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Händler frustriert wegen Ladenschließungen

Viele haben Angst, auf ihrer Ware sitzenzubleiben. Für manchen wird das bedrohlich. Ihre Forderung: wenn Hilfe, dann für alle.

Am Mittwoch waren jede Menge Menschen in der Döbelner Innenstadt unterwegs - es gibt nicht mehr viele Gelegenheiten für Weihnachtseinkäufe. Dazu gab es musikalische Begleitung durch zwei Straßenmusiker.
Am Mittwoch waren jede Menge Menschen in der Döbelner Innenstadt unterwegs - es gibt nicht mehr viele Gelegenheiten für Weihnachtseinkäufe. Dazu gab es musikalische Begleitung durch zwei Straßenmusiker. © Dietmar Thomas

Mitten im Weihnachtsgeschäft platzt die Bombe: Ab nächster Woche müssen alle Geschäfte schließen, die nicht Waren des täglichen Bedarfs verkaufen. "Ich finde das nicht gut, zumal es nur Sachsen betrifft. Aber wir dürfen den Kopf nicht in den Sand stecken", sagte Sylvia Haynert, Geschäftsführerin von Phönix-Moden an der Rudolf-Breitscheid-Straße in Döbeln. "Wir haben zwar nicht das typische Weihnachtsgeschäft. Aber wir haben uns für die Vorweihnachtszeit auch Gedanken gemacht. Die Deko ist jetzt sinnlos." Die letzten verbleibenden Tage, einschließlich Sonnabend, will das Modehaus seinen Kunden Gelegenheit geben, in Ruhe einzukaufen. "Wir öffnen bis 20 Uhr", sagte Sylvia Haynert.

Die Geschäftsführerin glaubt nicht daran, dass die Ladenschließung im Januar schon wieder beendet ist. Das könnte manche Modehändler in Schwierigkeiten bringen. "Da kommt dann schon die erste Saisonware. Und wenn davon nichts verkauft werden kann, ist auch kein Geld da, die Ware zu bezahlen."

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Die Modehändlerin wird ab Montag ihre Mitarbeiterin in Kurzarbeit schicken. Für sie selbst gibt es solche Regelungen nicht.

Schlange beim Juwelier

Nachdem klar war, dass die Geschäfte Anfang der Woche schließen müssen, standen die Kunden beim Juwelier Engert-Popko in Waldheim Schlange. "Wir hatten Kunden da, die sagten, dass sie sonst immer zwei Tage vor Weihnachten ihre Geschenke einkaufen. Diesmal waren sie zwei Wochen vorher da", sagte Maik Popko, Ehemann der Inhaberin. Für das Juweliergeschäft ist die Schließung vor Weihnachten der Gau. "Wir kaufen für Weihnachten extra Ware ein und haben Rechnungen ohne Ende zu bezahlen", sagte Popko.

Er kann die Geschäftsschließungen in Sachsen nicht nachvollziehen. In Brandenburg und Sachsen-Anhalt bleiben die Läden offen. "Da fahren die Leute eben dorthin. Söder hat gesagt, dass er erst nach Weihnachten die Geschäfte in Bayern zumacht. Er weiß, dass er sich damit Ärger erspart", sagte Popko. Das Händlerehepaar will jetzt bis Sonnabend noch so viel Geschäft mitnehmen, wie möglich. "Wir öffnen am Sonnabend auch bis 18 Uhr. Mal sehen, wie viele Kunden kommen." Für das Juwelier-Geschäft entsteht mit der verordneten Schließung eine bedrohliche Situation, zumal noch nicht klar ist, wie es im Januar weitergeht. "Wir hoffen, dass wir das überstehen. Die Einzelhandelsverbände fordern, dass die Händler die gleiche Unterstützung wie Gastronomie und Hotels bekommen sollen", sagte Popko.

Klingel an der Ladentür

Kopf in den Sand stecken gilt nicht, meint Steffen Matthes, Chef von EP Schmalfuß am Niedermarkt in Döbeln. Die Ladenschließung treffe ihn in der umsatzstärksten Zeit des Jahres. Aber Matthes hofft, mit seiner sechsköpfigen Mannschaft mit einem blauen Auge davonzukommen. Auch wenn der Laden schließen muss, Aufträge werden weiter telefonisch entgegengenommen. EP Schmalfuß repariert auch Elektronik und Haushaltsgeräte. "Da bauen wir die Klingel vorn am Eingang wieder an. Mal sehen, was am Freitag in der Allgemeinverfügung steht, inwieweit Abholung möglich ist", so Matthes. "Wir versuchen auch, neue Formen des Verkaufs übers Internet zu finden."

Jeder müsse zur Überwindung der Pandemie einen Beitrag leisten, meint der Händler. "Allerdings sollte es auch gerecht zugehen. Wenn es für die Gastronomen eine Entschädigung gibt, muss es die für die Händler auch geben. Die Kosten laufen auch ohne Einnahmen weiter." Kurzarbeit für seine Mitarbeiter will Matthes so lange wie möglich vermeiden. "Wir haben noch einige größere Aufträge abzuarbeiten. Aber dann wird es dünn."

Auch die Märkte fehlen

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Auch Thomas Krebs, Kürschner in Roßwein, befürchtet, keine Unterstützung zu bekommen. Noch mehr als die Tatsache, dass er seinen Laden vor Weihnachten schließen muss, schmerzt ihn die Tatsache, dass auch alle Weihnachtsmärkte ausgefallen sind. Denn auf denen macht er mit seinen Pelz- und Lederartikeln einen Hauptteil des Geschäfts. Als "darstellender Handwerker" sei er sehr gefragt und könne sich aussuchen, wo er hingeht, erzählt der 63-Jährige. Aber in diesem Jahr war es nur von Anfang September bis Mitte Oktober gut gelaufen. "Mir fehlen die Menschen, nicht nur der Umsatz. Ich rede bei so einem Markt mit 200 bis 300 Leuten am Tag und bringe von dort auch meine Aufträge mit. "

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