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Was ist an Döbelns Wettinplatz wirklich passiert?

Die NPD schreibt von einem "erneuten Fall von brutaler Ausländergewalt" und einer Messer-Attacke. Die Polizei spricht von "Stimmungsmache mit falschen Fakten".

Im Döbelner Wettinpark soll es in der Nacht zu Freitag zu einem brutalen Übergriff gekommen sein. Das behauptet zumindest die NPD Sachsen in einem Facebookpost. Doch stimmt das?
Im Döbelner Wettinpark soll es in der Nacht zu Freitag zu einem brutalen Übergriff gekommen sein. Das behauptet zumindest die NPD Sachsen in einem Facebookpost. Doch stimmt das? © Archiv/Erik-Holm Langhof

Döbeln. Es sieht dramatisch aus: Ein Selfie mit blutverschmiertem Gesicht bebildert einen Beitrag der Nationaldemokratischen Partei Deutschland (NPD) Sachsen auf Facebook. Im Beitrag selbst wird eine Szene beschrieben, die sich in der Nacht zu vergangenem Freitag am Döbelner Wettinplatz abgespielt haben soll.

Im Beitrag werden wohl die Schilderungen des 19-jährigen Opfers wiedergegeben: Das Opfer befand sich demnach zwischen 1 und 2 Uhr am Freitagmorgen auf dem Nachhauseweg, als es am Wettinplatz zu einer verbalen Auseinandersetzung gekommen sein soll.

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"In deren Folge stürzten sich mindestens drei Täter nicht deutscher Herkunft von Hinten auf das Opfer, prügelten auf den jungen Mann ein und attackierten diesen mit einem Messer und verletzten ihn schwer", so die NPD Sachsen in ihrem Beitrag.

"Die Aussage des behandelnden Notarztes, wonach das Opfer nur durch glücklichen Zufall überlebt habe, macht erneut deutlich, mit welcher Brutalität die mutmaßlich als sogenannte Flüchtlinge nach Deutschland eingereisten Täter agieren."

Der Beitrag wurde bis Montagmittag auf Facebook 185 Mal geteilt, 31 Kommentatoren haben ihre Meinung darunter geteilt. Doch stimmt der Beitrag der NPD? Gab es tatsächlich einen Übergriff auf dem Döbelner Wettinplatz?

Rund um Wettinplatz keine "relevanten Feststellungen"

Auf Anfrage macht Polizeisprecher Andrzej Rydzik deutlich, dass es zwar einen Übergriff auf einen 19-Jährigen gab, jedoch viele Einzelheiten zum Körperverletzungsdelikt noch unklar seien.

Nach Rücksprache mit den am Freitagmorgen im Einsatz befindlichen Polizeibeamten schildert der Polizeisprecher den Ablauf folgendermaßen: "Am 11. Juni gegen 1.05 Uhr, verbrachte ein ausländischer Bürger (21) einen blutenden und alkoholisierten Mann (19) ins Polizeirevier Döbeln. Die Kollegen haben umgehend den Rettungsdienst verständigt. Rettungskräfte brachten den 19-Jährigen daraufhin in ein Krankenhaus."

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Bei der medizinischen Untersuchung stellten sie nach Angaben von Andrzej Rydzik fest, dass der 19-jährige Deutsche insgesamt 1,7 Promille Alkohol intus hatte. "Nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt erfuhren die Kollegen, dass das festgestellte Verletzungsmuster am Kopf des 19-Jährigen auf einen Sturz oder einen Schlag mit einem Gegenstand hindeutete. Auf Nachfrage schloss der Arzt eine Stichverletzung aufgrund der diagnostizierten Platzwunde aus", so der Polizeibeamte.

Die NPD Sachsen postete am Sonntagabend diesen Beitrag zu einem mutmaßlichen Übergriff im Döbelner Wettinpark.
Die NPD Sachsen postete am Sonntagabend diesen Beitrag zu einem mutmaßlichen Übergriff im Döbelner Wettinpark. © Screenshot: SZ

Bereits kurz nach Bekanntwerden des Falls gegen 1 Uhr begaben sich laut dem Polizeisprecher weitere Kollegen zum Wettinpark, da der Geschädigte spontan im Polizeirevier geäußert hatte, von mehreren Ausländern im Park angegriffen und verletzt worden zu sein.

