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Fehlender Radweg an S44: Räte beraten erneut

Mittlerweile steht er zumindest in der Konzeption des Freistaats. Darauf will sich Leisnig nach einem tödlichen Unfall berufen.

Zwischen Leisnig und Brösen ist beim Ausbau der S44 – trotz Protests und Hinweisen aus der Bevölkerung – kein Radweg mit entstanden. Nach dem tödlichen Unglück eines Radfahrers wird neu beraten.
Zwischen Leisnig und Brösen ist beim Ausbau der S44 – trotz Protests und Hinweisen aus der Bevölkerung – kein Radweg mit entstanden. Nach dem tödlichen Unglück eines Radfahrers wird neu beraten. © Dietmar Thomas

Leisnig. Ein Radfahrer ist in diesem Herbst auf der S44 im Abschnitt zwischen Leisnig und Brösen ums Leben gekommen. Das haben die Leisniger Stadträte zum Anlass genommen, um sich abermals mit einem Radweg an dieser Strecke auseinanderzusetzen.

Das erste Ergebnis: Die im Technischen Ausschuss mitarbeitenden Räte wollen sich mit der Bitte, den Radweg aus aktuellem Anlass schnellstmöglich in die Planung und Realisierung aufzunehmen, an den Freistaat zu wenden. Bauamtsleiter Thomas Schröder hatte zuvor noch einmal die Pläne vor dem 2013 realisierten Ausbau des Abschnittes herausgeholt und dem Gremium vorgestellt.

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Wie er darlegte, hat es von der Vorgängerbehörde des jetzigen Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) zwei Ausbauvorschläge gegeben. „Die erstreckten sich ab der Kreuzung S36 im Wesentlichen auf Flächen nördlich sowie südlich der S44“, erklärte der Amtsleiter. Das sei zum einen oberhalb des Schanzenbachtales und auf der anderen Seite am Fliesenwerk und an den Plantagen vorbei.

Als Baulastträger müsste Schröder zufolge außerorts das Lasuv auftreten, innerorts die Kommune. Doch das innerörtliche Stück würde sich lediglich auf den Abschnitt am Fliesenwerk beziehen. Alle anderen potenziellen Flächen, die für einen Radweg benötigt würden, seien außerhalb der Ortschaft.

Laut damaliger Kostenhochrechnung waren die Baukosten für beide untersuchten Varianten in etwa gleich: ungefähr 300.000 Euro. Das trifft auch auf die Art der Ausführung zu. Der geplante Radweg verlief unmittelbar an der bestehenden Staatsstraße – nur getrennt durch Bankette, Böschungen und gegebenenfalls Befestigungsanlagen. Ein derartiger Radweg ist kurz nach der Fertigstellung der S44 in der Region an der S36 zwischen Leisnig und Hartha/Wallbach entstanden sowie an der S31 zwischen Polkenberg und Bockelwitz.

Weshalb das kurz vorher nicht an der S44 passiert ist, bleibt den Stadträten ein Rätsel. Zwei, nämlich Mathias Voigtländer (CDU) und Dieter Kunadt (Die Linke), hatten damals Pro-Radweg sogar Unterschriften gesammelt und nach Dresden gebracht. Das war, wie sich später herausstellte, vergebliche Liebesmüh. Denn für die Behörde gab damals unter anderem den Ausschlag, dass eine Verkehrszählung den angemeldeten Bedarf nicht bestätigt hatte, angeblich zu wenig Radfahrer auf der S44 unterwegs waren.

Für die Kommunalpolitiker bis hin zum damaligen Landrat Manfred Graetz (CDU) war das nicht verwunderlich. Die Leute würden sich mit dem Rad einfach nicht auf die vielbefahrene Straße trauen, erklärten sie seinerzeit. Das ist bis heute teilweise so geblieben.

Fahrradclub kritisiert Freistaat

Ein anderer Grund, den die Behörde seinerzeit für den Nichtbau des Radweges zwischen Leisnig und Brösen ins Feld führte, war, dass der Weg nicht in der Konzeption des Freistaates steht. Das hat sich mittlerweile geändert. In die Konzeption des Freistaates von 2019 ist der Radweg zwischen Leisnig und Brösen aufgenommen worden. Allerdings nur unter der Kategorie C, wie der Geschäftsführer des Allgemeinden Deutschen Fahrradclubs (ADFC) Konrad Krause feststellt. Auch er fordert den Freistaat nach dem tödlichen Unfall vor Brösen dazu auf, „dass der Radwegbau an Sachsens Staatsstraßen endlich Fahrt aufnimmt“.

Die Stadträte haben die Verwaltung nun beauftragt, beim Land Sachsen eine zeitnahe Umsetzung der Konzeption zwischen Leisnig und Brösen einzufordern und damit ein Stück mehr Verkehrssicherheit herzustellen. Die Radfahrer auf den mehrere Kilometer entfernten Mulderadweg zu verweisen, sei keine Alternative meinten Bauamtsleiter und Räte.

Rosalie Stephan vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr bestätigt auf Anfrage, dass für den Abschnitt an der S44 zwischen Leisnig und Brösen ein Bedarf für einen Radweg mit der Fortschreibung der Radverkehrskonzeption 2019 angemeldet worden ist. Allerdings: „Inwieweit die genannte Neuanmeldung Eingang in eine Liste von Maßnahmen findet und mit welcher Priorisierung, das hängt von einer weiteren Prüfung ab.“

Immer noch zu wenig Verkehr?

Bei dieser würden unterschiedliche Kriterien zur Beurteilung herangezogen und eine Vergleichbarkeit zwischen den Maßnahmen hergestellt. „Beim angefragten Straßenabschnitt gilt es aber auch die durchschnittliche tägliche Verkehrsstärke zu beachten“, so Rosalie Stephan. Diese liege mit rund 2.000 Fahrzeugen in 24 Stunden in einem niedrigen Bereich.

Hinzu kommt laut der Lasuv-Mitarbeiterin folgendes: „Die damalige Planung müsste heute aufgrund der aktuellen Umweltgesetzgebung neu bearbeitet werden und ein Baurechtsverfahren durchgeführt werden.“ Das heiße, dass die vorliegende Planung nicht unmittelbar umgesetzt werden könne. Aus diesem Grund will sich die Behörde zu einem möglichen Bauzeitraum auch nicht äußern.

„Wir sollten alles dafür tun, dass der Radweg an der S44 beim Land noch einmal thematisiert wird und in der Priorität nach oben rückt“, so Mathias Voigtländer.

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