merken
PLUS Döbeln

Döbelner setzen aufs Elektrorad

Die Nachfrage nach sogenannten E-Bikes nimmt immer mehr zu. Das sorgt mittlerweile für Herausforderungen bei Händlern und Herstellern.

Jens Böber vom Fahrradladen "Radsport Döbeln" hat noch das eine oder andere E-Bike im Angebot. Wegen der gestiegenen Nachfrage ist das jedoch nicht überall so.
Jens Böber vom Fahrradladen "Radsport Döbeln" hat noch das eine oder andere E-Bike im Angebot. Wegen der gestiegenen Nachfrage ist das jedoch nicht überall so. © Dietmar Thomas

Döbeln. Vor einigen Jahren waren sie noch ein Nischenprodukt, mittlerweile sind sie aus keinem Fahrradladen mehr wegzudenken: E-Bikes erfreuen sich derzeit deutschlandweit einer stetig wachsenden Beliebtheit, so auch in der Region Döbeln.

"Von zehn Leuten fragen bei mir mittlerweile fünf bis acht nach einem E-Bike, täglich", sagt Jens Böber, einer der Betreiber des Fahrradladens "Radsport Döbeln" am Hauptbahnhof.

Familie und Kinder
Familienzeit auf sächsische.de
Familienzeit auf sächsische.de

Sie suchen eine Freizeitplanung oder Erziehungsrat? Wir unterstützen Sie mit Neuigkeiten sowie Tipps und Tricks Ihren Familienalltag zu versüßen.

Auch E-Bikes für Kinder gefragt

Böber zufolge habe die Nachfrage bereits in den vergangenen zwei bis drei Jahren stark zugenommen. Laut Allgemeinem Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) wurden allein 2020 rund 1,95 Millionen motorisierte Fahrräder in Deutschland verkauft.

Zahlen für die Region Döbeln gibt es beim Club nicht. Zumindest im Fahrradladen Radsport Döbeln wird jedoch klar: Gefragt sind sie allemal. "Auch Eltern haben sich bei uns schon nach E-Bikes für ihre Kinder erkundigt. Das kommt nicht so oft vor, aber ich weiß, dass die Kinder-Räder in anderen Regionen bereits ausverkauft sind."

Zwar würden sich weiterhin vermehrt ältere Menschen für die Zweiräder mit Elektrounterstützung interessieren. Die Zeiten, in denen dies ausschließlich so war, seien jedoch vorbei, sagt Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC in Sachsen. "E-Bikes sind schon zu einem Lifestyle geworden."

Dass sich immer mehr Menschen auf die motorisierten Räder schwingen, hat dem Geschäftsführer zufolge damit zu tun, dass sich die Art und Weise verändert hat, wie wir Verkehrsmittel nutzen. "Die Leute erledigen nicht mehr alle Wege mit dem Auto. Sie suchen sich das Fahrzeug, das zu dem Weg passt, den sie zurücklegen wollen. Das führt dazu, dass das Fahrrad heute häufiger genutzt wird."

Ein Drittel der Deutschen sage mittlerweile, dass sie einmal die Woche mit dem Rad fahren, so Konrad Krause. "Da ist auch das E-Bike gefragter."

"Das Hauptmanko beim Radeln ist die Anstrengung"

Das gestiegene Interesse sorgt mittlerweile jedoch für Herausforderungen bei den Händlern. "Wir bemerken mittlerweile Engpässe bei den Lieferungen", sagt Jens Böber.

Zwar biete sein Laden weiterhin E-Bikes an. "Wenn Kunden allerdings ein bestimmtes Rad oder eine bestimmte Farbe haben wollen, haben auch wir da schon mit Wartezeiten zu tun, die keinen bekannten Termin haben. Die Hersteller können also auch noch nicht sagen, wann das Rad geliefert wird."

Die Gründe für die Engpässe seien vielfältig und hätten Böber zufolge nicht nur mit der Corona-Krise zu tun, auch wenn die Pandemie dabei eine große Rolle spiele.

Dass seine Kunden lieber zum Elektrorad als zum klassischen Drahtesel greifen, könne Jens Böber durchaus nachvollziehen. "Das Hauptmanko beim Radeln ist die Anstrengung", sagt er. "Nicht jeder, der aufs Rad steigt, will auch gleich Höchstleistungen erreichen. Der Elektromotor ist da optimal."

Den Arbeitsweg von zehn Kilometern Länge könne man problemlos mit dem E-Bike zurücklegen. "Und dabei ist das Rad nicht mal langsamer als das Auto", so Böber. Eine Akkuladung würde ihm zufolge in der Region für etwa 100 Kilometer reichen. "Wir haben hier doch die eine oder andere Steigung, aber 100 Kilometer sollten schon machbar sein."

Technik mittlerweile ausgereift

Laut Konrad Krause hängt die Entscheidung für ein Fahrrad mit Elektrounterstützung jedoch nicht immer nur von der Strecke ab, die sich damit zurücklegen lässt. "Mit einem E-Bike stehen die Leute nicht im Stau, das Rad ist ökologisch gesehen besser und es ist auch weniger gefährlich als das Auto."

  • Sie haben Hinweise, Kritik oder Lob? Dann schreiben Sie uns per E-Mail an [email protected]

Die Menschen in Deutschland würden heute mehr Wert auf Bewegung legen. "Für Ältere ist es da natürlich leichter, wenn sie mit einem E-Bike unterwegs sind." Aber auch im Alltag könne das Elektrorad einiges an Arbeit erleichtern. "Die Leute setzen mittlerweile ja auch auf Lastenräder. Wenn Mama das Kind zur Schule bringt, ist so ein Motor auch eine Hilfe", sagt Sachsens ADFC-Geschäftsführer.

Hinzu komme, dass die motorisierten Räder selbst attraktiver geworden seien. "Die alte Technik ist mittlerweile ausgereift, Kinderkrankheiten längst kein Thema mehr", so Konrad Krause.

Mehr zum Thema Döbeln