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Döbeln

Rückblick: Giftgaswolke über Leisnig

Gespenstisch sah es aus, was am Morgen des 21. August über Leisnigs Weststadt aufstieg. Die Analysen bestätigten die Befürchtungen.

Eine Giftgaswolke haben Anwohner am Morgen des 21. August 2020 über der Weststadt von Leisnig entdeckt. Die sorgte für einige Aufregung.
Eine Giftgaswolke haben Anwohner am Morgen des 21. August 2020 über der Weststadt von Leisnig entdeckt. Die sorgte für einige Aufregung. © privat/Montage: D. Thomas

Leisnig. Eine orangefarbene Wolke, die an einem frühen Sommermorgen über Leisnig waberte, hat sowohl an diesem heißen Tag als auch in der Folge noch eine Menge Menschen beschäftigt.

Mehr als 100 Kräfte von Feuerwehr, Technischem Hilfswerk (THW), Polizei, der Johanniter, Kommune und Landkreisverwaltung waren diesem und teilweise noch am Folgetag an der Weststraße in Leisnig im Einsatz. Die Dämpfe stiegen auf dem Gelände der früheren Schnallenfabrik aus einem ehemaligen Trafohaus auf.

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Dieser Stelle näherten sich die Feuerwehrleute zunächst unter Atemschutz. Mit einem Ablöschen wurde versucht, die Konzentration der zu diesem Zeitpunkt noch unbekannten Gase zu minimieren, Gefahren für die Umgebung zu reduzieren.

In der Nachbarschaft befinden sich Krankenhaus, Kindergarten und Wohnhäuser. Auf verschiedenen Kanälen wurde alle angehalten, die Fenster trotz Hitze geschlossen zu halten. Später wurden die vermeintlich kontaminierten Stoffe mithilfe von Kräften und Technik des THW abtransportiert.

Mithilfe eines größeren Baggers haben Ehrenamtliche des Technischen Hilfswerkes Döbeln, Freiberg und Chemnitz am 21. August noch die gesamte Nacht über kontaminiertes Material auf dem Gelände der ehemaligen Schnallenfabrik in Leisnig ausgebaggert. Für ein
Mithilfe eines größeren Baggers haben Ehrenamtliche des Technischen Hilfswerkes Döbeln, Freiberg und Chemnitz am 21. August noch die gesamte Nacht über kontaminiertes Material auf dem Gelände der ehemaligen Schnallenfabrik in Leisnig ausgebaggert. Für ein © Lars Halbauer

Um welche Gase es sich handelt, was möglicherweise miteinander reagiert hat, das war über Stunden nicht zu ermitteln. Dabei stand an diesem Nachmittag auch zur Debatte, ob die benachbarte Helios-Klinik möglicherweise evakuiert werden muss.

Erste Hinweise brachten Messungen der Analytischen Task Force Einheit des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz. Die bei der Berufsfeuerwehr in Leipzig stationierten Spezialisten sind am Abend nach Leisnig gekommen. Schneller waren Anhaltspunkte zu den Dämpfen nicht zu bekommen. Eine Evakuierung machte sich schließlich nicht nötig.

Für Leisnigs Feuerwehr war dieser Einsatz einer der ungewöhnlichsten – nicht nur in diesem Jahr, findet René Gentzsch, der zuerst Einsatzleiter war, später an seinen Bruder Marko übergab, der im Tagesverlauf keine leichten Entscheidungen zu treffen hatte. „Ich denke, wir haben diesen Einsatz gut gemeistert“, so René Gentzsch, der in Leisnig auch stellvertretender Wehrleiter ist.

Detaillierte Auswertung steht immer noch aus

Eine Gesamtauswertung dieses Tages steht immer noch aus, sagte Leisnigs Bürgermeister Tobias Goth (CDU) jetzt. Ein Termin mit allen Beteiligten sei in diesem Jahr vor allem coronabedingt nicht zustande gekommen.

Reichlich spät trafen auch verschiedene Untersuchungsergebnisse ein. Die bestätigten, dass Stickoxide und schwefelhaltige Gase ausgetreten, die Dämpfe also giftig waren. Wie genau diese zustande kamen, erklärte die Stadt Leisnig in ihrer damaligen Mitteilung nicht.

Gefahr geht von dem Gelände an der Weststraße im Moment nicht mehr aus, schätzt die Kommune ein. Kontaminiertes Material ist abtransportiert worden. Den nicht in Deutschland lebenden Eigentümer hat das Ordnungsamt der Stadt Leisnig über die Vorkommnisse auf dem Grundstück informiert. Für das Gelände soll es nach dem Wissen von Rathauschef Goth einen Kaufinteressenten geben.

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