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Gestohlene Einweg-Grills werden teuer

Ein 24-jähriger Döbelner sieht sich drei Anklagen vor dem Amtsgericht gegenüber. Die Taten soll er in zwei Städten und vier Supermärkten begangen haben.

Symbolfoto: Amtsgericht Döbeln
Symbolfoto: Amtsgericht Döbeln © André Braun

Döbeln/Roßwein. Es sind drei Anklageschriften, die die Staatsanwältin verliest. In denen stehen aber zehn Delikte, die der Angeklagte begangen haben soll. In sieben Fällen geht es um Hausfriedensbruch im Kaufland Döbeln, in drei um Diebstahl und räuberischen Diebstahl. 

Im Edeka Roßwein soll der Döbelner zwei Einweg-Grills im Wert von 5,98 Euro gestohlen haben. Im Penny Döbeln habe er zwei Würstchen für 2,38 Euro in seiner Hosentasche und im Edeka Döbeln Toast, Schinken und Schmelzkäse für 6,74 Euro im Rucksack verschwinden lassen. Eigentlich sind es „Kleinigkeiten“. Aber in Roßwein kam es zu einer körperlichen Auseinandersetzung, als der Angeklagte bei dem Diebstahl erwischt wurde.

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Verfahren wegen Hausfriedensbruch eingestellt

Der Gerüstbauhelfer gibt alle Taten zu, sieht aber nicht bei jeder ein, dass er dafür angeklagt wurde. So habe ihm der Ladendetektiv bei Kaufland vorgeworfen, Zigaretten gestohlen zu haben. 

Das bestreitet der junge Mann jedoch. Und der Detektiv habe es ihm auch nicht nachweisen können. Außerdem könne der Detektiv ihn nicht leiden. So sei es zu dem Hausverbot gekommen.

Sein Verteidiger wirft zudem die Frage auf, wie weit das Hausverbot reicht. Gilt es nur für den Markt an sich oder auch für die Rolltreppe, die Toilette oder den Bereich, in dem sich die Information und weitere kleinere Geschäfte befinden? 

Dort haben sich fünf der Hausfriedensbrüche abgespielt. Der Umfang des Hausverbots kann während der Verhandlung nicht geklärt werden. Das Verfahren wegen der Hausfriedensbrüche wird eingestellt.

Betrunken und die falschen Freunde

Die Diebstähle in den anderen Supermärkten habe er begangen, weil er kein Geld, Hunger und die falschen Freunde hatte, erklärt der Angeklagte. Als er die Einweg-Grills aus dem Roßweiner Edeka mitgenommen habe, sei er leicht alkoholisiert gewesen. – Ein medizinisches Protokoll spricht von 1,3 Promille. – Auch in diesem Fall habe das Geld gefehlt, aber er habe eben mit seinen damaligen Freunden Grillen wollen.

Ihm sei schon aufgefallen, dass er von einem Verkäufer beobachtet wurde. Trotzdem habe er zwei der Grills unter seinem Pullover versteckt und versucht, damit den Markt zu verlassen. 

Als der Verkäufer sich ihm in den Weg stellte, habe er ihm die Grills übergeben. Trotzdem sei er von ihm niedergerungen worden. Dabei habe er auf der Hand mit einem eingegipsten, gebrochenen Finger gelegen und der Verkäufer auf ihm. Das habe höllische Schmerzen verursacht, erzählt der Angeklagte.

Verkäufer fixiert Täter am Boden

Der Verkäufer und eine weitere Mitarbeiterin des Roßweiner Marktes schildern die Situation etwas anders. Der Verkäufer hatte den Angeklagten schon zuvor im Markt bemerkt und, dass dieser mit einem Rucksack wieder nach draußen zu anderen Jugendlichen gegangen sei. 

Da er in dem Rucksack Diebesgut vermutete, habe der Verkäufer seine Kollegen informiert. Alle hätten sich an bestimmten Stellen positioniert, als der Angeklagte den Markt erneut betrat. Er habe die Grills gegriffen, versucht, wieder nach draußen zu rennen und dabei den Verkäufer geschubst.

Der hat allerdings eine stattliche Figur und ließ dem Angeklagten keine Chance. Er habe ihn an die Wand gedrückt. Da der Angeklagte sich heftig gewehrt habe, habe der Verkäufer ihn letztendlich mithilfe der anderen Mitarbeiterin am Boden fixiert bis die Polizei eintraf. Die hatte inzwischen die Verkäuferin des Bäckerstandes gerufen.

Bereits sechsmal vor Gericht

Der Angeklagte erklärt abschließend, er sehe die Fehler ein, die er gemacht habe. Er sei aber auf einem guten Weg, sein Leben in den Griff zu bekommen. Nach kurzer Arbeitslosigkeit habe wieder einen Job, sich von den Freunden getrennt und er habe, bis auf einer Feier, seit sieben Wochen keinen Alkohol mehr getrunken.

Im Bundeszentralregister hat er bereits sechs Einträge, unter anderem wegen Körperverletzung, Urkundenfälschung, Beleidigung, Diebstahl und Hausfriedensbruch. Die letzte Verurteilung erfolgte nur sieben Tage vor der Tat im Roßweiner Edeka.

Bisher kam er immer mit einer Geldstraße davon. Eine solche hält die Staatsanwältin nun nicht mehr für ausreichend. Sie sieht die Tatsache des räuberischen Diebstahls als gegeben und beantragt ein Jahr Haft, das zur Bewährung ausgesetzt werden kann. 

Polizei nimmt Angeklagten nach Verhandlung mit

Aufgrund des „lächerlichen Wertes des Diebesgutes“ und, weil bei der Aktion in Roßwein niemand verletzt wurde, plädiert der Verteidiger auf sieben Monate Haft. Dem schließt sich Richterin Karin Fahlberg an. Zwei Jahre muss sich der Angeklagte bewähren. Er wird auch einem Bewährungshelfer unterstellt. 

Zudem trägt er die Kosten des Verfahrens. „Ich gehe davon aus, dass Sie die Kurve kriegen“, meint Karin Fahlberg und macht dem Angeklagten deutlich, dass die Bewährung beim kleinsten Vergehen widerrufen werden kann.

Mit einem Nicken bestätigt der junge Mann, dass er das verstanden habe. Er verzichtet auf eine Revision und nimmt das Urteil an. Als er den Sitzungssaal verlässt, warten dort bereits zwei Polizeibeamte, die ihn für eine Befragung auf das Döbelner Revier bringen wollen...

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