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Corona – und jetzt kommt der Winter

Seit Januar gibt es bei Gastronomen 60 Prozent Umsatzrückgang. Bald kommt die Kälte. Wie können die Restaurants reagieren?

Markus Weinert vom Sonnenhof in Ossig bei Roßwein ist positiv gestimmt. Die Gästezahlen nehmen allmählich wieder zu. Um große Gruppen auch draußen zu bedienen, hat er sich drei große Zelte angeschafft.
Markus Weinert vom Sonnenhof in Ossig bei Roßwein ist positiv gestimmt. Die Gästezahlen nehmen allmählich wieder zu. Um große Gruppen auch draußen zu bedienen, hat er sich drei große Zelte angeschafft. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Der Sommer geht langsam zu Ende und die Temperaturen gehen allmählich zurück. Doch was bleibt: das Coronavirus. Und genau das macht den Gastronomen auch weiter zu schaffen. Denn ihre Gäste wollen zurzeit vor allem lieber im Außenbereich sitzen. Doch wie soll es im Herbst und Winter weitergehen, wenn es immer ungemütlicher draußen wird?

Die Frage beschäftigt derzeit alle Gastronomen. Schon jetzt steigen die Infektionszahlen, das Robert-Koch-Institut warnt vor Menschenansammlungen in geschlossenen Räumen. Immer mehr Corona-Infektionen gehen ebenso auf Ausbrüche in Gaststätten zurück. 

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Im Herbst und Winter dürfte sich die Situation nur verschärfen. Nach einer aktuellen Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) bangen 60 Prozent der Betriebe in der Branche um ihre Existenz.

Ganz so schlimm ist es bei Markus Weinert im Landhotel Sonnenhof Ossig bei Roßwein nicht. Wie er erzählt, habe er zwar aufgrund von Corona drei Monate vollständig schließen müssen, doch mittlerweile seien die Reservierungen für Hotel und Gastronomie wieder gestiegen. 

„Erst am letzten Wochenende hatten wir wieder eine große Hochzeit, in den kommenden Wochen folgen Veranstaltungen auf dem Hof“, sagt Weinert. Auch die Tagungsgäste würden wieder vermehrt kommen und das Hotel teilweise komplett ausbuchen. „Doch wir brauchen uns nichts vorzumachen, das Weihnachtsgeschäft wird ein anderes sein, als die Jahre zuvor.“

"Größte Krise der Nachkriegszeit"

Mehrere tausend Euro Umsatz sind ihm in den Corona-Monaten verloren gegangen. Keinen Cent habe er von den Staatshilfen bekommen, selbst auf das Kurzarbeitergeld musste Weinert knapp zweieinhalb Monate waren. Und nun im Winter wird es nicht deutlich besser. 

Doch das Team vom Landhotel hat vorgesorgt: Drei Pagoden-Zelte wurden im Innenhof aufgebaut, die bei Bedarf auch beheizt werden können. „Doch im Normalfall werden wir das nicht tun. Die Innenräume sind groß genug, um den Mindestabstand zwischen den Gästen locker einzuhalten“, so der Hotelier und Gastronom.

Der coronabedingte Lockdown im Frühjahr hat nicht nur in Roßwein riesige Löcher in die Bilanzen gerissen, sondern bundesweit sind Gastronomen und Hoteliers betroffen. Von Januar bis Juli beklagen die Betriebe laut der aktuellen Dehoga-Umfrage durchschnittliche Umsatzverluste in Höhe von etwa 60 Prozent. 

Bezogen auf das Gesamtjahr rechnen die Betriebe mit Umsatzverlusten von knapp 50 Prozent. „Die Corona-Pandemie hat das Gastgewerbe in seine größte Krise der Nachkriegszeit gestürzt“, so der Präsident des Verbands Guido Zöllick.

Heizpilze als „Klima-Schädlinge“

Knapp zwei Drittel der deutschen Betriebe geben in der Umfrage an, dass die bisher von Bund und Ländern angebotenen Liquiditätshilfen und Kreditprogramme nicht ausreichten, um die Krise zu bewältigen. „Wir fürchten, dass ein Teil der Betriebe, die schon jetzt in einer prekären Lage sind, im Winter aufgeben müssen“, erklärt Zöllick. 

Ganz so schwarz will Henry Firley vom Waldgasthof „Zur Margarethenmühle“ die aktuelle Situation nicht malen. Die Zahlen würden langsam wieder nach oben gehen, wie er erzählt. „Jetzt läuft der Sommer noch. Das ist ein großer Vorteil.“ Gäste könnten noch ohne Probleme draußen sitzen. Doch selbst wenn es bald in die Innensaison gehen sollte, sei in den vier Räumen des Gasthofes genug Platz.

Heizpilze, wie sie in anderen Städten mittlerweile wieder gefordert und teilweise erlaubt werden, kommen Firley nicht auf den Hof. „Das sind so große Klima-Schädlinge, das geht gar nicht“, meint der Roßweiner. „Wir werden ab und zu ein Holzfeuer machen, aber das ist nicht regelmäßig geplant.“

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Viel Nervenaufreifender vor allem für die Mitarbeiter sei jedoch die Maskenpflicht. Gäste kommen nach Roßwein mittlerweile auch wieder aus anderen Bundesländern, „Wir können nie wissen, ob jemand das Virus mitbringt. Das ist wie ein Leben auf dem Pulverfass“, sagt der Gastronom. „Aber man muss durchhalten und sich nicht von Corona-Leugnern verrückt machen lassen.“

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