merken
PLUS Döbeln

Döbeln: Schnelle Hilfe bei Schlaganfall

Das Klinikum Döbeln hat sich einem Netzwerk angeschlossen. Ein Computer unterstützt bei der Behandlung der Patienten.

Chefarzt Dr. med. Roland Pfützer (rechts) und Matthias Richter, Leiter der Notaufnahme erklären an einem neuen Gerät im Klinikum Döbeln die telemedizinische Behandlung von Schlaganfall-Patienten.
Chefarzt Dr. med. Roland Pfützer (rechts) und Matthias Richter, Leiter der Notaufnahme erklären an einem neuen Gerät im Klinikum Döbeln die telemedizinische Behandlung von Schlaganfall-Patienten. © Dietmar Thomas

Döbeln. Das neue Gerät in der Notaufnahme des Döbelner Klinikums wirkt auf den ersten Blick unscheinbar – ein Computer mit einer Kamera. Aber der kann Leben retten.

Rund 40.000 Euro hat das Krankenhaus in das Gerät investiert. Das wurde speziell für Schlaganfall-Patienten angeschafft. Etwa hundert Fälle werden jährlich stationär in Döbeln behandelt, andere in das Klinikum St. Georg in Leipzig oder das Fachkrankenhaus Hubertusburg in Wermsdorf verlegt.

Stars im Strampler aus Döbeln
Stars im Strampler aus Döbeln

Hier werden Fotos von Neugeborenen gezeigt, die aus Döbeln oder aus der Region kommen. Vielleicht ist auch Ihr Bild bald dabei?

Jetzt wurde das Klinikum Döbeln in das Telemedizinische Schlaganfallnetzwerk Nordwestsachsen (Tessa) aufgenommen. Dazu gehören auch die Leipziger und die Wermsdorfer Klinik. „Damit ist es uns ab sofort möglich, rund um die Uhr Patienten mit Schlaganfällen zu behandeln“, erklärt Dr. med. Roland Pfützer, Chefarzt und Facharzt für Innere Medizin sowie Gastroenterologie.

Erste Diagnose per Video

Wird ein Patient mit Verdacht auf einen Schlaganfall in das Döbelner Klinikum eingeliefert, erfolgt zuerst eine Computertomografie (CT). Damit werden das Gehirn und die Versorgung der Arterien abgebildet. Per Computer nehmen die Döbelner Ärzte Verbindung mit den Neurologen in Leipzig oder Wermsdorf auf. 

Denen stehen dann schon die Daten des Patienten zur Verfügung. Und sie können diesen per Video auch sehen. Die Kamera steuern dabei nicht die Döbelner sondern die Wermsdorfer oder Leipziger Ärzte.

Gemeinsam falle die Entscheidung, ob der Patient vor Ort behandelt werden kann oder in eine der beiden Kliniken verlegt werden muss. Während der gesamten Zeit wartet der Rettungswagen, der den Patienten gebracht hat, um ihn im Fall des Falles gleich in eines der Krankenhäuser bringen zu können.

Jede Minute zählt

Der Schlaganfall sei ein zeitkritischer Notfall, bei dem jede Minute zählt, so der Chefarzt. Es bestehe ein Zeitfenster von vier bis acht Stunden, in dem mehr zu erreichen sei, als bei einer Standardtherapie.

Beim Schlaganfall wird ein Gefäß, das das Gehirn mit Blut versorgt, durch ein Blutgerinnsel verstopft, die Versorgung also abgeschnitten. „Wenn das Gefäß in den ersten drei bis vier Stunden wieder geöffnet wird, kann der Schlaganfall für den Patienten folgenlos bleiben“, so Pfützer.

Mit gesunder Lebensweise vorbeugen

Anzeichen für einen Schlaganfall sind Lähmungen einzelner Körperteile, Sprachstörungen, plötzlich auftretender Schwindel oder Erinnerungslücken. Ein großes Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, haben Menschen mit hohem Blutdruck, Diabetes und Fettstoffwechselerkrankungen. Eine gesunde Lebensweise mit entsprechender Bewegung und vernünftiger Ernährung könne der Erkrankung vorbeugen.

Die telemedizinische Behandlung sei ein weiterer Baustein, mit dem das Klinikum Döbeln seiner Rolle als Akutklinik im Altkreis Döbeln gerecht werde. Dazu gehören unter anderen bereits die Herzkatheteruntersuchung, Gefäßoperationen an der Hals- und Bauchschlagader, dem Becken und Beingefäßen, Leber- und Pankreasoperationen, Eingriffe an der Schilddrüse, Operationen an Magen, Darm und der Wirbelsäule, der Gelenkersatz und die Fußchirurgie.

Patienten halten sich zurück

Die 210 Betten sind derzeit zu etwa 80 Prozent ausgelastet. Vor Corona waren es rund zehn Prozent mehr. Es sei nach wie vor spürbar, dass die Menschen zurückhaltender sind und bei Erkrankungen nicht zum Arzt gehen. Im Zusammenhang mit der Pandemie werden weiterhin 27 Betten als Infektionsbereich vorgehalten, die bisher aber noch nie benötigt wurden.

Mehr lokale Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Döbeln