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Döbeln: Physiklehrer sind „Mangelware“

Deshalb fällt Unterricht aus oder die Stundenzahl wird gekürzt. Und es könnte noch schlimmer kommen.

Vor allem an den Gymnasien fehlen in den Fächern Physik und Mathematik Lehrer. Die Stellen sind ausgeschrieben, aber es gibt keine Bewerber.
Vor allem an den Gymnasien fehlen in den Fächern Physik und Mathematik Lehrer. Die Stellen sind ausgeschrieben, aber es gibt keine Bewerber. © Symbolfoto: dpa-Zentralbild

Region Döbeln. Zum Schuljahresbeginn sind in den Schulen des Landkreises Mittelsachsen 60 Lehrer eingestellt worden. Dennoch konnten einzelne Stellen aufgrund fehlender Bewerber und Absagen nicht besetzt werden, teilt das Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) auf Nachfrage des Döbelner Anzeigers mit. Besonders bei den Gymnasien sei ein Abwärtstrend bei den Bewerbern spürbar. Hier sind noch neun Stellen vakant.

Allein am Döbelner Lessing-Gymnasium waren fünf Stellen ausgeschrieben. „Für die Fächer Deutsch, Englisch und Kunst haben wir drei Lehrer eingestellt“, sagt Schulleiter Michael Höhme. Eine junge Lehrerin erwarte inzwischen Nachwuchs und dürfe aufgrund der Pandemie keinen Präsenzunterricht halten. Die Stelle des Mathe-Physik-Lehrers sei unbesetzt geblieben und weiter ausgeschrieben.

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Fach Technik und Computer komplett gestrichen

Zwar könne die Mehrzahl der wöchentlichen Unterrichtsstunden abgesichert werden. Aber zwangsläufig gebe es Einschränkungen. „Der Physikunterricht in den sechsten, siebten und achten Klassen läuft nur mit einer statt zwei Stunden pro Woche“, so Höhme.

Das Fach Technik und Computer (TC) wurde für die Fünft- und Sechstklässler komplett gestrichen, damit die Lehrer an anderer Stelle eingesetzt werden können. Gerade für die Fünftklässler wäre dieser Unterricht wichtig, damit sie den Umgang mit der Internetplattform Lernsax kennenlernen. Deshalb bieten im Lessing-Gymnasium zwei Bundesfreiwillige eine Computer AG an.

Reserven fast ausgeschöpft

Bei den 1.180 Unterrichtsstunden, die wöchentlich am Döbelner Gymnasium gehalten werden, erscheinen die 20 Fehlstunden wenig. „Die Situation spitzt sich aber durchaus weiter zu“, meint Höhme. Da alle Schulen ähnliche Probleme hätten, gebe es in Sachsen keinen funktionierenden Vertretungsmarkt mehr. Außerdem würden in den kommenden fünf Jahren viele ältere Lehrer, die die Fächer Mathematik und Physik unterrichten, in den Ruhestand gehen.

Am Lessing-Gymnasium betreffe das in den Problemfächern fünf bis sechs Lehrer. „Ich frage mich mit Sorge, ob wir dafür Ersatz bekommen“, sagt der Schulleiter. Es seien fast keine Reserven mehr vorhanden. Die letzte Konsequenz sei: Was nicht bedient werden kann, fällt aus.

Wie viele Lehrer in den kommenden Jahren das Rentenalter erreichen, kann das Lasub nicht beantworten. „Das reguläre Renteneintrittsalter ist nur eine bedingte Orientierung. So kann die Tätigkeit als Lehrkraft auch über diesen Termin hinaus freiwillig verlängert oder gar vor diesem Zeitpunkt im Rahmen einer vorgezogenen Rente beendet werden“, heißt es in der Begründung.

