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Geschlossene Treffs: Jugendliche schieben Frust

Das Clubleben in den Döbelner Jugendtreffs liegt brach. Dabei würden manche Kinder und Jugendliche gerade jetzt Beistand brauchen.

Die Sozialarbeiterin Juliane Gröhner wartet darauf, dass sie im Jugendtreff North Point wieder richtig loslegen kann. Ab dieser Woche sind Einzelgespräche und Hausaufgabenhilfen möglich.
Die Sozialarbeiterin Juliane Gröhner wartet darauf, dass sie im Jugendtreff North Point wieder richtig loslegen kann. Ab dieser Woche sind Einzelgespräche und Hausaufgabenhilfen möglich. © Dietmar Thomas

Döbeln. Die Tür bleibt zu in der Coronakrise. „Achtung, bis auf weiteres geschlossen“, steht auf einem Zettel im Schaukasten, der am Eingang zum City Club im Keller der Körnerplatzschule steht. Die beiden Döbelner Kinder- und Jugendtreffs der Kindervereinigung Leipzig im Zentrum und in Döbeln Nord sind in der Pandemie dicht. In einer Zeit, in der Jugendliche ohnehin durch die Schließung der Schulen von ihren Freunden isoliert sind.

„Die Jugendlichen fragen sehr oft an: Wann macht der Club wieder auf? Wir haben keinen Bock mehr, immer zu Hause zu sein. Es ist langweilig“, sagte die Sozialarbeiterin Jennifer Langner, die den City Club leitet. „Das Stimmungsbild bei den Jugendlichen wird immer düsterer. Die freuen sich immer, wenn sie mich mal zufällig in der Stadt treffen.“ Der zweite Lockdown habe die Jugendlichen noch härter getroffen. „Da wussten sie schon aus dem ersten, was auf sie zukommt“, so Jennifer Langner.

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Gespräche beim Spazieren

Mit den Jugendlichen ist die Sozialarbeiterin in der Pandemie zum Beispiel per Videochat in Kontakt. „Da bekommen wir dann im Hintergrund schon mal mit, wenn die Eltern nicht die stärksten Nerven haben.“ Einzelne Beratungsgespräche gibt es auch. Jennifer Langner geht dann mit den jungen Leuten spazieren, das sei erlaubt. „Sie nutzen es sehr gern, um mir mal zu erzählen, was zu Hause nervt und schiefläuft.“

Die Sozialarbeiterin hat die Hoffnung, dass es wieder losgehen kann im Jugendtreff, wenn im kommenden Monat eventuell die Schulen wieder öffnen. Im vergangenen Jahr sei das auch der Fall gewesen, wenn auch mit reduzierten Teilnehmerzahlen in den Innenräumen. „Das hat mit dem entsprechenden Hygienekonzept super funktioniert. Fünf bis zehn Leute ist eine angenehme Anzahl. Wir hatten auch keine Infektionen“, sagte sie.

Einzelbetreuung möglich

„Im vergangenen Jahr haben wir auch ganz viel draußen gemacht. Die Gruppenarbeit ist ja ein ganz wichtiger Teil. Da hoffen wir auf den Frühling mit wärmeren Wetter.“

Einige Lockerungen gibt es bereits für die Jugendtreffs. Die Sozialarbeiterinnen dürfen seit dieser Woche Einzelbetreuung für Kinder und Jugendliche anbieten. Gespräche und auch Hausaufgabenhilfen, sagte Juliane Gröhner, Sozialarbeiterin und Leiterin des Jugendtreffs North Point in Döbeln Nord.

Probleme nicht im Blick

Sie hat die gleichen Erfahrungen wie ihre Kollegin im Cityclub gemacht. Manche Jugendliche kommen zu Hause schwer zurecht. „Da gibt es oft Ärger, wenn man aufeinander hockt und vielleicht noch Geschwister da sind.“ Wenn Kinder und Jugendliche in schwierigen familiären Bedingungen aufwachsen, sei es unter diesen Umständen schwer, auf mögliche Gefährdungen des Kindeswohls zu reagieren. „Man bekommt nicht mehr viel mit“, sagte Juliane Gröhner.

Ganz ähnlich sieht das auch ihre Kollegin Jennifer Langner . „Das wird noch ein Thema, das uns in der Pandemie verfolgen wird.“ Zu normalen Zeiten bekommen die Sozialarbeiter eher mit, wenn es in den Familien Probleme gibt. „Dann schauen wir, was es für Hilfsangebote gibt“, sagte Jennifer Langner. Auch das Jugendamt kann in manchen Fällen eingeschaltet werden.

Fast normaler Sommer

Im North Point steht noch der Weihnachtsbaum im Gruppenraum. „Wir hatten schon geschmückt. Alle hatten sich auf die Weihnachtsfeier gefreut“, erzählte Juliane Gröhner. „Aber irgendwann klappt das. Dann wird alles nachgeholt.“

Die Sozialarbeiterin hatte im März vergangenen Jahres den Treff übernommen und damit praktisch keine coronafreie Zeit erlebt. Wobei im Sommer, mit einigen Einschränkungen, ein relativ normales Clubleben möglich war. „Wir waren im Töpelwinkel und in den Klostergärten, haben Radtouren unternommen und im Checkpoint in Waldheim gezeltet. Da waren fast 30 Kinder dabei“, sagte sie. „Wir hoffen auf die Sommerferien, dass es da wieder richtig losgehen kann.“

Optimistisch ins neue Jahr

Auch Jennifer Langner plant optimistisch fürs laufende Jahr. „Wir haben uns im vergangenen Jahr gut mit Projekten und Workshops über Wasser gehalten. Auch wenn das in geschlossenen Räumen schwierig ist.“ Für die Ferien sei schon ein Projekt in Planung, mit dem die Sozialarbeiterin mit den Kindern und Jugendlichen nach draußen gehen kann. „Da wollen wir Graffitis gestalten.“

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