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Döbelner prügelt im Drogenrausch

Der 42-Jährige muss sich wegen acht Delikten vor Gericht verantworten. Dabei geht es auch um Einbruch, Diebstahl und Sachbeschädigung.

Wenn ein 42 Jahre alter Döbelner etwas durchsetzen wollte, tat er das im vergangenen Jahr immer wieder mit Gewalt.
Wenn ein 42 Jahre alter Döbelner etwas durchsetzen wollte, tat er das im vergangenen Jahr immer wieder mit Gewalt. © dpa

Döbeln. Schon als der Amtsanwalt für die Staatsanwaltschaft die Anklage verliest, wird klar – die Verhandlung dauert etwas länger.

Denn es geht um fünf Verfahren, in denen acht Delikte zusammengefasst wurden. In der Zeit zwischen dem 11. Mai und dem 20. Dezember 2019 soll der 42 Jahre alte Döbelner mehrere schwere Körperverletzungen, Einbrüche, Diebstähle und Sachbeschädigungen begangen haben. Zudem wurde er zweimal mit geringen Mengen Marihuana und Methamphetaminen erwischt, für deren Besitz er keine Erlaubnis hatte.

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Letzteres räumt der gelernte Dachdecker auch ein. Deshalb müssen zwei von elf geladenen Zeugen nicht gehört werden.

Der Angeklagte sieht sich selbst als väterlichen Freund einer 19-Jährigen. Ob sie die Beziehung anders interpretiert, kann er nicht sagen. Aber alle Delikte, die er begangen haben soll, stehen mit der jungen Frau in Verbindung, der er stets nur helfen wollte, so der Döbelner. Sie tritt als Nebenklägerin auf und ist gleichzeitig Zeugin.

Zweifel am Tathergang

Am 11. Mai 2019 suchte der Angeklagte mit der 19-Jährigen ein Haus an der Vyskover Straße auf. Dort wohnte eine Bekannte, die den Hund der 19-Jährigen unberechtigt an sich genommen haben soll. Doch die Mieterin öffnete weder dem Paar noch den gerufenen Polizeibeamten. Deshalb sei der Angeklagte am 12. Mai wiedergekommen.

Dass er sich dann als Mitarbeiter der Hausverwaltung ausgab, gesteht er ein. Als die spätere Geschädigte die Tür öffnete, habe sie der Angeklagte zurückgedrängt. Es sei zu einem Gerangel gekommen. Er habe sich den Hund gegriffen und ein schwarzes Mountainbike aus dem Keller geholt, das die Geschädigte der 19-Jährigen ebenfalls gestohlen haben soll, und sei wieder gegangen. Faustschläge, wie sie in der Anklage stehen, habe er der Frau nicht versetzt.

Von Drogen fernhalten

Nach den Aussagen eines Nachbarn und einer Polizeibeamtin hat auch der Amtsanwalt „Restzweifel“. Die resultieren vor allem aus dem Zeitraum von fast drei Stunden, die zwischen dem Weggang des Angeklagten und dem Rufen der Polizei durch die Geschädigte liegen. 

Als die Beamten eintrafen, hatte sie Verletzungen im Gesicht und am Bauch, Schürfwunden und Hämatome. Die Ursache dafür sei nicht eindeutig nachweisbar, so der Amtsanwalt.

Gerade aus der JVA Chemnitz entlassen, in der sie eine Reststrafe verbüßt hat, habe die 19-Jährige wieder Kontakt zu einem Bekannten aufgenommen, der sie kostenlos mit Drogen versorgt habe, erzählt der Angeklagte. Von dem Mann habe er sie fernhalten wollen, denn sie sei gerade clean gewesen.

 Als er beide am 30. Juni 2019 zusammen gesehen habe, sei es zu einem Wortgefecht gekommen. Der Bekannte habe die Hand gegen ihn erhoben. Da habe er ihm mit der Hundeleine einen Schlag versetzt. Faustschläge streitet der Angeklagte auch in diesem Fall ab.

