SZ + Döbeln
Merken

Händler in Waldheim dürfen an zwei Adventssonntagen öffnen

Die Stadträte von Waldheim haben die Termine festgelegt. Einige Händler freuen sich darauf und sind auf die Reaktion der Kunden gespannt.

 5 Min.
Teilen
Folgen
Silke Wagenbach wird das Schuhgeschäft von Jens Jung am Waldheimer Obermarkt auch am zweiten und vierten Advent aufschließen und Kunden bedienen. Auch andere Einzelhändler wollen sich an den verkaufsoffenen Sonntagen beteiligen.
Silke Wagenbach wird das Schuhgeschäft von Jens Jung am Waldheimer Obermarkt auch am zweiten und vierten Advent aufschließen und Kunden bedienen. Auch andere Einzelhändler wollen sich an den verkaufsoffenen Sonntagen beteiligen. © Dietmar Thomas

Waldheim. Die Pandemie hat das Kaufverhalten geändert. Das haben viele Geschäftsinhaber festgestellt. Bei manchen Kunden ist der Kontakt zu örtlichen Händlern noch weniger geworden, weil der Bestellbutton bei Internet-Anbietern immer noch schneller gedrückt ist, als sich auf den Weg in die Stadt zu machen. Doch auch das Gegenteil ist passiert, Schuhhändler Jens Jung zum Beispiel.

Er berichtet, dass sich einige seiner Kunden gefreut hätten, dass das Geschäft über die Schließzeiten der Pandemie durchgehalten hat. „Und sie stellten in Aussicht, künftig mehr auf Regionalität schauen zu wollen“, sagt Jens Jung, der in Waldheim, Döbeln und Grimma Schuhläden betreibt.

Hat Corona die Kundenbindung gestärkt?

Den in Waldheim will er an den Sonntagen 5. und 19. Dezember öffnen und sich dabei überraschen lassen, ob die Kunden tatsächlich ihre Weihnachtseinkäufe im Ort erledigen oder dafür weiterhin in die Großstädte oder Einkaufszentren fahren.

Das hatte Jens Jung in den Jahren vor der Pandemie festgestellt und deshalb für sich beschlossen, dass sich die Sonntagsöffnungszeit für sein Geschäft in Waldheim nicht mehr lohnt. „Trotzdem wollen wir es in diesem Advent noch einmal versuchen und freuen uns an den beiden genannten Adventssonntagen auf Kundschaft“, so Jung.

Selbstständige freuen sich aufs Weihnachtsgeschäft

Genauso sieht es Andrea Weller, die Inhaberin des Jeans-Corner am Obermarkt. „Wir sind glücklich, dass wir im Weihnachtsgeschäft wieder für die Kunden da sein dürfen“, sagt die Händlerin. Nicht gern denkt sie an die Adventszeit im vergangenen Jahr zurück, als die Läden, die keine Lebensmittel im Angebot hatten, Mitte Dezember schließen mussten.

„Den Samstag vorher hatten wir auch nachmittags offen, dann war Schluss“, so Andrea Weller. Für sie und viele Selbstständige in Waldheim und darüber hinaus folgten schlimme Wochen. Manche Geschäftsleute bangten um ihre Existenz.

In dieser Situation hatten sich einige, auch im Gewerbeverein organisierten Händler zusammengeschlossen und über eine Schaufensteraktion versucht darzustellen, wie es im Zentrum der Zschopaustadt aussehen könnte, wenn in den Läden und Schaufenstern die Lichter ausbleiben.

„Gerade deswegen sollten wir auch jetzt bei den Adventsöffnungen dabei sein“, finden Andrea Weller und Jens Jung. In den Bemühungen jetzt nachzulassen, sei zumindest aus ihrer Sicht der falsche Weg.

Auch Spielzeughändler und Juweliere dabei

Die Juweliere und Uhrmacher Gudrun und Maik Popko, die ebenfalls am Obermarkt ein eigenes Fachgeschäft betreiben, müssen nicht lange überlegen. Maik Popko hat die Termine für die Sonntagsöffnungszeit „auf dem Schirm“. „Da machen wir mit“, sagt er.

Auch Hofmanns Hobby-Shop wird die Sonderöffnungszeiten im Interesse der Kundschaft anbieten. Das sei immer gut angenommen worden, sagt Antje Hofmann, deren Mann Bernd in der Niederstadt vieles anbietet, was die Herzen von Kindern wie Erwachsenen mit Faible für kleine Eisenbahnen oder Schiffsmodellbau höherschlagen lässt.

„Am Wochenende des zweiten Advents werden wir mit einer Auswahl unseres Angebotes auf dem Weihnachtsmarkt präsent sein“, kündigt Antje Hofmann an. Den zweiten verkaufsoffenen Sonntag gebe es dann im Laden der Hofmanns.

Jederzeit online shoppen

Geschlossen bleibt an diesem Tag der Buchladen von Katja Dierbeck. Dafür gibt es mehrere Gründe, wie die Inhaberin von Dierbooks erklärt. Die Sonntagsöffnung sei bei ihr im Geschäft zuletzt kaum noch angenommen worden. „Die Leute zieht es dann wohl doch eher auf die Märkte der Großstädte und die Innenstädte dort, weil das Angebot einfach größer ist“, vermutet Katja Dierbeck.

  • Nachrichten aus der Region Döbeln von Sächsische.de gibt es auch bei Facebook und Instagram

Darüber hinaus denkt sie auch an ihr Personal. Alle haben Kinder und Familie, mit denen sie an den Adventssonntagen gern zusammensein wollten. „Wir haben montags bis samstags geöffnet und einen Online-Bestellservice“, so die Geschäftsfrau. Daran hätten sich die Kunden gewöhnt. Beides werde gut und gern genutzt, auch für Weihnachtseinkäufe, so Katja Dierbecks Resümee.

Geschäftsleute entscheiden selbst

Der Beschluss der Stadträte gibt den Inhabern von Verkaufsstellen im gesamten Gebiet von Waldheim die Möglichkeit, an den zwei festgelegten Sonntagen – konkret am zweiten und vierten Advent zwischen 13 und 18 Uhr – ihre Läden zu öffnen. Eine Verpflichtung ist das nicht.

Grundlage für die Ratsentscheidung ist das Sächsische Ladenöffnungsgesetz. Das lässt zu, dass Geschäfte an insgesamt vier Sonntagen im Jahr öffnen dürfen. Die beiden Waldheim-Termine sind mit dem Vorstand des Gewerbevereins abgestimmt. Viele Händler und Gewerbetreibenden der Stadt sind in diesem Verein organisiert.