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Entgegen dem Trend: Leisnig kann wachsen

Stadtplaner Sascha Dunger hat die Ist-Situation analysiert und Tipps gegeben, wie die Stadt zu den Gewinnern gehören könnte. Weitere Schritte müssen folgen.

Wenn Leisnig weitere Flächen für Eigenheime ausweist und Zuzüglern alternativ das Wohnen in einem Altstadthaus schmackhaft machen kann, dann könnte es gelingen, in Zukunft mehr Einwohner zu gewinnen als durch Wegzug und Tod zu verlieren. Ein Demografi
Wenn Leisnig weitere Flächen für Eigenheime ausweist und Zuzüglern alternativ das Wohnen in einem Altstadthaus schmackhaft machen kann, dann könnte es gelingen, in Zukunft mehr Einwohner zu gewinnen als durch Wegzug und Tod zu verlieren. Ein Demografi © Dietmar Thomas

Leisnig. Diese Nachricht ist bitter: Leisnig hat seit der Wende mehrere Tausend Einwohner verloren. Während 1990 noch rund 11.500 Menschen im Stadtgebiet und den Ortsteilen lebten, könnten es nach bisherigen Prognosen im Jahr 2034 nur noch zwischen 6.500 und 8.000 Einwohner in dem inzwischen um Bockelwitz gewachsenen Gebiet sein.

Diese und andere Zahlen hat der Leipziger Stadtentwickler Sascha Dunger in der Vorwoche den Stadträten im Technischen Ausschuss vorgestellt. Dunger arbeitet bei der DSK. Das Büro begleitet Leisnig schon über viele Jahre bei der Stadtsanierung.

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Aufgabe von Dunger war es jetzt unter anderem, zu schauen, wie viele Leute ziehen in welchem Alter weg, welche zu. Und vor allem: Was kann getan werden, damit sich noch mehr Leute von außerhalb in Leisnig wohlfühlen, in die Stadt oder die Ortsteile ziehen. Denn ohne diesen Zuzug wird Leisnig weiter kontinuierlich schrumpfen.

Wegzug oft wegen Ausbildung und Studium

Das hat mehrere Gründe, die Dunger anhand verschiedener Tabellen und Grafiken darstellte. Ein Grund für den bisherigen Einwohnerverlust ist – wie in ganz vielen Städten und Gemeinden in der Region –, dass „es seit 1990 fast durchgehend mehr Sterbefälle als Geburten gab“, erklärte Dunger.

Und das „Weniger“ an Geburten wirke noch Jahrzehnte nach – als demografisches Echo. Denn Kinder, die nicht geboren worden sind, könnten sich im Alter zwischen 30 und Anfang 40 auch nicht nach einem Standort umschauen, an dem sie ein Haus neu- oder ausbauen, eine Familie gründen wollen.

Doch gerade diejenigen seien es nach den Recherchen des Stadtplaners, die den Zuzug nach Leisnig in den zurückliegenden Jahren ausgemacht haben. Wegziehen würden jene, die nach der Schule zu Ausbildung oder Studium gehen – die sogenannten Bildungsabwanderer.

Positiv: In den letzten Jahr mehr Zu- als Wegzug

Sie später zurückzugewinnen, könnte einer von mehreren möglichen Wegen sein, dem negativen Einwohnertrend entgegenzuwirken oder ihn zumindest abzuschwächen. Ansonsten, und daraus machte Sascha Dunger keinen Hehl, dürfte Leisnig im Jahr 2040 zwischen sechs und neun Prozent weniger Einwohner haben als jetzt.

Um gegenzusteuern, wäre es gut zu wissen, weshalb Menschen außer wegen Ausbildung und Arbeit der Stadt Leisnig den Rücken kehren. Was fehlt ihnen hier?, sollte Dunger zufolge eine Frage sein, die als nächstes betrachtet wird.

Wenn Leisniger wegziehen, dann in erster Linie nach Leipzig und Döbeln. Im Gegenzug ziehen aber auch Leute von dort sowie aus angrenzenden Orten des Bereiches Grimma nach Leisnig. Die gute Nachricht dabei ist vor allem: Es sind in den letzten fünf Jahren immer mehr Leute zu- als weggezogen.

Um Zuzugswillige offensiv und intensiv bemühen

Weil durch den Geburtenknick in den 1990er-Jahren überall in Ostdeutschland die Zahl der Familiengründer und Eigentumsbildner zurückgeht, sind besondere Anstrengungen nötig, gerade diese Leute auf Leisnig aufmerksam zu machen. Denn anders ist eine Einwohnerentwicklung gegen den Trend nicht zu erreichen, so der Stadtentwickler.

Pfunde, mit denen die Muldestadt wuchern könnte und sollte, sind dem Stadtplaner zufolge eine gute Entwicklung in Sachen Arbeitsplätze sowie eine Kaufkraft, die einem entsprechenden Index aus dem Jahr 2019 zufolge sogar noch ein wenig höher lag als in der Nachbarstädten Hartha und Döbeln.

Der Arbeitsmarkt habe sich nach den Ermittlungen des Stadtplaners ebenfalls gut entwickelt. Zwischen 2012 und 2019 sei es Dunger zufolge gelungen, die Zahl der Arbeitslosen nahezu zu halbieren. Arbeit fänden die Leisniger aber auch in Döbeln, Dresden oder Leipzig.

Überblick über Bauland entsteht gegenwärtig

Für ein leichtes Wachstum in den nächsten Jahren müsste es gelingen, die Entwicklung der vergangenen Jahre mindestens zu verdoppeln. Dafür wiederum bedarf es unter anderem Bauplätze und Wohnungsangebote, die auf den Bedarf zugeschnitten sind.

Wo in der Stadt und auf dem Land möglicherweise noch Bauplätze sind, die bislang nicht erfasst worden sind, dazu erarbeitet Sascha Dunger gerade eine Übersicht. Dieses sogenannte Baulandkataster will er der Kommune bis spätestens Ende März vorlegen. Grundlage dafür sind Luftaufnahmen des Gemeindegebietes.

In diesem Zusammenhang soll ebenfalls mit erfasst werden, welche Immobilien im Stadtzentrum leerstehen und – soweit dies möglich ist –, in welchem Zustand die sind.

Das alles und viele weitere Informationen über Wohnungsstandorte, Baulandpreise, Wohnungsangebote, so rät der Stadtplaner, sollte Zuzugswilligen kompakt auf einer Internetseite als Information zur Verfügung gestellt werden. Parallel dazu rät er, die von Leisnig gewünschte Zielgruppe zur Verjüngung der Stadt anzusprechen, mit Vorteilen zu werben.

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Zur Umsetzung soll ein Verein gegründet werden. Doch ohne Hilfe der Kommune geht es nicht. Ein klares Bekenntnis der Räte dazu steht aber noch aus.

Die Arbeit von Sascha Dunger ist Teil 1 eines geförderten Demografieprojektes. Die Folgeaufträge haben die Stadträte jetzt vergeben. Nun soll unter anderem eine Homepage „Hallo Leisnig“ erstellt werden.

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