick auf die Uhr signalisiert ihm, dass sein Unterricht in Kürze startet. Vor Unterrichtsbeginn muss er noch einen Schnelltest machen. Seit Mittwoch gelte die 3G-Regel am Arbeitsplatz. In der Musikschule würden nur noch Tests von zertifizierten Unternehmen anerkannt, was bedeutet, dass er noch ins Testzentrum müsse. Dort bildeten sich schon seit Tagen lange Schlangen. „Der Zeitaufwand hat dadurch enorm zugenommen“, sagt er.

Vorspielen im kleinen Rahmen

Ganz still bleibt das Vorspielzimmer der Musikschule in diesen Tagen aber nicht. Kleine Vorspiele sind noch möglich – jedoch ohne Zuschauer. Die Leiterin selbst nutzt diese Möglichkeit, um mit ihren Knirpsen am 8. Dezember ein Nikolauskonzert zu gestalten. Die Vorschulgruppe werde dafür in drei Gruppen geteilt, da die Teilnehmerzahl entsprechend der Raumkapazität des Vorspielzimmers auf zehn Schüler begrenzt ist.

An den anderen Musikschulstandorten in Freiberg, Mittweida und Flöha gelten jeweils andere maximale Personenzahlen, in Flöha etwa können bis zu 20 Schüler spielen, um die geltenden Abstandsregelungen einzuhalten.

Auftritt in Strocken kann stattfinden

Möglich sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch Auftritte außerhalb geschlossener Räume. Damit kann der Auftritt der Kleinen am 11. Dezember, 15 Uhr, in Strocken stattfinden. Dort werden sie auf dem Hof der Weihnachtswelt Weihnachtslieder singen. Dieser Auftritt habe inzwischen Tradition, so Berthold. Seit rund 15 Jahren singen die Schüler dort.

Damit Schüler nicht mehr wie noch vor einigen Wochen vor der Haustür im Freien warten müssen, ist in der Musikschule ein abgesperrter Verweilbereich eingerichtet worden, aus dem die Lehrer ihre Schüler abholen. Eltern und Großeltern, die ihre Kinder und Enkelkinder bringen, dürfen sich kurzzeitig zur „Übergabe“ der Schüler dort aufhalten.