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Ein schwieriges Fischjahr im Töpelwinkel

Der Sommer hat diesmal nicht so viel Probleme bereitet. Aber Corona macht dem Forellenbetrieb Schnek zu schaffen – zum Teil.

Matthias Schnek hat einen Wels im Kescher. Verschiedene lebende und küchenfertige Fische gibt es am Wochenende beim Fischerfest zu kaufen. Und natürlich auch die üblichen Delikatessen für Fisch-Liebhaber.
Matthias Schnek hat einen Wels im Kescher. Verschiedene lebende und küchenfertige Fische gibt es am Wochenende beim Fischerfest zu kaufen. Und natürlich auch die üblichen Delikatessen für Fisch-Liebhaber. © Lars Halbauer

Döbeln. Matthias Schnek braucht eine Weile, bis er den Wels zwischen all den kapitalen Lachsforellen mit dem Kescher herausgefischt hat. Der dunkle Geselle, um die drei Kilo schwer, entwindet sich immer wieder geschickt dem Zugriff. Wels, den der Fischwirt nicht selbst zieht, sondern zukauft, wird es auch beim Fischerfest am Wochenende in Limmritz zu kaufen geben. Das Fest ist der Höhepunkt eines zwiespältigen Jahres für den Forellenbetrieb im Töpelwinkel.

Die Bedingungen waren für die Forellenproduktion Schnek in diesem Jahr besser als im vergangenen Jahr, als wegen der hohen Wassertemperaturen eine Vielzahl von Fischen verendet war. Senior Jörg Schnek schätzt die Verluste damals auf „50 Prozent Minimum“. In diesem Jahr sei es nicht so anhaltend heiß gewesen und auch die Blaualgen in der Zschopau waren erst Ende Juli aufgetreten. „Dieses Jahr sind wir einigermaßen gut durchgekommen“, sagte Jörg Schnek.

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Sehr wenig Wasser im Fluss

Allerdings: Abgerechnet wird erst zum Schluss. „Wie groß die Verluste wirklich sind, wissen wir erst, wenn alles abgefischt ist“, sagte Matthias Schnek. Auch der Waschbär holt sich seinen Teil. Und der Fischotter ist wieder da. „Der hat ein Loch im Zaun und kommt von der Zschopau herein“, sagt Matthias Schnek. Jörg Schnek hat den Fischräuber schon zweimal selbst gesehen. Allerdings seien die Bisamratten völlig verschwunden. Und auch der Mink, der aus Pelzzuchtfarmen stammt, sei selten geworden.

Ein Fakt fällt den erfahrenen Fischwirten aber auf: Die Zschopau hatte in diesem Jahr anhaltend sehr wenig Wasser. Jörg Schnek kann sich nur an wenige Sommer erinnern, in denen es ähnlich war. „Wir hatten zu Ostzeiten mal weniger als 2,5 Kubikmeter pro Sekunde in der Zschopau.“

Verändertes Kaufverhalten

Mit dem Fischerfest verbinden die Schneks die Hoffnung, im Coronajahr ein bisschen Geschäft nachzuholen. Im März war der Umsatz im Fischladen in Döbeln schlagartig eingebrochen, berichtete Jörg Schnek. Auch die Gaststätten hatten über Monate nichts abgenommen. Zum Glück sprang das Geschäft mit den frisch geschlachteten Forellen im Töpelwinkel schnell wieder an. „In den ersten beiden Wochen war gar nichts. Ab der vierten Woche lief es sehr gut“, sagte Matthias Schnek.

Grundsätzlich habe sich das Kaufverhalten der Kunden in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Die Nachfrage der Kunden nach Karpfen und Schleien, von denen früher große Mengen verkauft wurden, habe spürbar nachgelassen. „Die treuen Karpfenesser sterben aus“, sagte Jörg Schnek. In vielen Familien kommt der Speisefisch nur noch Weihnachten und Silvester auf den Tisch. Deutlich besser gehen Forellen, die öfter auf dem Grill landen. In der Coronazeit hatte dieser Zweig des Geschäfts sogar ziemlich floriert, weil die Leute nicht in Gaststätten gehen und verreisen konnten, sagte Matthias Schnek.

Fischsuppe aus der Gulaschkanone

25 bis 30 Tonnen Fisch verkaufen die Schneks pro Jahr. Früher seien es über 40 Tonnen gewesen, sagte Jörg Schnek. „Aber wir wagen es kaum noch, so viel Fisch selbst zu produzieren. Das hängt zu sehr vom Wasser ab.“

Am Wochenende gibt es auf dem Festplatz am Viadukt in Limmritz für die Gäste das übliche Programm mit allerhand Räucherfisch, Backfisch, verschiedene Arten von frischen und küchenfertigen Fischen und Fischsuppe aus der Feldküche. Die Bäckerei Körner ist auch dabei.

Wegen Corona entfällt dieses Mal aber das Kinderkarussell. Der Platz wird wegen der größeren Abstände für die Bänke benötigt. Auch das sonst übliche Bierzelt wird dieses Mal nicht aufgestellt. Damit umgehen die Veranstalter die Pflicht, dass sich die Gäste zwecks Nachverfolgbarkeit registrieren müssen.

Fischerfest, diesen Sonnabend und Sonntag ab 10 Uhr, Festplatz am Viadukt in Limmritz.

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