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Döbeln: Partzsch lässt die Teilchen sausen

Der Elektromaschinenbauer sucht sich immer mal ein neues Produktionsfeld. Jetzt für Medizinanwendungen.

Geschäftsführer Tomas Götze (links) und der FDP-Bundestagsabgeordnete Torsten Herbst stehen an einem Elektromotor, der bei Partzsch überholt wird.
Geschäftsführer Tomas Götze (links) und der FDP-Bundestagsabgeordnete Torsten Herbst stehen an einem Elektromotor, der bei Partzsch überholt wird. © Lars Halbauer

Döbeln. Die Firma Partzsch ist mit Elektromotoren und Generatoren groß geworden. Was nicht heißt, dass sie nicht auch mal etwas Neues ausprobiert. Einige Hoffnungen verknüpft die Firma mit einem vergleichsweise kleinen Produkt: einem wassergekühlten Gehäuse mit vier Spulen. „Das sind Magnete für Teilchenbeschleuniger für medizinische Anwendungen. Die haben wir mit einem Ingenieurbüro in Österreich entwickelt“, sagte Thomas Götze, Geschäftsführer von Partzsch Elektromotoren bei einem Rundgang mit dem sächsischen FDP-Bundestagsabgeordneten Torsten Herbst.

„Darin sehen wir eine Zukunftschance. Dafür braucht man Know-how, das kann nicht jeder.“ Der Markt für Magneten für Teilchenbeschleuniger sei vergleichsweise klein. „Wir werden sehen, ob wir da einen Fuß in die Türe bekommen“, sagte Götze.

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Zu den neusten Produkten gehören Elektromagnete für Teilchenbeschleuniger, an denen Kenny Schmidt arbeitet. Sie werden für Medizintechnik gebraucht.
Zu den neusten Produkten gehören Elektromagnete für Teilchenbeschleuniger, an denen Kenny Schmidt arbeitet. Sie werden für Medizintechnik gebraucht. © Lars Halbauer

Das „kann nicht jeder“ wird für die Unternehmensgruppe in Zukunft immer wichtiger werden. Auf einen Zukunftsmarkt, der sich auftun wird, setzt das Unternehmen deshalb gar keine Hoffnungen: auf den für Motoren für Elektrofahrzeuge. „Dafür eine Fertigungsstrecke aufzustellen und dann geht die Produktion nach einem Jahr ins Ausland – das macht keinen Sinn“, sagte der Geschäftsführer.

Auch im ureigensten Betätigungsfeld der Firma, der Herstellung und Reparatur von mittleren und großen Elektromotoren und Generatoren bis über 100 Tonnen Gewicht, bekommt die Firma den Preisdruck aus Osteuropa und Asien zu spüren. „Firmen aus China und Indien können die Maschinen zu einem Preis anbieten, für den wir das Material kaufen. Da fragt man sich, ob das subventioniert wird“, sagte Götze.

Besser als der Wettbewerber

„Die Frage ist, akzeptiert der Kunde einen etwas höheren Preis für Maschinen Made in Germany, die einen höheren Wirkungsgrad haben und wartungsärmer sind. Da stehen wir noch über den Wettbewerbern“, sagte Götze.

Auch individuelle Lösungen und Servicepakete sollen die Kunden überzeugen. „Bei kleinen Serien sind wir oft schneller als der Wettbewerber. Trotzdem sind solche kleinen Serien schnell nach Osteuropa verlegt“, sagte Götze.

Mehr Eigenentwicklungen

In den 1990er und 2000er-Jahren war Partzsch als „verlängerte Werkbank“ von namhaften Herstellern großgeworden. Mit Eigenentwicklungen versucht die Firma, davon immer mehr wegzukommen. Etwa 50 Prozent der Fertigung erfolge noch als Auftragsarbeiten anderer Hersteller, sagte Götze.

Im vergangenen Jahr hatte die Firma mit der Produktion ihres größten bis dahin selbst entwickelten Generators begonnen. Mit solchen Maschinen will sich die Firma eine Nische im Markt erschließen. „Da läuft eine stabile Produktion, aber es könnte mehr sein“, sagte Götze. Durch Corona und die relativ hohen Materialpreise sei die Nachfrage nicht so groß wie erhofft.

Problem: Schlechtes Datennetz

Die Fertigungstiefe der Firma ist traditionell hoch. Selbst die Drähte stellt die Gruppe in ihrem Werk in Ossig selbst her. Die Fertigung läuft weitgehend automatisiert. 40 Prozent werden für den eigenen Bedarf gebraucht, 60 Prozent werden verkauft.

Ein Problem, so Götze, sei die mangelhafte Anbindung des Betriebs in Ossig ans Datennetz. Die Fertigung sei am meisten von allen Bereichen digitalisiert und die Server stehen in Döbeln. Ein Problem seien die Entstörzeiten. „Wenn dort die Produktion eine Stunde steht, dann kostet das eine Menge Geld.“

Handarbeiter gesucht

Die Partzsch-Gruppe ist trotz ihrer 700 Mitarbeiter, davon rund 330 in Döbeln, Handwerksbetrieb geblieben. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Nur wenige Arbeitsschritte, wie das Isolieren der Wicklungen, wird von einem Roboter erledigt. Eine Schwierigkeit sei, junge Menschen die Handarbeit attraktiv zu machen und Lehrlinge zu finden. „Es kann nicht jeder Manager oder Influencer werden. Da haben manche Jugendliche vielleicht eine falsche Vorstellung vom Berufsleben“, sagte Götze.

Die Schulen seien nicht nur wichtig, gute gebildete junge Leute ins Leben zu entlassen, sondern auch für die Berufsorientierung. Es gebe da unterschiedlich gute Zusammenarbeit mit den Schulen, so Götze. „Das hängt auch stark vom Lehrer ab.“

Auch Messen nutzt die Firma, um Nachwuchs zu gewinnen. Im vergangenen Jahr hatten zwölf junge Leute im technischen und Verwaltungsbereich ihre Ausbildung begonnen, in diesem Jahr werden es acht oder neun sein.

Mehr Klarheit in der Pandemie

Die Corona-Pandemie hatte dem Betrieb und den Mitarbeitern einiges abgefordert, vor allem die Sicherstellung der Kinderbetreuung zu Hause und das Homeoffice. Götze hätte sich mehr Klarheit in der Kommunikation vonseiten der Behörden gewünscht. „Zum Beispiel sollten wir testen, ohne dass gesagt wurde, wo wir die Testsets herbekommen. Das hätte alles stringenter formuliert sein können, es gab da viel Interpretationsspielraum. Ich hoffe für die Zukunft auf mehr Klarheit und dass man nicht so tut, als sei man von der Entwicklung völlig überrascht worden.“

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