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Döbeln: Wenn ein Zipfel zum Verhängnis wird

Die Stadt wird die Aufnahme ins Förderprogramm „Lebendige Zentren“ neu beantragen. Es geht um viele Millionen Euro in den kommenden Jahren.

Von Jens Hoyer
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Im vergangenen Jahr hatte die Stadt den Verbindungsweg zum Steg bei Kaufland neu gestaltet und auch einen kleinen Spielplatz errichtet. In diesem Bereich überlappen sich zwei Fördergebiete – der Zipfel des Anstoßes.
Im vergangenen Jahr hatte die Stadt den Verbindungsweg zum Steg bei Kaufland neu gestaltet und auch einen kleinen Spielplatz errichtet. In diesem Bereich überlappen sich zwei Fördergebiete – der Zipfel des Anstoßes. © Dietmar Thomas

Döbeln. Döbeln wird im kommenden Jahr kein Geld aus dem Förderprogramm „Lebendige Zentren“ bekommen. Als die Ablehnung des Antrags im Herbst bei der Stadtverwaltung eintraf, war die Enttäuschung und wohl auch der Ärger groß. Denn nur wegen eines unbedeutenden Formfehlers war er nicht bewilligt worden. Die Stadt hatte die komplette Muldeninsel zum Fördergebiet erklärt. Eine schöne abgerundete Struktur.

Allerdings gehört der Verbindungsweg zwischen Fron- und Zwingerstraße bei der Fleischerei Götzel zum fast abgeschlossenen Stadtumbaugebiet Gründerzeitviertel. Die Stadt hatte mit Geld aus dem Förderprogramm im vergangenen Jahr den Weg neu gestalten und einen Spielplatz bauen lassen. Und diese winzige Überlappung der beiden Gebiete wurde nicht akzeptiert.

Formfehler als Grund für Zurückweisung

„Der Zipfel ist uns zum Verhängnis geworden“, sagte Baudezernent Thomas Hanns. „Dass das nicht geht, war uns nicht bewusst. Das ging aus der Ausschreibung auch nicht hervor.“ Hanns vermutet, dass der Formfehler als Grund verwendet wurde, den Döbelner Antrag bei der Fülle von Anträgen zurückzuweisen.

Mittlerweile sind die Irritationen ausgeräumt. Es hatte ein Gespräch mit zuständigen Vertretern des Freistaates gegeben. Die Stadt wird einen neuen Antrag stellen. Diesmal ohne Zipfel. Und gleichzeitig werden auch noch einige der geplanten Maßnahmen, die mit dem Geld realisiert werden sollen, im Antrag „nachgeschärft.“

Gesamtumfang: 7,7 Millionen Euro

Bis Ende Januar soll der zweite Antrag abgegeben werden. Der Stadtrat hat dem Geltungsbereich auf der Muldeninsel ohne „Zipfel“ zugestimmt. Wenn alles gut läuft, steht 2023 das erste Geld zur Verfügung. Insgesamt geht es um 3,8 Millionen Euro Fördermittel, mit denen die Stadt Investitionen im Umfang von rund 7,7 Millionen Euro auf der Liste realisieren will.

Eine der erste Maßnahmen: der Bau einer öffentlichen Fertigteil-Toilette auf dem Niedermarkt. Gesamtkosten: um die 200.000 Euro. Wobei die Stadt 25 Prozent selbst bezahlen müsste. Die Fraktion „Wir für Döbeln“ will nicht bis 2023 darauf warten und schlägt vor, auch ohne Fördermittel den Bau der Toilette zu realisieren. Die Stadt soll dafür im kommenden Jahr 80.000 bis 100.000 Euro zur Verfügung stellen. Darüber ist noch nicht entschieden.

Eigentlich sollte mit Fördergeld ab dem kommenden Jahr ein City-Manager die Koordination des Stadtmarketings übernehmen. Auch dieses Projekt liegt erst einmal auf Eis.

Machbarkeitsstudie für den Schloßberg

Andere Projekte sind die Verlängerung der Pferdebahntrasse bis zum Lutherplatz und der klimagerechte Umbau der städtischen Grünanlagen. Eine große Summe, nämlich zwei Millionen Euro, sind laut dem städtebaulichen Entwicklungskonzept für den Schloßberg eingeplant.

Dazu gehören eine Machbarkeitsstudie zur Nachnutzung des Areals Schloßberg mit Schloßbergschule, Sporthalle und Schloßbergkeller. In einigen Jahren soll die Lernförderschule nach Döbeln Ost umziehen, das Gebäude wäre dann ungenutzt. Auch die alten Stützmauern am Schloßberg, insbesondere zur Mulde, sollen gesichert werden.

In dem Entwicklungskonzept sind auch Zuschüsse für Baumaßnahmen an „Problemhäusern“ in der Innenstadt vorgesehen. Auch der Neubau von Häusern zum Schließen der einen oder anderen Baulücke wird in dem Konzept betrachtet.

Langfristige Entwicklungen im Zentrum

Einige der Entwicklungen, die mit der Förderung angestoßen werden könnten, sind ausgesprochen zukunftsorientiert und es besteht derzeit auch kein „Handlungsdruck“, wie es im Konzept heißt. Zu den Flächen mit Entwicklungspotenzial gehört der Parkplatz am Rathaus und die Fläche der früheren Salzgasse am Edeka-Markt.

Letztere wird praktisch ausschließlich als Parkplatz genutzt, bietet aber nach Ansicht der Planer das Potenzial für den Bau von Gebäuden für Handel, Gewerbe und Wohnen in Verbindung mit Hoch- oder Tiefgarage. Mit Fördergeld könnte ein Ideenwettbewerb für das Quartier Salzgasse finanziert werden.

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Interessant für die Planer ist auch die Weiterentwicklung der Kleinen Kirchgasse, in die vor mehr als 30 Jahren eine Verkehrsschneise gebrochen wurde und deren Wiederbebauung bis heute nicht komplett realisiert wurde. Durch die neue Brücke Schillerstraße hat sich der Verkehr in der Innenstadt verringert.