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Döbeln: Psychiatrische Praxis wieder besetzt

Ein Jahr lang fehlte im Versorgungszentrum des Edia.med ein Facharzt. Jetzt behandelt Carsten Bölke die Patienten.

Carsten Bölke, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, behandelt mit seinem Team im Versorgungszentrum der Edia.med an der Bahnhofstraße Patienten mit psychischen Erkrankungen. Die Stelle war ein Jahr unbesetzt.
Carsten Bölke, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, behandelt mit seinem Team im Versorgungszentrum der Edia.med an der Bahnhofstraße Patienten mit psychischen Erkrankungen. Die Stelle war ein Jahr unbesetzt. © Dietmar Thomas

Döbeln. Ein Jahr lang war sie geschlossen. Im Januar hat die psychiatrische Facharztpraxis des ambulanten Versorgungsnetzwerkes Edia.med in Döbeln seine Arbeit wieder aufgenommen. An einem anderen Standort und mit einem neuen Arzt. Der 41 Jahre alte Psychiater Carsten Bölke behandelt die Patienten mit seinem Team. Dem Versorgungsnetzwerk Edia.med gehören zahlreiche Medizinische Versorgungszentren (MVZ) in Sachsen an, es ist ein Teil des deutschlandweiten Agaplesion-Verbundes christlicher Gesundheitseinrichtungen.

Die psychiatrische Facharztpraxis hat in der Bahnhofstraße 31 ihren Sitz. Damit befinde sie sich in der Nähe zur Psychiatrischen Institutsambulanz und Tagesklinik des Fachkrankenhauses Bethanien Hochweitzschen, das ebenfalls zum Agaplesion-Verbund gehört, teilt Edia-med in einer Presseerklärung mit. Die Arztpraxis habe ein Jahr geschlossen bleiben müssen, weil sie vorübergehend nicht besetzt werden konnte. Mit Carsten Bölke sei nun wieder die notwendige medizinische Expertise für die ambulante Versorgung verfügbar.

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Praxis schließt eine Lücke

Bölke ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie. Die neue Praxis an der Bahnhofstraße, die in Nähe des Hauptbahnhofes liegt, sei auch für Patienten gut zu erreichen, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen. „Es gibt bei uns keine Bedingungen. Wer zu uns kommt, wird behandelt. Nur eine Bedingung gilt: Gewalt bleibt draußen“, sagte Bölke.

Edia.med schließt damit eine vorhandene Lücke. Denn der Bedarf an psychiatrischen Behandlungen ist groß, wie Bölke sagte. Nach Döbeln kommen auch Patienten aus besonders strukturschwachen Regionen wie Freiberg. Besonders neu erkrankte Patienten seien oft nicht gut versorgt, weil sie noch keinen Facharzt haben. In diesem Falle springen Kliniken und die Hausärzte ein. „Auch ein Hausarzt kann eine gute Versorgung des Patienten absichern, aber irgendwann braucht er einen Facharzt als Ansprechpartner“, so Bölke. Um endlich adäquat versorgt werden zu können, würde manche Patienten weite Wege in Kauf nehmen. „Daran sieht man, wie groß der Bedarf besonders in den ländlichen Bereichen ist.“

Corona setzt Menschen psychisch zu

In Corona-Zeiten nimmt die Zahl der Menschen mit psychiatrischen Problemen zu. Ein großes Problem sei, dass die Menschen von ihren sozialen Kontakten, auch ihren Selbsthilfegruppen, abgeschnitten sind. Zu Hause zu bleiben, die Mehrfachbelastung mit Homeschooling und Homeoffice belasteten manche Menschen. Auch die Gewalt in den Familien nehme unter diesen Umständen zu. „Vor allem auch sehr junge Menschen mit 17, 18 oder 19 Jahren kommen mit der Situation nicht zurecht. Es fehlt der soziale Rückhalt“, sagte der Facharzt. Schon vorhandene Symptome einer psychischen Erkrankung könnten sich unter diesen Umständen verstärken.

Größeres Leistungsspektrum

Durch den personellen Wechsel erweitere sich das Leistungsspektrum der Facharztpraxis in Döbeln, so Edia.med in der Pressemitteilung. Carsten Bölke und sein Praxisteam behandeln neben krankhaften Stimmungsstörungen wie etwa Depressionen, auch Angst- und Zwangsstörungen, Suchterkrankungen, Psychosen und gerontopsychiatrische Erkrankungen sowie Ess-, Schmerz- und Schlafstörungen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Früherkennung psychischer Störungen und Belastungen sowie die akute Krisenintervention in belastenden Lebenssituationen.

Neben der ärztlich-psychiatrischen Behandlung werde in den neuen Praxisräumen auch eine ärztlich-psychotherapeutische Behandlung als verhaltenstherapeutische Einzelbehandlung angeboten. Zusätzlich werden zur Unterstützung der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung Gruppentherapien durchgeführt.

Vier Nervenärzte in der Region Döbeln

Nach den Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung waren Mitte vergangenen Jahres in der Region Döbeln für rund 63.000 Einwohner vier Nervenärzte für die fachärztliche Versorgung zuständig – ein niedergelassener und drei angestellte Ärzte. Zu den Nervenärzten zählen in dieser Statistik nicht nur die Psychiater, sondern auch Neurologen. Der Versorgungsgrad bezogen auf die Bevölkerung habe damit bei 130 Prozent gelegen, im Vorjahr sogar bei 192 Prozent.

Schlechter sieht es in anderen Regionen aus, etwa in Freiberg. Dort waren im vergangenen Jahr nur fünf Nervenärzte für rund 130.000 Einwohner zuständig. Zwei Stellen waren nicht besetzt. Die Region gilt mit einem Versorgungsgrad von 80 Prozent als unterversorgt.

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