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Geburtshilfe in Leisnig: Wie kann es weitergehen?

Mitarbeiter der Klinik haben Vertretern von Kommune und Landkreis erklärt, welche Möglichkeiten es gibt. Im Nachgang aber mauern alle.

Tausende Mädchen und Jungen sind in den vergangenen Jahrzehnten im Leisniger Krankenhaus geboren worden. Damit soll ab diesem Jahr Schluss sein. Mit diesem Verlust für die Region wollen sich eine Reihe Kommunalpolitiker nicht abfinden.
Tausende Mädchen und Jungen sind in den vergangenen Jahrzehnten im Leisniger Krankenhaus geboren worden. Damit soll ab diesem Jahr Schluss sein. Mit diesem Verlust für die Region wollen sich eine Reihe Kommunalpolitiker nicht abfinden. © dpa-Zentralbild

Leisnig. Auf ein erstes, teilweise missverständliches Gespräch per Videokonferenz folgte am Mittwoch ein zweites. Auch dabei ging es um die von Helios mittlerweile umgesetzte Schließung der Leisniger Geburtsklinik.

Deren Ankündigung hatte Ende vergangenen Jahres für Erstaunen und Unverständnis gleichermaßen gesorgt. Auf Initiative der CDU-Faktion im Stadtrat ist daraufhin eine etwas größere Online-Runde mit Vertretern von Helios und Politikern von Kommunaler bis hin zu Bundesebene zustande gekommen (Sächsische.de berichtete).

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Das verabredete rasche Folgetreffen gab es nun am Mittwoch im Leisniger Rathaus. Wegen der Corona-Beschränkungen konnte nur ein kleinerer Kreis zusammenkommen. Mit dabei waren wiederum Sebastian Heumüller als Geschäftsführer der Helios-Regionen Ost und Julian Zimmer als Geschäftsführer der Helios-Klinik Leisnig sowie Mittelsachsens Landrat Matthias Damm (CDU) und Leisnigs Bürgermeister Tobias Goth (CDU).

Gespräch war "konstruktiv"

Das Gespräch war „konstruktiv“. Genau dieses einschätzende Wort benutzten im Nachgang sowohl Damm als auch Goth. Nach den Worten des Bürgermeisters „wurden alle Möglichkeiten zur Fortführung der Geburtshilfe in Leisnig intensiv erörtert“. Wie diese Möglichkeiten konkret aussehen, dazu äußerten sich weder der Leisniger Rathauschef noch der Landrat.

Goth: „Einen neuen Arbeitsstand kann ich nicht mitteilen.“ Von Nachfragen bat der Bürgermeister abzusehen. Der Landrat sprach ebenfalls von verschiedenen Lösungen, die erörtert worden seien. Wie die aussehen könnten, das sagte er nicht. „Es verbleibt beim jetzigen Arbeitsstand“, so Damm lediglich.

Für die Helios-Klinik kündigte Sprecher Stefan Möslein eine Pressemitteilung an. Bis Redaktionsschluss lag diese allerdings noch nicht vor.

Lange Wege für Gebärende anstrengend

Die Nachricht, dass Helios die Geburtsklinik in Leisnig nicht wieder öffnen will, hat nicht nur bei Leisnigern für Unverständnis gesorgt. Immerhin reißt das ein Loch in die Karte der Krankenhäuser, die in der Region Entbindungsstationen haben, idealerweise noch mit einer Kinderstation gekoppelt.

Die nächsten Kliniken mit Geburtsstation befinden sich zum Beispiel in Grimma, Mittweida, Freiberg und Meißen. „Die Schließung Leisnigs ist eine Katastrophe für den Raum Döbeln.“ Das war die erste Reaktion von Katja Eck. Die Döbelner Hebamme ist zugleich Vorsitzende des Kreisverbandes Mittelsachsen des Sächsischen Hebammenverbandes. Die relativ weiten Wege in die nächsten Kliniken seien für werdende Mütter überaus anstrengend.

Mit der Geburtenstation verliert die Region aber nicht nur eine wohnortnahe Versorgung, die für viele Familien wichtig ist, sondern auch ein „Zugpferd“. Das sollte auch in Zukunft für Zuzug nach Leisnig und in die Region sorgen.

  • Leisnigs Geburtsklinik
  • Seit 1974 wurden nahezu alle Kinder in der Region Döbeln in der einzigen Geburtsklinik im Altkreis – in Leisnig – geboren. Bis Ende 1973 gab es auch noch eine Entbindungsmöglichkeit in Döbeln. Erst nach der Wende haben sich Eltern dann auch für Entbindungen in anderen Krankenhäusern entscheiden können.
  • Nach der Wende wurde die Geburtsklinik Teil des Mutter-Kind-Hauses, zu dessen Angebot auch eine Kinderklinik gehört. Diese Kombination haben viele (werdende) Eltern geschätzt.
  • Im Dezember 2020 hat die Helios-Klinik Leisnig mitgeteilt, dass sie die Geburtsklinik nicht wieder öffnet. Angekündigt hatte sie zuvor lediglich eine reichlich zweiwöchige Schließung über Weihnachten und Neujahr. Begründet wurde dies mit dem Mangel an Fachpersonal.
  • Ab Januar 2021 bilden die Helios-Kliniken in Leisnig und Schkeuditz eine Kooperation in Sachen Geburt. Die Geburt selbst kann nach bisherigen Angaben der Geschäftsleitung nur in Schkeuditz im Kreißsaal erfolgen, Vor- und Nachbetreuung in Leisnig in einem Hebammenstützpunkt, der sich noch im Aufbau befindet.

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