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Döbelner Fluthelfer mit zwiespältigen Eindrücken zurück

Sie haben von den Betroffenen viel Dankbarkeit erfahren. Es gab in den zerstörten Orten aber auch beklemmende Situationen.

In Sinzig und in Bad Bodenberg haben die Helfer des DRK Döbeln-Hainchen und der Leisniger Johanniter Verpflegungsstützpunkte für die Betroffenen und Helfer der Flutkatastrophe aufgebaut.
In Sinzig und in Bad Bodenberg haben die Helfer des DRK Döbeln-Hainchen und der Leisniger Johanniter Verpflegungsstützpunkte für die Betroffenen und Helfer der Flutkatastrophe aufgebaut. © DRK Döbeln-Hainchen

Region Döbeln. Die Helfer des DRK Döbeln-Hainichen und der Leisniger Johanniter sind aus dem Flutgebiet zurück – mit vielen Eindrücken und einem guten Gefühl.

Sie haben sich um die Versorgung der vom Hochwasser Betroffenen und der Helfer gekümmert. „Gegen 5 Uhr hat die Vorbereitung für das Frühstück begonnen, zwischen 11 und 12 war das Mittagessen fertig, im Durchschnitt 850 Portionen“, erzählt Ralf Fillies, einer der Ehrenamtlichen des DRK.

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Und schmunzelnd fügt er hinzu: „Ganz nebenbei haben wir noch Werbung für die sächsische Küche gemacht.“ Neben Soljanka und Kartoffeln mit Quark gab es unter anderem auch sächsische Kartoffelsuppe. Die frisch zubereitete Suppe habe einigen so gut geschmeckt, dass sie sogar das Rezept haben wollten.

Große Hilfsbereitschaft

Die Dankbarkeit und die Hilfsbereitschaft seien gleichermaßen groß gewesen. Jeder habe getan, was er konnte. So habe plötzlich ein Mann mit einem Grill neben den beiden Feldküchen gestanden und gefragt, ob er Würste grillen dürfe. „Andere haben Getränke, Essen und Kindernahrung gebracht“, so Fillies. „Kaffee war immer da – sozusagen als Hauptlebensmittel.“

Zubereitet wurde das Essen in Sinzig auf der einen Seite der Ahr, ausgegeben auf der anderen Seite in Sinzig und Bad Bodenberg. Der Verkehr sei allerdings etwas chaotisch gewesen. Denn zu den Ausgabestellen mussten die Helfer die einzige Brücke überqueren, die es dort im Umkreis von 30 Kilometern noch gibt.

„Ältere Menschen haben sich mit Tränen in den Augen für das Essen bedankt. – Deshalb war ich dort“, sagt Ralf Fillies noch immer bewegt. Mancher habe aber auch gefragt, weshalb die Frauen und Männer aus der Döbelner Region so sauber sind. Dass das für die Zubereitung von Speisen sinnvoll ist, habe dann doch Verständnis hervorgerufen.

Rund 850 Mittagsportionen haben die Döbelner und Leisniger im Flutgebiet täglich gekocht.
Rund 850 Mittagsportionen haben die Döbelner und Leisniger im Flutgebiet täglich gekocht. © DRK Döbeln-Hainchen

Manches war surreal

Fillies spricht von einem großartigen Zusammenhalt. „Die Hilfsbereitschaft untereinander war einfach klasse.“ Eine defekte Gefriertruhe wurde nach kurzer Ungewissheit durch eine Neue von der Metro ersetzt. Von dem Großhändler kamen auch tausende Aufbackbrötchen. Der Bürgermeister von Sinzig Andreas Geron habe angeordnet, dass alle Einsatzfahrzeuge an der einzigen noch funktionierenden Tankstelle kostenlos tanken können. Die Rechnungen gehen an die Stadt.

Die Organisation vor Ort sei sehr gut gewesen. Die Feuerwehren hätten immer gewusst, wo Helfer gebraucht werden. Und wenn nicht, hieß es: „Geh doch mal die Straße runter, dann wirst du schon was finden.“ Und das sei auch heute noch so. Zum Beispiel habe ein Bundeswehrräumpanzer am vergangenen Freitag, also eine Woche nach der Flut, endlich einen Ort erreicht, den zuvor niemand betreten konnte.

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Ob das DRK und die Johanniter zu einem zweiten Einsatz in das Flutgebiet fahren, stehe noch nicht fest. Das entscheide der Freistaat. „Vier Wochen Pause wären aber nicht verkehrt“, meint Ralf Fillies. Denn solch ein Einsatz zehre an den Nerven. Auch wenn die Helfer beim abendlichen Zusammensein überwiegend über die schönen Ereignisse des Tages gesprochen haben, sei manches auch surreal gewesen.

So sei nach Tagen in der Nähe eines Verpflegungsstützpunktes ein Toter gefunden worden, an dem zuvor schon Spaziergänger vorbeigegangen waren, die ihn nicht gesehen hatten. Neben den positiven müssen auch solche Eindrücke verarbeitet werden.

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