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Döbeln Ost I wird vom Stadtverkehr abgehängt

Der Nahverkehrsplan sieht die Reduzierung der Stadtbuslinien vor. Die Wünsche der Ortsteile werden nicht erfüllt.

Bisher halten die Stadtbusse der Linie A an zwei Haltestellen im Wohngebiet Ost I. Das ist gut, denn hier wohnen relativ viele ältere Menschen. Nach den Nahverkehrsplänen soll das Wohngebiet künftig aber nicht mehr an den Stadtverkehr angeschlossen sei
Bisher halten die Stadtbusse der Linie A an zwei Haltestellen im Wohngebiet Ost I. Das ist gut, denn hier wohnen relativ viele ältere Menschen. Nach den Nahverkehrsplänen soll das Wohngebiet künftig aber nicht mehr an den Stadtverkehr angeschlossen sei © Dietmar Thomas

Döbeln. Die Ortschaftsräte von Ziegra und Mochau hatten in den vergangenen Jahren immer wieder Vorstöße unternommen, um die Ortsteile an den Döbelner Stadtverkehr anbinden zu lassen. Das hat vor allem finanzielle Vorzüge.

Der Fahrschein für eine Stadtbusfahrt kostet 1,80 Euro. Ein Fahrschein über eine Zone dagegen schon 2,20 Euro. Die Ziegraer fahren über zwei Zonen und müssen sogar 3,60 Euro für eine Fahrt nach Döbeln berappen. Jetzt gibt es einen neuen Nahverkehrsplan für Mittelsachsen. Nur: Die Wünsche der Döbelner sind dabei nicht berücksichtigt worden. Im Gegenteil: Wenn der Plan in dieser Form in Kraft tritt, werden die Döbelner Abstriche in einigen Wohngebieten in Kauf nehmen müssen.

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Neue Ortsteile bleiben außen vor

Eine Anbindung der „neuen“ Ortsteile ist im neuen Nahverkehrsplan weiterhin nicht vorgesehen. Geplant ist zudem, perspektivisch die Anzahl der Stadtverkehrslinien von vier auf drei zu reduzieren (Döbelner Anzeiger berichtete). Im Plan wird das als Verbesserung dargestellt, weil die bisher verschachtelten Linien – auch durch den Bau der Brücke Schillerstraße – übersichtlicher werden.

Trotz der Reduktion der Linienanzahl sei damit keine Kürzung des Angebots verbunden, steht im Nahverkehrsplan. Aber das ist eine geschönte Darstellung der Wirklichkeit. Denn das Wohngebiet Döbeln Ost I und das Wohngebiet Sörmitzer Au würden nach diesen Plänen von den Stadtbussen gar nicht bedient.

Bisher zwei Haltestellen in Ost I

Bisher ist das anders. Der Stadtverkehr A dreht eine Runde durch das Wohngebiet Ost I und steuert dabei gleich zwei Haltestellen an der Blumenstraße und an der Käthe-Kollwitz-Straße an. Außerdem wird auch das Wohngebiet Sörmitzer Au mit einer Haltestelle an der Ahornstraße bedient. Zudem hält der Stadtverkehr B, neben verschiedenen anderen Buslinien, am Oberfriedhof. Alle vier Bushaltestellen werden nach den Plänen in Zukunft gar nicht mehr vom Stadtverkehr angefahren.

Drei Buslinien statt vier

Was sieht der neue Nahverkehrsplan vor? Der östliche Bereich von Döbeln wird weiter durch den Stadtverkehr A bedient. Die Busse pendeln dann aber zwischen dem Döbelner Gewerbegebiet und der Zschepplitzer Straße. Allerdings fährt der Bus nur noch über die Unnaer Straße in Döbeln Ost II und lässt Döbeln Ost I komplett „links liegen“.

Der Busverkehr B soll zwischen Ebersbach und Masten verkehren. Immer mit dem Busbahnhof als zentralem Anlaufpunkt.

Die Buslinie C verläuft zwischen Gärtitz und dem Hauptbahnhof und bedient damit auch das Wohngebiet Döbeln Nord. Perspektivisch könnte die Linie bis zu Karls Erlebnisdorf an der B 169 erweitert werden.

Neugreußnig würde nach diesen Plänen künftig nur noch durch die Plusbus-Linie nach Freiberg und nicht mehr durch die Linie D bedient. Die Ortsteile Simselwitz, Schallhausen und Meila profitieren von der Plusbus-Linie Döbeln-Meißen.

Stadt will keine Reduzierung

Im Frühjahr hatte die Stadt eine Stellungnahme zu dem Nahverkehrsplan abgegeben, wie Baudezernent Thomas Hanns sagte. „Wir wollen keine Reduzierung. Wir haben auch die Hinweise der Ortschaftsräte weitegegeben. Wir haben auf alle Probleme hingewiesen, die wir da rausgelesen haben“, so Hanns.

Auch technisch weist die neue Planung Ungereimtheiten auf. In Gärtitz sollte der Bus demnach über den Gartenweg fahren. „Der ist dafür viel zu schmal“, sagte Hanns. Auch soll die Linie B künftig in Ebersbach Am Rosenbeet enden. Dort gibt es aber gar keine Wendestelle, noch den Platz dafür.

Verkehrsplan noch nicht genehmigt

Wie der VMS auf Anfrage mitteilte, ist der Entwurf des Nahverkehrsplans derzeit bei der Landesdirektion Sachsen zur Genehmigung. Für die Entwicklung des Busverkehrs sei der Landkreis Mittelsachsen verantwortlich.

Von dort kamen auf sehr konkrete Fragen des Döbelner Anzeigers nur sehr schwammige Antworten. „Die Beförderungsleistungen in Döbeln sollen grundsätzlich in Summe (unter dem Finanzierungsvorbehalt) aufrechterhalten und ohne Angebotskürzungen übersichtlicher für den Fahrgast strukturiert werden“, formulierte Pressesprecher André Kaiser.

Beratungen mit der Stadt geplant

Hinsichtlich der Detailplanung und der Umsetzungsschritte für den Stadtverkehr seien in Kürze Arbeitsberatungen mit der Stadtverwaltung Döbeln vorgesehen.

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2016 hatte es die vorerst letzten Veränderungen am Döbelner Stadtverkehr gegeben. Damals wurden nicht nur die neuen Stadtbusse eingeführt, sondern die Linien besser aufeinander abgestimmt. Dabei wurde der Busbahnhof zum „Rendezvous-Punkt“, an dem alle Linien aufeinandertreffen. Laut Landratsamt gab es seit 2016 eine Nachfragesteigerung von fast 17 Prozent beim Döbelner Stadtverkehr.

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