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Abkürzung wird zum Hausfriedensbruch

Ein 25-jähriger Tscheche ist angeklagt, weil er in Großweitzschen über ein Grundstück gelaufen und den Besitzer beleidigt haben soll.

Symbolfoto: Ein Tscheche steht vor dem Döbelner Amtsgericht. Er soll ein Grundstück unbefugt betreten haben.
Symbolfoto: Ein Tscheche steht vor dem Döbelner Amtsgericht. Er soll ein Grundstück unbefugt betreten haben. © André Braun

Döbeln/Großweitzschen. Im Großweitzschener Ortsteil Westewitz geht eine Abkürzung zum Bahnhof über ein Wiesengrundstück, ein Privatgrundstück. Sie wird häufig genutzt und ist auch bei Einheimischen bekannt. Gesichert ist das Gelände in großen Teilen nur mit einem kniehohen Zaun. Ärger gab es mit der illegalen Abkürzung eigentlich nie – bis zum 2. Mai 2019.

Am Döbelner Amtsgericht ist ein25-jähriger Tscheche angeklagt, der genau an diesem Tag das Grundstück durchlaufen und dem Besitzer bei einem persönlichen Gespräch ins Gesicht gespuckt haben soll, um seine Missachtung deutlich zu machen. In der Anklageschrift wird ihm Hausfriedensbruch und Beleidigung zur Last gelegt.

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Der gelernte Koch, mit Tattoos an Hand und Armen sowie mit einem weißen Hemd gekleidet, wird bei seinem Verfahren durch einen Pflichtverteidiger unterstützt. Der vorsitzenden Richterin Ines Opitz erklärt der Tscheche, dass er mittlerweile wieder in Meuselwitz bei seinen Eltern wohnt. 

Hintergrund ist sein Drogenproblem, das er versucht, in den Griff zu bekommen. Auch deshalb sei er überhaupt in Westewitz in der Klinik gewesen.

Grundstück in Westewitz wird oft als Abkürzung genutzt

Am besagten Tattag wollte er von seinem Drogenrausch herunterkommen. „Ich bin spazieren gegangen, wollte mal raus kommen“, erklärt der Angeklagte. Als er dann zurück in die Hochweitzschener Klinik wollte, nahm er die Abkürzung über das Privatgrundstück des betroffenen Westewitzers.

Wie der Tscheche erklärt, sei er an der angrenzenden Straße dann vom Besitzer mit Auto angehalten worden, welcher ihm dann mit Sätzen wie „Ihr Kanacken könnt euch auch alles erlauben“ entgegnet haben soll. „Er war sehr ausländerfeindlich mir gegenüber“, so der Angeklagte. Im Effekt daraufhin habe er dem Opfer ins Gesicht gespuckt, aus Verärgerung, wie er vor der Richterin aussagt.

Doch ganz so wie der gelernte Koch es dem Gericht erzählt, soll es laut dem im Anschluss vernommenen Opfer nicht gewesen sein. Der 50-jährige Westewitzer kennt zahlreiche Leute, die sein Grundstück als Abkürzung zum Bahnhof nutzen. 

Gab es eine Drohung?

Im Grundsatz störe ihn das auch nicht großartig, aber in diesem Fall war eines anders, wie er sagt: „Ansonsten ist es so, dass die Menschen sich bei mir entschuldigen, wenn ich sie auf die Situation aufmerksam mache. Er jedoch drohte mir im Anschluss.“ Wie der Zeuge vor Gericht erzählt, habe der 25-jährige Angeklagte ihm ins Gesicht gespuckt und anschließend seiner ganzen Familie eine Drohung ausgesprochen.

Worte wie „Pass auf dich und deine Familie auf, ich weiß wo, ihr wohnt“ sollen gefallen sein. „Das hat definitiv eine Grenze überschritten, weshalb ich zu Polizei gegangen bin“, erklärt er. Auch auf die Nachfrage von Richterin Opitz, ob der Angeklagte den Eindruck gemacht habe, dass er neben sich steht, verneinte der Zeuge. Zu den angeblich gefallenen ausländerfeindlichen Aussagen, sagt der Westewitzer nichts.

Der Beschuldigte kann sich vor Gericht an eine Drohung nicht mehr erinnern. Vor der Tat habe er Amphetamine genommen, die durchaus zu Gedächtnisverlust führen könnten, so der 25-Jährige. Doch für ihn war klar, selbst wenn es so war, er will in der Zukunft von der Drogensucht wegkommen. Der Besuch im Westewitzer Fachkrankenhaus sei der erste Schritt gewesen.

Vorstrafen schützen vor Verurteilung

Noch im Gerichtssaal bittet der junge Tscheche bei dem Opfer um Entschuldigung. „Bei der Bedrohung der Familie habe ich eine Grenze überschritten. Da würde ich auch anders reagieren, wenn mir jemand sowas sagt. Deshalb tut mir das Geschehene sehr leid“, sagt er. Angenommen hat der Zeuge die Entschuldigung nicht.

Im Strafregister konnte Richterin Opitz feststellen, dass der Angeklagte im Jahr 2018 wegen Besitzes von Betäubungsmitteln zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt wurde. 

Zudem verhängte ein Gericht wegen Fahrens ohne Führerschein eine Geldstrafe in Höhe von 5.000 Euro. Ein weiteres Verfahren wegen zweifacher Körperverletzung läuft derzeit noch.

Da sich die finanziellen Verhältnisse beim Angeklagten jedoch geändert haben, eine hohe Geldstrafe noch offen ist und im Verfahren deutlich geworden ist, dass es eigentlich mehr um eine Bedrohung als um Hausfriedensbruch und Beleidigung ging, einigte sich die Staatsanwaltschaft mit dem Gericht auf die Einstellung des Verfahrens. 

„Da die Strafe in Hinblick auf die vorhergehende Verurteilung nicht beträchtlich ins Gewicht fällt, ist dies durchaus möglich“, so die Richterin zum Prozessende.

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