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Döbeln: Angst vor der Schweinepest steigt

Landwirte in der Region Döbeln bekommen ihre Tiere nicht mehr los. Der Fleischpreis ist im Tief. So ist die aktuelle Situation.

Die Afrikanische Schweinepest ist erstmals in Deutschland nachgewiesen worden. In der Region Döbeln haben Landwirte Respekt vor dem Virus.
Die Afrikanische Schweinepest ist erstmals in Deutschland nachgewiesen worden. In der Region Döbeln haben Landwirte Respekt vor dem Virus. © dpa

Region Döbeln. Die Afrikanische Schweinepest (ASP) rückt näher an die sächsischen Landwirtschaftsbetriebe. Nachdem es in Polen zahlreiche Fälle der Seuche, die zwar für Menschen ungefährlich, aber das Tier tödlich ist, gab, wurden ebenfalls Schweine in Brandenburg mit dem Virus aufgefunden. Vor allem der Kreis Spree-Neiße sei betroffen. Nun befürchten auch die Betriebe in der Region Döbeln ein Überschwappen auf Sachsen. Doch sich davor zu schützen geht nur begrenzt.

Das sagt zumindest Marie Grahl von der Landwirtschaft Gröbner aus dem Döbelner Ortsteil Zschäschütz. Ihrer Auffassung nach, könne der Betrieb nur eines: Vorsichtig sein. „Es muss kontrolliert werden, dass der Zaun rund um die Anlage intakt ist, es keine Schlupflöcher gibt und vor allem die Tore geschlossen halten werden“, sagt die Geschäftsführerin und Verantwortliche für die Schweinehaltung. 

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„Doch viel wichtiger ist es, dass der Staat rechtzeitig und vor allem schnell reagiert.“ So könne es beispielsweise nicht sein, dass ein Verdachtsfall in Brandenburg an einem Donnerstag gemeldet und erst am Montag darauf reagiert wird. 

Sachsen sollte sich laut Grahl ein Vorbild an seinem Nachbarn Tschechien nehmen, wo sofort das betroffene Gebiet eingezäunt und intensiv gejagt wird. Anders sieht das im Nachbarland Polen aus.

Notfallplan für Ausbruch der Schweinepest in Sachsen

Insgesamt wurden dort in diesem Jahr bereits 3.139 infizierte Wildschweine und 87 positiv getestete Hausschweine registriert. „Die letzten Fälle waren nur 30 bis 40 Kilometer von Sachsen entfernt“, sagte Sozialministerin Petra Köpping (SPD) am Mittwoch. 

Sie geht davon aus, dass besonders im Herbst noch mehr Fälle von Afrikanischer Schweinepest entdeckt werden, vor allem durch Kadaverfunde von Wanderern und Pilzsammlern, die aktuell vermehrt in sächsischen Wäldern unterwegs sind.

Nach dem Fund eines toten Wildschweins am 11. September am Chemnitztal-Radweg gingen die Einsatzkräfte und das Gesundheitsamt zunächst von einer Infektion aus. In der vergangenen Woche konnte jedoch die Landesuntersuchungsanstalt Entwarnung geben: Das Tier war nicht mit der Afrikanischen Schweinepest infiziert.

Im Landkreis Görlitz wurde Anfang des Jahres auf die Bedrohung durch die Schweinepest aus Polen reagiert und eine Wildschweinbarriere an der Neiße errichtet.
Im Landkreis Görlitz wurde Anfang des Jahres auf die Bedrohung durch die Schweinepest aus Polen reagiert und eine Wildschweinbarriere an der Neiße errichtet. © Archiv/André Schulze

Trotzdem hat die Landesregierung nun einen konkreten Notfallplan erarbeitet - und trifft weitere Vorsichtsmaßnahmen. Köpping zufolge hat der Freistaat einen zusätzlichen 50 Kilometer langen Zaun beschafft, der schnell rund um eine Gefahrenzone errichtet werden kann. 

Bisher besteht bereits ein 128 Kilometer langer Elektrozaun, nahezu an der gesamten sächsisch-polnischen Grenze, der im März fertiggestellt wurde.

Erst Bestätigung, dann erste Maßnahmen zur Eingrenzung

Ob das die ASP von den mittelsächsischen Landwirten fernhält, ist abzuwarten. Das Staatsministerium für Soziales und Gesellschaftlichen Zusammenhalt, das ebenso wie auf das Coronavirus nun auch auf die ASP ein intensives Auge haben muss, gibt folgende Hinweise: 

„Sächsische Schweinehalter sind aufgerufen, weiterhin besonders auf die Biosicherheitsmaßnahmen in ihren Stallungen zu achten. Beim Bezug von Futtermitteln und Einstreu ist auf hygienisch einwandfreie und in Bezug auf die Afrikanische Schweinepest sichere Herkunft zu achten. Das Verfüttern von Speiseabfällen an Schweine ist verboten.“ Besonders richte sich dieser Appell auch an Hobbyhalter, wie Pressereferentin Theresa Schmotz mitteilt.

Sollte es einen Verdacht auf die Schweinepest geben, dann müsse umgehend das zuständige Lebensmittelüberwachungs- und Veterinäramt (LÜVA) verständigt werden. „Dort wird entschieden wie und welche Proben genommen werden müssen“, so Schmotz. „Wenn der Verdacht auf ASP durch bestätigt wurde, wird beim Erstfall eine Probe zum nationalen Referenzlabor – dem Friedrich-Löffler-Institut – zur Bestätigung des Befundes versendet.“ 

Erst mit Bestätigung des Befundes ist im Tierseuchenrecht ein Ausbruch definiert. Danach würden die gesetzlichen Regelungen der Schweinepest-Verordnung greifen. Bis hin zu diesem Ergebnis könnte es durchaus ein bis zwei Tage dauern.

"Schweine sind kein Lagerprodukt"

Doch Fakt ist derzeit eins: Nicht unbedingt die Ausbreitung des Virus macht den Landwirten derzeit Probleme, sondern vor allem der Export-Stopp für einige asiatische Länder. Der Fleischpreis ist im Tief und die Besitzer bekommen ihre Tiere nicht los. Denn auch die Schlachtbetriebe nehmen weniger Schweine als bislang. 

„Morgens weißt du noch nicht, ob nachmittags alle Tiere weggehen“, erklärt Marie Grahl die aktuelle Situation. Das führt zu Problemen im Stall. Denn es folgen immer mehr Tiere, doch der Platz wird eng. „Die Schweine sind kein Lagerprodukt. Wir können sie nicht ewig behalten. Und sie an Externe zu verkaufen ist auch schwierig.“

Derzeit laufe der Betrieb noch mehr oder weniger. Doch wie es in den kommenden Wochen wird, kann derzeit noch keiner sagen. Der Verband der Fleischwirtschaft steht derzeit zusammen mit der Bundesregierung in Kontakt zu China, dem Haupt-Kunden für Schweinefleisch. 

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