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Döbeln: Warmes Haus per Anschlusszwang

Im Wohngebiet Walduferviertel probiert die Stadt etwas Neues aus. Dort soll eine zentrale Heizanlage gebaut werden. Das hat Vor- und Nachteile.

Das künftige Wohngebiet Walduferviertel von oben. Hier stand bis Anfang der 1990er-Jahre die Döbelner Zuckerfabrik. Voraussichtlich gegen Ende des Jahres wird mit dem Bau der ersten Häuser begonnen.
Das künftige Wohngebiet Walduferviertel von oben. Hier stand bis Anfang der 1990er-Jahre die Döbelner Zuckerfabrik. Voraussichtlich gegen Ende des Jahres wird mit dem Bau der ersten Häuser begonnen. © Dietmar Thomas

Döbeln. Ein Anschluss und Benutzungszwang ist für Wasser und Abwasser nichts Neues. Die Stadt Döbeln will aber nun auch einen Anschluss- und Benutzungszwang für Heizung und Warmwasserversorgung einführen. Und zwar für das neue Wohngebiet Walduferviertel, das von der Kreissparkasse Döbeln erschlossen wird.

Der Plan: Die Stadtwerke Döbeln werden für das Walduferviertel mit seinen vier Mietshäusern und bis zu 60 Eigenheimen ein zentrales Blockheizkraftwerk auf Gasbasis errichten. Das ist besonders energieeffizient, weil gleichzeitig Wärme und Strom erzeugt werden.

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Im Wohngebiet Walduferviertel können 50 bis 60 Einfamilienhäuser gebaut werden. Außerdem wird die Sparkasse vier Mehrfamilienhäuser mit 28 Wohnungen errichten. Die Fläche beträgt etwa 15 Hektar.

Mit der Nahwärmesatzung verfolgt die Stadt das Ziel der Senkung des Ausstoßes von Kohlendioxid und der Einsparung von fossilen Energieträgern. Neben dem Klimaschutz wird die Luftreinhaltung angestrebt.

Für die Bauherren ergibt sich durch die Satzung das Anschlussrecht an das zentrale Nahwärmenetz, aber auch ein Anschluss- und Benutzungszwang.

Eine Befreiung vom Anschlusszwang kann bei Solarthermie oder vergleichbaren Anlagen ohne Rauch- und Abluftanlagen, bei Heizungsanlagen auf ausschließlicher Basis von erneuerbaren Energien oder Anlagen zur Nutzung von Abwärme erfolgen.

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Der Stadtrat soll am Donnerstag eine entsprechende Nahwärmesatzung für das Gebiet verabschieden. Im Hauptausschuss, wo die Satzung behandelt wurde, habe es vor allem Diskussionen darum gegeben, ob trotzdem Kamine und Öfen zulässig sind, sagte Oberbürgermeister Sven Liebhauser (CDU). In der Satzung sind Kamine und Kachelöfen, die nur mit Holz beheizt werden, ausnahmsweise zugelassen, wenn sie nicht als Hauptenergiequelle zum Beheizen des Hauses genutzt werden.

Nachhaltigkeit und Umweltschutz

Nach Ansicht der Kreissparkasse sind die Grundstücksinteressenten ganz besonders an Nachhaltigkeit und Umweltschutz interessiert. „Sie planen, ein Leben lang im Haus zu wohnen. Da spielen nachhaltige Energien definitiv eine sehr gewichtige Rolle“, sagte Sparkassen-Vorstand Thomas Gogolla.

Zudem lägen die Vorteile einer zentralen Wärmeversorgung auf der Hand. „Im Haus fließt nur noch Warmwasser für Heizungs- und Wasseraufbereitung. Es gibt keinen Rauch, keinen Ruß, keine Abgase oder damit verbundene Gerüche.“ Er wird auch kein Platz für individuelle Heizungen benötigt.

Mehr Vor- als Nachteile

Der Hauseigentümer müsse sich nicht mehr um Kosten der Brennstoffbeschaffung, Kesselwartung, Schornsteinreinigung und Umweltschutzauflagen kümmern, weil dafür die Stadtwerke zuständig sind. Die Technik der Fernwärmeübergabe benötige nur wenig Platz.

Bundesweit gebe es Beispiele für solche zentral beheizten Wohngebiete. Erfahrungen, wie sie bei den möglichen Käufern der Grundstücke ankommen, hat die Sparkasse allerdings noch nicht. „Die Vorteile überwiegen die Nachteile. Und unter allen Energieträgern bietet Fernwärme die höchste Versorgungssicherheit“, sagte der Vorstandsvorsitzende Uwe Krahl.

Satzung gilt nur für Neubauten

In dem Gebiet der früheren Zuckerfabrik, für das die Satzung gelten soll, gibt es schon einige Wohnhäuser und Gewerbe-Immobilien. Für Häuser, die bereits mit einer Heizung ausgerüstet sind, soll der Anschlusszwang laut der neuen Satzung aber nicht bestehen.

Die Stadtwerke betreten mit dem Projekt ebenfalls Neuland. Der Energieversorger hat zwar jahrzehntelange Erfahrung mit Nahwärme in Döbeln Nord, Döbeln Ost und im Stadtzentrum. Aber ein komplettes Eigenheimgebiet hat er noch nicht erschlossen. Rund zwei Millionen Euro sollen in das Projekt gesteckt werden, sagte Stadtwerkechef Gunnar Fehnle.

Hausbesitzer sparen Investitionskosten

In der Heizzentrale werden voraussichtlich zwei Blockheizkraftwerke aufgestellt. Dazu ein sogenannter Spitzenlastkessel, wenn es mal besonders kalt ist. Diese parallelen Strukturen würden zu einer hohen Versorgungssicherheit führen, sagte Fehnle. Der Anschluss rechne sich für die Hausbesitzer. Durch die Bestimmungen der Energieeinsparverordnung seien die Anforderungen und damit die Investitionskosten für individuelle Heizungsanlagen hoch.

Gegen Ende März soll der Stadtrat auch noch einem Erschließungsvertrag der Stadt mit der Sparkasse zustimmen. Die Sparkasse wird das ehemalige Zuckerfabrikgelände erschließen. Die Straßen werden danach an die Stadt übertragen, sagte Liebhauser.

Baubeginn Ende des Jahres

Stadt und Sparkassen hatten einen Bebauungsplan für das Gelände erarbeiten lassen. Wenn dieser Rechtskraft bekommt, will die Sparkasse die nächsten Schritte gehen. Voraussichtlich Ende des Jahres kann dann mit dem Bau einiger Mehrfamilienhäuser begonnen werden, die die Sparkasse selbst errichtet. Der Baubeginn für die Eigenheime sei auch davon abhängig, wie schnell die Erschließungsarbeiten vorankommen, so Gogolla.

Schon viele Reservierungen

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Mit der aktiven Vermarktung der Eigenheimgrundstücke will die Sparkasse noch nicht beginnen, solange nicht alle Vorabstimmungen erfolgt sind. Allerdings sei das Interesse an den Grundstücken groß. Vor allem aus den Großstädten Leipzig, Dresden und Chemnitz. „Viele Interessenten sind aktiv auf uns zugekommen und haben eine Reservierung ihres künftigen Traumgrundstücks vorgenommen. Aktuell bereiten wir mit diesen Interessenten die Planung der künftigen Finanzierungs- und Kaufgespräche vor“, sagte Vorstandschef Krahl.

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