Informatikkurse zusammengelegt

Auch am Martin-Luther-Gymnasium Hartha besteht das Problem der fehlenden Mathe-Physik-Lehrer. „Bei den siebten Klassen haben wir die Wochenstunden von zwei auf eine gekürzt und in einer der drei zehnten Klassen wird eine Stunde weniger unterrichtet. Das wechselt im Laufe des Schuljahres mit den beiden anderen Klassen“, erklärt Schulleiterin Heike Geißler die Situation. Durch eine Langzeiterkrankung fehlten 26 Stunden Mathe und Physik pro Woche.

Im September sei diese Lücke mit einer Vertretung überbrückt worden. Ab November werden zwei Stundenten in den Fächern Nachhilfe anbieten. Das Gymnasium versuche die Situation durch hausinterne Umstrukturierungen zu entschärfen.

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Derzeit könne das naturwissenschaftliche Profil nicht bedient werden. Die Lehrer übernehmen Mathe- und Physikstunden. Zudem wurden die Informatikkurse zusammengelegt. Von den Regelungen seien die fünften bis zehnten Klassen jedoch nicht die elften und zwölften Klassen betroffen.

Anreize locken nicht alle

„Wir versuchen, den Ausfall so gering wie möglich zu halten“, sagt Heike Geißler. Einige Lehrer hätten in diesem Zusammenhang ihre Verträge geändert und aufgestockt. „Dafür bin ich sehr dankbar“, so die Schulleiterin.

Mit unbesetzten Stellen kämpfen in Mittelsachsen nicht nur die Gymnasien, sondern auch die Grund-, Oberschule und Berufsschulen. „Insgesamt ist zu konstatieren, dass trotz der geschaffenen Anreize im Freistaat Sachsen wie Verbeamtung, Anwärtersonderzuschlag oder Gewinnungszulage, die durchaus ihre Wirkung zeigen, die Einstellungsmöglichkeiten zur Bedarfsabdeckung mangels Bewerbungen nicht ausgeschöpft werden konnten“, teilt das Landesamt für Schule und Bildung mit.

Positiv sei aber, dass es inzwischen gelinge, Bewerber aus Leipzig für eine Tätigkeit an Schulen in der Region um Rochlitz, Döbeln und Hartha zu gewinnen.

Studenten wollen in die Großstadt

Die Gründe für die fehlenden Lehrkräfte seien sehr unterschiedlich. Neben der Altersstruktur der Lehrkräfte sei ein wesentlicher Faktor, dass im Gegensatz zu Dresden und Leipzig in Chemnitz nur ein Studium für das Lehramt Grundschule an der TU Chemnitz möglich ist.

Die Erfahrungen hätten gezeigt, dass aber bereits in der Studienzeit eine regionale Bindung der Studierenden erfolgt. Dies habe sich auch für die Grundschul-Lehramtsstudenten in Chemnitz bestätigt. Sie würden sich mehrheitlich um eine Einstellung in der Region Chemnitz und Zwickau bewerben.

Außerdem seien in den vergangenen Jahren vielen Seiteneinsteigern Einstellungsangebote unterbreitet worden. „Allerdings wird die Anzahl der Bewerber, die die Einstellungskriterien wie beispielsweise ein abgeschlossenes Hochschulstudium möglichst mit Fachanerkennung erfüllen, immer geringer“, so das Lasub.

An acht Schulen fehlen auch die Schulleiter

In Mittelsachsen fehlen aber nicht nur Lehrer, sondern auch Schulleiter. An den Grundschulen Gersdorf, Reinsberg, Mulda und sowie am Städtischen Gymnasium Mittweida laufen derzeit noch die Schulleiter-Besetzungsverfahren. An der Grundschule Niederschöna ist eine Ausschreibung vorgesehen und für die Grundschule Tiefenbach erneut geplant.

An der Grundschule Grünlichtenberg werde sich die Situation voraussichtlich im zweiten Schulhalbjahr entspannen und an der Silbermann-Grundschule in Freiberg gibt es interne Prozesse, sodass zu dieser Schule derzeit keine Aussage möglich sei, so das Landesamt für Schule und Bildung .

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