"Relevante Feststellungen konnten die Polizisten dort als auch im weiteren Umfeld nicht machen. Es wurden lediglich einige leere Bierflaschen spurenschonend gesichert", so der Sprecher. "Auch der 21-jährige Begleiter des Verletzten konnte den Beamten keine tatsächlichen Hinweise geben, die das unklare Geschehen hätten erhellen können."

Opfer unkooperativ und im Disput mit Rettungskräften

Gegen 2.15 Uhr soll sich das 19-jährige Opfer selbst aus dem Krankenhaus entlassen haben, wonach er im Anschluss mit einem Streifenwagen zum Zwecke einer Vernehmung erneut in das Döbelner Polizeirevier kam.

Dort musste nach einigen wenigen Schilderungen des Mannes, "in denen lediglich die Rede davon war, dass er sich im Wettinpark mit dem 21-Jährigen (seinem späteren Begleiter) Angesicht zu Angesicht unterhalten und plötzlich seinen blutenden Kopf bemerkt hatte", die Vernehmung gegen 2.50 Uhr abgebrochen werden, da der Deutscher erneut über Unwohlsein klagte.

Polizeibeamte verständigten erneut den Rettungsdienst. "Der Geschädigte zeigte sich fortan im Polizeirevier jedoch unkooperativ, verweigerte zudem nach einem Disput mit den Rettungskräften die Mitfahrt im Rettungswagen und lehnte somit die weitere medizinische Behandlung ab", beschreibt Andrzej Rydzik den Ablauf. "Letztlich wurde er gegen 3.25 Uhr von einer Frau vor dem Polizeirevier abgeholt und auf eigene Gefahr offenbar nach Hause gebracht."

"Reine Stimmungsmache mit falschen Fakten"

Zusammenfassend erklärt der Polizeisprecher: Erstens habe laut des behandelnden Arztes zu keinem Zeitpunkt Lebensgefahr beim 19-jährigen Geschädigten bestanden, auch habe es keine Hinweise auf eine Einstichstelle gegeben. "Gleichwohl ist die Sachlage nach wie vor unklar", so Rydzik. "Wir haben Ermittlungen wegen eines denkbaren Körperverletzungsdeliktes aufgenommen."

Auf Anfrage von Sächsische.de, weshalb die Polizei den Sachverhalt nicht direkt nach Bekanntwerden veröffentlichte, erklärt der Polizeisprecher so: "Da auch keine weiteren Zeugenhinweise zu erwarten waren beziehungsweise sind, fand sich dieser noch zu ermittelnde Sachverhalt auch nicht in der Medieninformation."

Er weist weiter darauf hin, dass zum Zwecke der Klärung nun zwingend erforderlich sei, sowohl den Geschädigten als auch den 21-jährigen ausländischen Bürger nochmals eingehend anzuhören.

Mit Hinweis auf den Beitrag der Nationaldemokratische Partei Deutschland in Sachsen sagt Andrzej Rydzik: "Die Mitteilung der NPD erachten wir nach den uns derzeit vorliegenden Erkenntnissen als reine Stimmungsmache mit falschen Fakten."

Wettinplatz bereits häufiger im Blickpunkt der Polizei

Nach unbestätigten Informationen von Sächsische.de soll sich der 19-jährige Geschädigte derzeit in einem Leipziger Krankenhaus befinden. Auf mehrfache schriftliche Anfrage wollte sich das Opfer bis Montagmittag zu dem Sachverhalt nicht äußern.

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Am Döbelner Wettinplatz kam es in Vergangenheit bereits häufiger zu Übergriffen und strafrelevanten Delikten. So wurde im Mai dieses Jahres laut Polizei eine 16-Jährige mehrfach gegen ihren Willen sexuell bedrängt. Im Januar 2020 standen zwei junge Männer vor dem Döbelner Amtsgericht, weil sie unter anderem im Döbelner Wettinpark Drogen verkauft hatten.

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