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Döbelns Oberbürgermeister rapide gealtert

Im Alterssimulationsanzug mit 25 Kilo Gewicht am Körper hat Sven Liebhauser das Stadtmuseum erkundet. Aber warum eigentlich?

Kathrin Fuchs führt ihren Chef, den Oberbürgermeister Sven Liebhauser, im Altersimulationsanzug durchs Museum.
Kathrin Fuchs führt ihren Chef, den Oberbürgermeister Sven Liebhauser, im Altersimulationsanzug durchs Museum. © Dietmar Thomas

Döbeln. Der Gast, den Kathrin Fuchs am Mittwoch durch Stadtmuseum führt, ist nicht mehr der jüngste. „Ich freue mich, dass Sie den Rundgang im Museum machen. Unsere Treppe ist lang. Ich gehe vor und hoffe, Sie schaffen das.“

Ein paar Minuten vorher hatte Laura Gutschow von der Caritas dem Döbelner Oberbürgermeister Sven Liebhauser in einen Alterssimulationsanzug geholfen. Bleiweste, Gewichtsmanschetten an Armen und Beinen. Orthesen schränken die Beweglichkeit ein. Dazu Handschuhe, Gehörschutz, der die Geräusche dämpft. Eine milchige Brille mit Punkten, die Sehstörungen imitieren.

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Viele Kilo zusätzlich

Im Altersanzug, der mit 25 Kilo Gewicht quasi die Last des Alters verkörpert, geht Liebhauser, noch nicht einmal 40, als rapide gealterter Mensch durchs Museum. Er hält vor der Ausstellung zum Döbelner Nonnenkloster an. „Können Sie das Banner lesen oder muss ich helfen?“, fragt Kathrin Fuchs ihren Chef. Der entziffert nach einigem Probieren, dass der Meißner Burggraf 1222 das Kloster gegründet hat.

Das Ganze ist mehr als nur eine Spielerei. „Ich habe gemerkt, dass wir hier eine Stolperfalle haben. Das müssen wir ändern“, sagt Kathrin Fuchs und zeigt auf einen Grabstein vom ehemaligen Klosterfriedhof, der sehbehinderte Besucher dabei behindert, näher an das Banner zu treten.

Vor allem Sehen ist schwierig

Der Anzug ist eine schweißtreibende Sache. Liebhauser ist froh, wieder aus ihm herauszukommen. „Das Sehen und das Hören, vor allem aber das Sehen, fand ich am Schwierigsten.“ Wegen des hohen Gewichts sei auch der Gleichgewichtssinn beeinträchtigt gewesen.

Seit Ende April läuft im Museum und der Kleinen Galerie die Ausstellung „Alter!?“. Die Künstlerin Sophie Stephan und Laura Gutschow von der Caritas nähern sich darin dem Thema von vielen Seiten. Die Aktion mit dem Altersanzug war ein Teil dieser „Mitmachausstellung“.

Museum als alter Mensch getestet

Am Vortag waren schon Ehrenamtliche der Caritas als Duo durch das Museum gegangen. „Die haben uns dann die Erfahrung mitgeteilt, wie man die Treppen hochkommt und wo vielleicht noch ein Stück Geländer fehlt“, sagt Kathrin Fuchs.

Im vergangenen Herbst hatten auch 14-Jährige den Altersanzug ausprobiert und die Erfahrungen künstlerisch verarbeitet, erzählte Laura Gutschow. Die Collagen sind in der Kleinen Galerie ausgestellt.

Ausstellung endet bald

Nur wenig Leute haben die Ausstellung zum Thema Alter bisher gesehen. Corona hatte das verhindert. Sie ist erst seit Dienstag für die Öffentlichkeit zugängig und am 11. Juni ist auch schon wieder Schluss.

Trotz aller Unzulänglichkeiten ist sie für das Stadtmuseum eine ganz neue Erfahrung, weil „neue Formate“ ausprobiert werden konnten. Zwei Lesungen und ein Quiz waren mit Unterstützung des Vereins Treibhaus online übertragen worden. „Ich war ja erst skeptisch. Aber wir hatten eine gute Resonanz“, sagte Kathrin Fuchs.

Viele der regelmäßigen Besucher seien nicht so internetfest, aber das sei durch ganz neues Publikum ausgeglichen worden. An den Online-Veranstaltungen hätten sich immer um die 30 bis 35 Personen beteiligt. „Für uns ist das sehr gut.“

Jetzt hofft das Museum, wieder dauerhaft zum normalen „analogen“ Modus zurückkehren zu können. Besuche sind derzeit nach Anmeldung möglich. Und am 25. Juni soll auch die nächste Ausstellung eröffnet werden – vielleicht mit der üblichen Soiree. Die Döbelner Malerin Olga Scheck wird ihre Bilder ausstellen. „Das war schon im vergangenen Jahr geplant, ist aber verschoben worden“, sagte Kathrin Fuchs.

Danach ist im Museum eine Ausstellung mit Bildern der Dresdner Malerin Hildegard Stilijanow geplant. Sie war die Ehefrau des aus Döbeln stammenden Malers Bernhard Kretzschmar. „Ihr Sohn Peter Stilijanow war schon vor drei Jahren mit der Idee an uns herangetreten. Das wird eine kleine, feine Kabinettsausstellung“, sagte Kathrin Fuchs.

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