Joghurtglas auf Kopf zerschlagen

Nur einen Tag später suchte der Angeklagte den Bekannten in dessen Wohnung auf, weil er die 19-Jährige dort vermutete. Da der Schlüssel von außen an der Wohnungstür steckte, gelangte er leicht in die Räume. Dort habe ihn die 19-Jährige sofort angeschrien, er solle gehen und sie in Ruhe lassen, erzählt sie als Zeugin. 

Daraufhin habe er ihr ein Joghurtglas aus der Hand genommen und es ihr dreimal auf den Kopf geschlagen, bis es zerbrochen sei. Eigentlich, so erwidert der Angeklagte, habe er sie nur mit dem Joghurt bespritzen und damit beruhigen wollen. Das habe früher mit Wasser schon einmal funktioniert. Dass sie das Glas abbekommen habe, sei ein unglücklicher Zufall gewesen.

Mit Hubschrauber in die Klinik

Die junge Frau erinnert sich, dann auf das Sofa gesunken zu sein, von dem sie der Angeklagte wieder nach oben zog, indem er sie am Hals packte. Da ihr schwindelig war, sei sie auf den Fußboden gefallen. Auf die Liegende habe der Angeklagte noch einmal eingetreten und dann ein Tuch auf ihr Gesicht gedrückt. Ob er das Blut abtupfen oder ihr den Mund zuhalten wollte, um sie zu ersticken, vermag sie nicht einzuschätzen. Letzteres wirft ihm die Anklage vor.

Die junge Frau erlitt Verletzungen am Kopf, an der Lippe, der Leber und den Rippen und wurde mit einem Hubschrauber in die Klinik nach Leipzig geflogen.

Sie erwirkte eine einstweilige Anordnung, die besagt, dass er sich ihr nicht mehr nähern darf. „Trotzdem war er wieder da und hat mich verletzt“, so die 19-Jährige. Am 18. November habe er ihre Wohnungstür eingetreten, ihr einen Faustschlag versetzt und mit seinen Stahlkappenschuhen so stark auf sie eingetreten, dass sie Blut erbrochen habe. Auch dieser Vorfall brachte sie ins Krankenhaus.

Entschuldigung und Umdenken

Mit tränenerstickter Stimme entschuldigt sich der Angeklagte bei ihr. „Dafür, was ich dir angetan habe, muss ich gerade stehen. Ich hoffe, du weißt, dass wir noch Freunde sind“, sagt er. Sie nimmt die Entschuldigung an, in der Hoffnung, „dass soetwas nicht wieder passiert“.

Außerdem erklärt der Verteidiger des Angeklagten, dass dieser zu Silvester einen Unfall hatte, durch den er rechts fast das Augenlicht verloren hätte. Dieses Ereignis habe zu einem Umdenken bei dem 42-Jährigen geführt. 

Er habe festgestellt, dass der Drogenkonsum bei ihm zu einer Wesensveränderung geführt habe. Seine Gewalthandlungen schreibe er den Betäubungsmitteln zu, die er damals nahm. Nüchtern sei er nicht aggressiv.

Beim Antiaggressionstraining angemeldet

Der Angeklagte habe nach Möglichkeiten gesucht, sein Leben in den Griff zu bekommen – ohne Straftaten. In der Klinik Bethanien in Hochweitzschen habe er eine Entgiftung durchgeführt. Er sei mit der Diakonie in Kontakt, um eine Langzeittherapie zu beantragen. Außerdem habe er sich in einer psychiatrischen Tagesklinik angemeldet und bei einem Antiaggressionstraining der Caritas.

Nach mehr als vier Stunden wird die Hauptverhandlung unterbrochen. Zum Fortsetzungstermin sind sechs weitere Zeugen geladen. Neben den bereits beschriebenen Delikten geht es dann auch noch um einen Kopfstoß gegen eine Nachbarin der 19-Jährigen. Dabei wurden zwei Stiftzähne der Nachbarin nach hinten gedrückt.

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