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Döbeln: Testen wie am Fließband

Das Drive-in-Zentrum bei Marktkauf hat am Freitag die Arbeit aufgenommen. Auch eine bürokratische Hürde ist jetzt genommen.

Ein Festzeltsegment steht als Überdachung vor dem Containerbau auf dem Parkplatz von Marktkauf. Hier fahren die Probanden mit dem Auto vor. Manche kommen auch zu Fuß.
Ein Festzeltsegment steht als Überdachung vor dem Containerbau auf dem Parkplatz von Marktkauf. Hier fahren die Probanden mit dem Auto vor. Manche kommen auch zu Fuß. © Jens Hoyer

Döbeln. Tag eins an Döbelns erstem Drive-in-Testzentrum. Andreas Schmidt beugt sich im Schutzanzug, mit Schutzhandschuhen, Schutzschirm und Maske zu einem Autofenster herunter. „Hallo, ich brauche ihre Krankenkarte“, sagt er zu dem älteren Ehepaar. Es liest die erste Karte ein und reicht dann einen Plastikbecher mit einer kleinen Papiertüte für die Speichelprobe ins Innere. Dann die zweite Karte, die gleiche Prozedur noch einmal. Die beiden Herrschaften bekommen einen Ausdruck mit einem QR-Code. Nach kurzer Zeit ist alles beendet.

Andreas Schmidt ist eigentlich bei der Firma Döbelner Getränkevertrieb für den Zeltbau zuständig. Und er ist Hygienebeauftragter der Firma, die mit ihren Bier- und Imbisswagen oft bei Festen unterwegs ist. Im vergangenen Jahr hatte er wenig zu tun, erzählt er. Jetzt gibt es wieder Arbeit. Die Firma ist in die Testbranche eingestiegen. Der Bedarf ist groß, wie sich schon am ersten Tag zeigt.

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Krankenkarte nicht vergessen

„Gegen sieben sind die ersten Probanden gekommen. Da hatten wir schon mal eine Eingewöhnungsphase“, sagte Michael Köhler, Geschäftsführer des Unternehmens. Eigentlich öffnet das Testcenter erst um 8 Uhr. „Seitdem läuft es kontinuierlich. Die Leute sind zufrieden. Sie bekommen keinen Stab in die Nase geschoben. Es sollten nur alle daran denken, die Krankenkarte mitzubringen. Es wäre auch einfacher, wenn möglichst alle mit dem Auto kommen würden. Das wäre dann wirklich kontaktlos“, sagte Köhler.

Tatsächlich kommen viele vor allem ältere Leute zu Fuß zum Testcenter. Etliche lassen sich das Ergebnis auch ausdrucken, statt es sich mit dem Smartphone oder per PC aus dem Netz herunterzuladen. Auch Hans Herfurth nutzt diesen Service. „Ich habe gar kein Smartphone. Ich habe mich interessenhalber testen lassen“, sagt er. Die Tests sind kostenlos, für den Ausdruck berechnet das Center aber zwei Euro.

Festzeltausstattung für Testzwecke

Man sieht dem Testzentrum an, womit sich der Betreiber normalerweise beschäftigt. Drucker und Kartenlesegerät stehen auf einem Edelstahltisch, an dem eigentlich Bier ausgeschenkt werden sollte. Die goldglänzenden Bartresen im Inneren des Containerbaus verströmt einen Hauch von Exklusivität. Und am Kühlschrank ist Becks Bierwerbung.

Ein Luftreiniger läuft im Hintergrund. „Wir wollen uns selbst schützen“, sagt Tino Poitzsch, ebenfalls Geschäftsführer der Firma und dort eigentlich für den Veranstaltungsbereich, für Zelte und Zubehör zuständig. Er hat sich mit seinen Mitarbeitern selbst zum Tester schulen lassen.

Gründlich vorbereitet

Im „Labor“ steht an diesem ersten Morgen Jennifer Beer, die eigentlich im Büro Kundenbestellungen entgegennehmen sollte. Jetzt ist sie für die eigentlichen Tests zuständig. Sie holt mit einem kleinen Stäbchen Proben aus den Spucktütchen, schraubt die Stäbchen in das Probenröhrchen, schüttelt. Dann träufelt sie ein paar Tropfen in die Testkassette. Auf dem Tisch liegen davon schon einige. Es dauert eine viertel Stunde, bis das Ergebnis angezeigt wird.

Das Ganze wirkt, als hätten die Tester noch nie etwas anderes gemacht. „Wir haben das gründlich vorbereitet“, sagte Tobias Meier, Vertriebsleiter der Firma. Es gibt mehrere Testteams mit jeweils vier Personen, die sich in der Station ablösen. Wenn der Bedarf groß ist, kann unter dem Vordach auch noch eine zweite Teststelle eingerichtet werden, sagte Meier. Getestet wird jeden Tag von 8 bis 18 Uhr. Am Sonnabend von 11 bis 16 Uhr.

Sechs Testzentren in Döbeln

In Döbeln gibt es mittlerweile sechs Testzentren. Neben der Löwen-Apotheke, der Ginkgo-Apotheke, der Adler-Apotheke und der Apotheke an der Oberbrücke nimmt auch die Stadtverwaltung seit Ende vergangener Woche an drei Tagen kostenlose Tests vor. Im Ratskeller waren bis Donnerstag 308 Personen getestet worden, sagte Oberbürgermeister Sven Liebhauser (CDU). Er begrüßt die Initiative des Getränkevertriebs. „Die Nachfrage wird weiter steigen. Ich rufe alle auf, solche Testmöglichkeiten zu schaffen.“

Hohe Hürde für Betreiber

Ganz einfach wurde es den Betreibern solcher Teststationen allerdings nicht gemacht. Das lag am Abrechnungsverhalten der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen (KVS), wie die Bundestagsabgeordnete Veronika Bellmann (CDU) feststellt. Potenzielle Betreiber aus Döbeln und Mittweida hätten sie darauf hingewiesen. „Das Problem war, dass die Betreiber mit der Finanzierung bisher mindestens ein Quartal in Vorkasse gehen mussten. Das wären bei rund 300 Tests am Tag in einem Monat Kosten von etwa 150.000 Euro und für ein Quartal demzufolge von 450.000 Euro, die vorgestreckt werden müssten. Eine solche Liquidität hat in diesen Zeiten kaum ein Unternehmen“.

Monatliche Abrechnung

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Sie habe daraufhin mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn Kontakt aufgenommen, der auf eine Regelung in der Testverordnung verwies, in der ausdrücklich auf eine monatliche Abrechnung abgestellt wird. „Mit dieser Aussage konfrontierte ich die KVS. Nunmehr kann ich mitteilen, dass sie ab April 2021 die Abrechnung monatlich vornehmen wird. Das hilft den Testzentren sehr, weshalb ich froh bin, dass wir diese bürokratische Hürde beseitigen konnten. Und nun kann es auch in Mittelsachsen heißen: Testen, Testen, Testen!“

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