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Erpresst Döbelner einen Jugendlichen?

Der 24-Jährige hat schon mehrere Haftstrafen verbüßt - die erste mit 15. Er wird immer wieder rückfällig und zeigt gegenüber dem Gericht wenig Respekt.

In Hand- und Fußfesseln wurde der Angeklagte vorgeführt. Er verbüßt zurzeit zum wiederholten Mal eine Haftstrafe. Während dieser muss er sich erneut für mehrere Delikte vor dem Döbelner Amtsgericht verantworten.
In Hand- und Fußfesseln wurde der Angeklagte vorgeführt. Er verbüßt zurzeit zum wiederholten Mal eine Haftstrafe. Während dieser muss er sich erneut für mehrere Delikte vor dem Döbelner Amtsgericht verantworten. ©  dpa/Symbolbild

Döbeln. Der 24-Jährige wird vorgeführt – in Hand- und Fußfesseln. Letztere bleiben auch während der Verhandlung im Amtsgericht Döbeln dran. Dort ist er kein Unbekannter. Richterin Karin Fahlberg und der Döbelner haben sich schon öfter gegenüber gesessen.

Sieben Einträge hat der Mann bereits im Bundeszentraltregister, unter anderem wegen gefährlicher sowie vorsätzlicher Körperverletzung, Diebstahl, Raub und Hausfriedensbruch. Ähnliches wirft ihm Staatsanwältin Amelie Steffen auch diesmal vor. Vier Anklagen listet sie auf. In denen stecken allerdings jeweils mehrere Delikte.

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Handgemenge bei Kaufland in Döbeln

So soll der Angeklagte gemeinsam mit seinem Bruder im Döbelner Kaufland Kaffee und Energiedrinks gestohlen haben. Dabei hatte sie der Ladendetektiv beobachtet. Als er die beiden in ein Büro bat, um die Angelegenheit zu klären, habe ihn der 24-Jährige gegen die Brust und ins Gesicht geschlagen.

Das Handgemenge bestätigt ein 20 Jahre alter Angestellter von Kaufland als Zeuge, der mit einem Kollegen hinzugerufen worden war. Allerdings hätten die beiden schnell entschieden, die Brüder gehen zu lassen, bevor die Situation eskalierte. „Wir hatten nicht vor, uns eine überbraten zu lassen“, meint der Einzelhandelskaufmann.

Trotz Hausverbots, das der Angeklagte vielfach missachtete, habe er im Kaufland erneut zugegriffen. Dabei habe er versucht, einen Computer-Stick mitgehen zu lassen. Aber auch das blieb nicht unentdeckt. Diesmal gelang es einem anderen Detektiv, mit dem 24-Jährigen in das Büro zu gehen und die Polizei zu rufen.

Dort habe sich der Angeklagte „emotional aufgebaut“, geschubst, den Detektiv angepackt, die Beleidigungen seien intensiver geworden, er habe Gegenstände aus dem Büro durcheinander geworfen und gleichzeitig versucht, den Stick unter einer Kiste zu verstecken.

Polizisten finden Schlagstock in der Tasche

In der Gürteltasche des Angeklagten fanden die Polizeibeamten außerdem einen sogenannten Totschläger. Ob der 24-Jährige, die Tasche mit dem Teleskop-Schlagstock, wie er selbst sagt, vor Betreten des Einkaufsbereiches an der Information abgegeben hat, oder ob er damit im Markt war, kann während der Verhandlung nicht geklärt werden. Der 24-Jährige stimmt aber zu, dass ihm die verbotene Waffe nicht zurückgegeben wird.

Neben dem vergleichsweise geringfügigen Diebstahl eines Nutella-Glases im Penny-Markt Döbeln wirft die Staatsanwältin dem Angeklagten auch räuberische Erpressung vor. Im Beisein von drei anderen jungen Leuten soll er einem damals 16-Jährigen Schläge angedroht haben, wenn dieser die Schwester des Angeklagten noch einmal anfasse. Außerdem habe dieser von dem Jugendlichen 70 Euro Schmerzensgeld gefordert, nachdem der die Schwester gekniffen und sie blaue Flecke davongetragen habe.

Dass er von dem 16-Jährigen Geld gefordert hat, bestreitet der 24-Jährige. „Ich habe ihm nur gesagt, dass er die Finger von meiner Schwester lassen soll“, erklärt er. Die Aussagen der Zeugen dazu sind unterschiedlich. Erwachsene, die sich nach dem Vorfall um den Jugendlichen gekümmert haben, bestätigen die Erpressung, zwei junge Frauen, die bei dem Gespräch anwesend waren, bestreiten, dass es dabei auch um Geld gegangen ist.

Die Diebstähle, so erklärt der Angeklagte, habe er begangen, um seine Drogensucht zu finanzieren. Bereits im Alter von zwölf Jahren habe er zum ersten Mal Crystal konsumiert. Seitdem sei er – abgesehen von einer kleinen Unterbrechung als seine beiden Kinder zur Welt kamen – abhängig. Eine Suchtberatung habe er noch nicht besucht. Aber aufgrund seines Verhaltens habe es einen Aufenthalt in der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Mittweida gegeben. Er sei kein einfaches Kind gewesen, meint der Angeklagte.

Erste Haftstrafe mit 15 Jahren

Auch mit dem Gesetz kam der Döbelner beizeiten in Konflikt. Bereits im Alter von 15 Jahren verbüßte er die erste dreimonatige Jugendstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung. Es folgten weitere Haftstrafen.

Derzeit sitzt er für 1,9 Monate wegen der Weitergabe von Betäubungsmitteln an Minderjährige und dem Besitz einer verbotenen Waffe ein. In einer der letzten Begründungen heißt es: „Er ist nicht Willens, sich an Regeln und Normen zu halten.“

Die jüngsten Taten haben sich innerhalb von fünf Monaten ereignet. Die räuberische Erpressung sehen sowohl die Staatsanwältin als auch der Verteidiger des Angeklagten nicht als erwiesen an. Grund sind die widersprüchlichen Zeugenaussagen.

Wutausbruch nach dem Urteil

Das Schöffengericht sieht das allerdings anders. Zwar sei der erpresste 16-Jährige auch kein unbeschriebenes Blatt, aber der Angeklagte hat einem Zeugen gegenüber erklärt, dass das Schmerzensgeld gerechtfertigt sei.

Er wird, einschließlich der Diebstähle und eines Hausfriedensbruchs, zu einem Jahr und zwei Monaten Haft verurteilt. Bewährung komme nicht infrage. Denn die Straftaten erfolgten, während der Döbelner noch unter Bewährung stand. Zudem sei er ein beharrlicher Wiederholungstäter und es gebe eine hohe Rückfallgeschwindigkeit.

Trotzdem bemerkte die Richterin eine positive Veränderung im Verhalten des Angeklagten während der Verhandlung. Sie habe den 24-Jährigen schon respektloser erlebt. Doch dieses „Lob“ kam augenscheinlich zu früh.

Während der Verlesung des Urteils kriecht offensichtlich die Wut im Angeklagten hoch. Er spricht dazwischen, schimpft und zerknüllt ein Dokument. Nach Verlassen des Gerichtssaales stößt er außerdem Drohungen in Richtung des Gerichts aus. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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